Job Rotation – Ein Bildungskonzept für den Einkauf?

Die Fachgruppe "Personal im Einkauf" diskutierte auf ihrem letzten Treffen die Vor- und Nachteile des systematischen Arbeitsplatzwechsels.

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Über den Tellerrand hinaus schauen, den Horizont erweitern: Job-Rotation bringt in vielerlei Hinsicht frischen Wind in die Arbeitswelt. Während in der Produktion die Belastung der Arbeitnehmer und damit deren erforderliche Erholungszeit reduziert werden soll, steht im Büro eine andere Idee im Vordergrund. Durch eine länger angelegte Rotation sollen Tätigkeitsprofile erweitert und Arbeitshorizonte bereichert werden. Doch ist das Modell auch für den Einkauf interessant? Die BME-Fachgruppe "Personal im Einkauf" diskutierte diese Frage jüngst im Kreise ihrer Mitglieder.

Krankenkasse setzt auf Rotation

"Gerade in Zeiten, wo Fachkräftemangel im Einkauf ein großes Thema ist, handelt es sich bei Job Rotation um eine moderne Form der betrieblichen Weiterbildung", sagt Judith Richard, Projektmanagerin beim BME und Leiterin der Fachgruppe. "Es kann sich positiv auf die Performance auswirken, wenn ein Mitarbeiter nicht nur sein eigenes Revier beherrscht, sondern auch das Aufgabenprofil der Kollegen einschätzen kann", sagt die BME-Karriereexpertin. Gerade im Einkauf, der es als Schnittstellenmanager mit vielen Abteilungen und Produkten zu tun hat, könne so ein Mehr an Flexibilität und Kompetenz erreicht werden. Weit verbreitet ist das Vorgehen jedoch nicht: Die letzten Untersuchungen des Bundesinstituts für Berufsbildung haben ergeben, dass das Modell in etwa von jedem siebten Unternehmen eingesetzt wird.

Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) hat im Einkauf bereits erste Erfahrungen  gesammelt. Bei der gesetzlichen Krankenkasse wurde das Konzept des "Job Enlargement" bereits angetestet, wie der Leiter für Beschaffungswesen, Detlef Hannemann, in der Fachgruppe berichtete. Prinzip dessen ist, dass gleichwertige Tätigkeiten in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden. Bei der KKH will er künftig ein Zeitfenster von zwei bis drei Jahren praktizieren. "Die optimale Rotationsdauer ist aber abhängig vom Nutzungszweck des Instrumentes", sagte Hannemann. Für Berufseinsteiger etwa sei eine kürzere Zeit denkbar, damit sie schnell mit dem gesamten Berufsbild vertraut gemacht werden. Er verwies zugleich aber darauf, dass zu kurze Einsatzzeiten wegen der nötigen Einarbeitungszeit ihr Ziel zu verfehlen drohen.

Vor- und Nachteile im Überblick

Ermittelt haben die Fachgruppenmitglieder folgende Vorteile, die Job Rotation mit sich bringt:

  • Minimierung des Ansatzes zur Bestechlichkeit
  • Erweiterung des Tätigkeitsbereichs
  • Andere Sichtweisen für Mitarbeiter und Einkaufsleiter, neue Herangehensweisen
  • Kennenlernen anderer Kulturen (bei länderübergreifender Rotation)
  • Persönlichkeitsentwicklung
  • Förderung der Vernetzung
  • Kompensation von Ausfällen, Verhinderung von Wissensverlust
  • Infragestellung und Abschaffen von Arbeitsroutinen/Verhandlungsroutinen
  • Aufbrechen fester Strukturen
  • Fördern der Aktualität in den einzelnen Bereichen und Niederlassungen
  • Gegenseitiges Lernen, Verteilung von Wissen im Unternehmen

Folgende Nachteile jedoch sprechen laut den Mitgliedern gegen den Einsatz von Job Rotation:

  • Fehlende Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter
  • Mangel an der Bereitschaft, sich in neue Themen einzuarbeiten
  • Kosten (Firmenfahrzeug, Unterkunft)
  • Zeitfaktor (Einarbeitung)

Wie die Fachgruppe außerdem feststellte, entwickelt sich das Rotationsmodell bereits weiter. Neben dem "Job Enlargement" zählt das "Job Enrichment", bei dem der Wechsel innerhalb der Abteilung auf einem unterschiedlich hohen Anforderungsniveau erfolgt, zu den bereits verbreiteten Formen. Wie die Diskussion in der Fachgruppe ergab, gehen erste Rotationsversuche aber bereits darüber die eigene Abteilung hinaus: Abteilungs- oder gar betriebsübergreifende Wechsel sollen dem Mitarbeiter einen Einblick in andere Stellenprofile verschaffen. Denkbar wäre etwa der Einsatz eines Einkäufers in der Marketingabteilung, damit er die Denkweise der Fachabteilung besser verinnerlichen kann.

Interessenten für Personalfragen im Einkauf aufgepasst!

Die BME-Fachgruppe "Personal im Einkauf" sucht neue Teilnehmer, die sich gerne mit Themen wie Stellenprofile, Fachkräftemangel, Recruiting,  Talentförderung oder Vergütungssystemen beschäftigen. Zum Teilnehmerkreis zählen Einkaufsleiter, HR-Mitarbeiter und Personalentscheider aus Großunternehmen und KMUs, die sich vier bis fünfmal pro Jahr in der BME-Geschäftsstelle treffen.

Mehr Infos: » Fachgruppe: Personal im Einkauf

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