09.03.2020 // Strategien, Methoden & Tools

„Interne Task Force zur Gefahrenabwehr“

Björn Kech von Trumpf: „Unserem Krisenteam gehören Experten aus den Bereichen Zentraleinkauf, Produktion sowie Zoll- und Außenwirtschaftsrecht an. Sie richten ihren Blick nicht nur auf Politik und Märkte, sondern besprechen frühzeitig mögliche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr für unser Unternehmen.“

Foto: Trumpf Foto: Trumpf

Björn Kech, Leiter Group Customs & External Trade Department der Trumpf GmbH + Co. KG, Ditzingen, gab dem BME folgendes Interview*: 

Foto: Trumpf

Foto: Trumpf

BME: Wie ist Ihr Einkauf strukturiert?
Kech:
Unser Einkauf ist dezentral organisiert. Er verantwortet ein jährliches Beschaffungsvolumen von rund 2,2 Milliarden Euro. Das Procurement ist für die globale Einkaufsstrategie des Unternehmens zuständig. Im Rahmen des Warenguppenmanagements erstellen wir je Warenguppe eine eigene Strategie, die global gilt. Dazu gehört ein aktives Risikomanagement, um auf Katastrophen wie beispielsweise dem Atomunfall in Fukushima oder bei politischen Krisen wie dem Handelsstreit zwischen den USA und China schnell reagieren zu können. Der indirekte Einkauf wird ebenfalls von Ditzingen aus gesteuert. Neben dem kontinuierlichen Scannen der Märkte verfolgen wir die Entwicklung der Währungsparitäten. Trumpf kauft viele Rohstoffe, Materialien und Dienstleistungen in US-Dollar und Euro ein. Da wir auch eine Tochtergesellschaft in der Schweiz haben, spielt der Kurs des Franken für uns ebenfalls eine wichtige Rolle.

Kaufen Ihre Auslandsgesellschaften selbst ein?
Mit rund 70 Tochtergesellschaften ist unsere Unternehmensgruppe in Nord- und Südamerika, Asien sowie in fast allen europäischen Ländern vertreten. Produktionsstandorte befinden sich in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Schweiz, Polen, Tschechien, USA, Mexiko, China und Japan. Die strategischen Vorgaben für den Einkauf werden vom Warengruppenmanagent global definiert. Das Lieferantenset beinhaltet auch lokale Lieferanten in den unterschiedlichen Märkten, bei denen unsere Tochtergesellschaften selbständig vor Ort sourcen können. Von den genannten 70 Standorten verfügen 21 über eigene Einkaufsorganisationen. Diese beschaffen nicht nur, sondern treiben auch strategische Themen mit den Lieferanten eigenständig voran. Für Trumpf sind weltweit 12.800 Supplier aktiv. Die Top Lieferanten laden wir regelmäßig zu einem Erfahrungs- und Meinungsaustausch nach Ditzingen ein.

„Pacesetter“ war das Motto des 54. BME-Symposiums. Ist der Trumpf-Einkauf auch schon Tempomacher Ihres Unternehmens?
Unser Zentraleinkauf hat dieses Mandat erhalten und erfüllt es auch. Gleichzeitig wird in unserem Unternehmen die Spezialisierung und Interaktion aller Zentralbereiche gefördert. Der Einkauf ist in einer starken Position und wird von allen wahrgenommen. Er spielt eine aktive Rolle und sitzt nicht auf dem Rücksitz, um lediglich zuzuschauen, was mit ihm passiert.

Stellen die zunehmenden politischen Krisen Ihr Risikomanagement vor neue Herausforderungen?
Nein, denn an Krisen sind wir gewöhnt. Im Rahmen unseres Risikomanagements denken wir beispielsweise regelmäßig über Second Sources nach. Wir prüfen sehr genau, ob und wie schnell wir auf den Ausfall dringend benötigter Rohstoffe und Materialien reagieren können. Zudem checken wir die damit verbundenen Auswirkungen auf unsere Lieferketten.

Ist Ihr Auslandsgeschäft vom Handelsstreit zwischen den USA und China betroffen?
Als Global Player bleibt auch Trumpf davon nicht verschont. Schließlich besitzen wir Produktionsstandorte in beiden Staaten. Die verhängten Strafzölle treffen direkt unsere Lieferketten und unseren internen Produktionsverbund. Die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf unser Geschäft sind spürbar.

Kann man dagegen etwas machen?
„Wir haben auf die wachsenden Handelskonflikte mit der Bildung einer internen Task Force reagiert. Diesem Team gehören Experten aus den Bereichen Zentraleinkauf, Produktion sowie Zoll- und Außenwirtschaftsrecht an. Sie richten ihren Blick nicht nur auf Politik und Märkte, sondern besprechen frühzeitig mögliche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr für unser Unternehmen und zur Kriseneindämmung.“ Mit Blick auf drohende Strafzölle untersuchen sie, ob und wenn ja wie groß die Auswirkungen auf die laufende Produktion, Herstellungskosten und Supply Chain sein könnten. Ich spreche deshalb in diesem Zusammenhang von einer Drei-Schritt-Strategie.

Könnten Sie das näher erläutern?
Die wichtigste Frage ist zunächst, ob sich die Auswirkungen eines Strafzolls für uns umgehen lassen, indem wir gegebenenfalls die Trumpf-Produktion von Land A nach Land B verlagern. Eine weitere Möglichkeit ist der Versuch, möglichst kurzfristig von einem Lieferanten zu einem anderen zu wechseln – hier ist vor allem unser Einkauf gefordert. Wenn diese beiden Maßnahmen nicht greifen, müssen wir versuchen, mit den negativen Folgen der Strafzölle zu leben und sie zu akzeptieren.

„Trade Wars! Wer bestimmt die Rohstoffmärkte?“ war Ihr Thema auf dem 54. BME-Symposium in Berlin. Was hat die Diskussion Ihrer Fachkonferenz ergeben?
Die Meinungen der Teilnehmer, darunter Manager aus den Bereichen Einkauf, Materialwirtschaft, SCM und Logistik, zu diesem Thema gingen weit auseinander. Der Vertreter eines bedeutenden süddeutschen Getriebeherstellers verwies darauf, dass die Strafzölle künstlich herbeigerufen würden. Er äußerte gleichzeitig seine Erwartung, dass die Rohstoffpreise nach den Schocks der vergangenen Monate – Stichworte Brexit, Straße von Hormuz oder das „Fingerhakeln Trump-Xi Jinping“ – wieder sinken werden. Ich habe darauf verwiesen, dass uns die zahlreichen politischen Krisen – allen voran der schwelende Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Erde – zu Verlierern machen. Schließlich reden wir nicht über natürliche Handelshemmnisse; sie sind vielmehr politisch gewollt. Künstlich hervorgerufene Handelsbarrieren führen immer zu Verlusten. Eine abschließende Antwort auf die Frage, wer letztlich die Rohstoffmärkte bestimmt, konnten wir aber letztlich nicht finden.

*Das Interview führte Frank Rösch, BME

Mehr vom BME auf...

Der BME - Mehr von und auf Twitter   Der BME - Mehr von und auf Xing   Der BME - Mehr von und auf LinkedIn   Der BME - Mehr von und auf Facebook   Der BME - Mehr von und auf Youtube

Weitere Meldungen zu:

Strategien, Methoden & Tools