"Klima-Notstand und politische Grabenkämpfe"

Dem „Global Risks Report 2020“ des Weltwirtschaftsforums zufolge sind die schwerwiegenden Bedrohungen unseres Klimas für alle langfristigen Hauptrisiken verantwortlich. Gleichzeitig werden die „wirtschaftliche Konfrontationen“ und die „innenpolitische Polarisierung“ in diesem Jahr als bedeutende kurzfristige Risiken eingestuft.

Der aktuelle Global Risks Report 2020 des WEF warnt davor, dass geopolitische Turbulenzen und der der Rückzug aus dem Multilateralismus die Fähigkeit aller gefährden wird, gemeinsame, kritische weltumspannende Risiken zu bewältigen. Foto: pixabay.com Der aktuelle Global Risks Report 2020 des WEF warnt davor, dass geopolitische Turbulenzen und der der Rückzug aus dem Multilateralismus die Fähigkeit aller gefährden wird, gemeinsame, kritische weltumspannende Risiken zu bewältigen. Foto: pixabay.com

„Die wirtschaftliche und politische Polarisierung wird in diesem Jahr weiter zunehmen. Zumal die Zusammenarbeit zwischen Staatsoberhäuptern, Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern mehr denn je gefordert ist, um ernsthafte Bedrohungen für unser Klima, unsere Umwelt, die öffentliche Gesundheit und unsere Technologiesysteme aufzuhalten. Ein gemeinsamer Ansatz unterschiedlicher Interessenvertreter ist folglich dringend nötig, um das Risiko in einer Zeit zu verringern, in der die Welt nicht warten kann, bis sich der Nebel der geopolitischen Unruhen lichtet.“ Das sind die Ergebnisse des Global Risks Report 2020 des Weltwirtschaftsforums (WEF), der in Davos veröffentlicht wurde.

Der Bericht prognostiziert ein Jahr mit zunehmenden nationalen und internationalen Spaltungen und einer Abkühlung der Konjunktur: „Geopolitische Turbulenzen treiben uns zu einer unsteten, einseitigen Welt der Rivalitäten zwischen Großmächten – während sich Wirtschafts- und Regierungschefs dringend auf die Zusammenarbeit konzentrieren müssen, um gemeinsame Risiken anzugehen“, heißt es darin.

Das in diesem Jahr zum 50. Mal veranstaltete WEF bat über 750 Experten und Entscheidungsträger weltweit, ihre größten Bedenken in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit und Auswirkungen einzustufen. Danach gaben 78 von ihnen an, dass die „wirtschaftlichen Konfrontationen“ und die „innenpolitische Polarisierung“ 2020 zunehmen werden. Dies würde sich als katastrophal erweisen, insbesondere in Bezug auf die Bewältigung dringender Herausforderungen wie der Klima-Krise, des Verlusts der biologischen Vielfalt und des Artenrückgangs. Der Bericht weist darauf hin, dass die politischen Entscheidungsträger die Ziele für den Schutz der Erde mit denen für die Ankurbelung der Volkswirtschaften abgleichen müssen. Insbesondere für Unternehmen gelte es künftig, existentielle Verlustrisiken zu vermeiden, indem man sich an wissenschaftlich fundierten Zielen ausrichte.

Erstmals entfielen im Zehnjahres-Ausblick der WEF-Umfrage – gemessen an der Wahrscheinlichkeit – die fünf größten globalen Risiken auf Umweltbedrohungen. Der Bericht schlägt Alarm in Bezug auf:

  1. Extreme Wetterereignisse mit erheblichen Schäden an Eigentum, Infrastruktur und Verlust von Menschenleben
  2. Scheitern der von Regierungen und Unternehmen unternommenen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen
  3. Vom Menschen verursachte Umweltschäden und Katastrophen, einschließlich Umweltkriminalität wie Ölverschmutzung und radioaktive Kontamination
  4. Schwerwiegender Verlust an Artenvielfalt und Zusammenbruch von Ökosystemen (Land und Wasser) mit irreversiblen Folgen für die Umwelt, was zu einer starken Verringerung der Ressourcen für Mensch und Industrie führt
  5. Große Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche und geomagnetische Stürme.

Das Handlungsfenster wird immer kleiner - schnelles und zielgerichtetes Handeln ist nötig: In dem Bericht wird zudem darauf hingewiesen, dass die Zeit zur Bewältigung einiger der dringendsten wirtschaftlichen, ökologischen und technologischen Herausforderungen knapp werde, wenn sich die Interessenvertreter nicht an die „sich derzeit vollziehende epochale Machtverschiebung“ und die geopolitischen Turbulenzen anpassen und sich dabei gleichzeitig auf die Zukunft vorbereiteten. Somit werde deutlich, wo Maßnahmen von Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern am dringendsten gefordert seien.

„Die politische Landschaft ist polarisiert, der Meeresspiegel steigt und Teile der Welt kämpfen gegen Waldbrände von bisher unbekanntem Ausmaß. In diesem Jahr müssen die Staats- und Regierungschefs der Welt mit allen Bereichen der Gesellschaft zusammenarbeiten, um unsere Kooperationssysteme nicht nur zum kurzfristigen Nutzen, sondern auch zur Bewältigung unserer tief verwurzelten Risiken wiederherzustellen und zu stärken“, sagt WEF-Präsident Borge Brende.

Denken auf Systemebene sei jetzt erforderlich, um sich abzeichnenden geopolitischen und umweltrelevanten Risiken und Bedrohungen zu begegnen, die andernfalls nicht ausreichend ins Bewusstsein rücken könnten. Der diesjährige Bericht konzentriere sich auf die Auswirkungen von zunehmender Ungleichheit, Lücken in der Technologie-Governance und unter Druck stehenden Gesundheitssystemen.

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