01.10.2013 //

Kommentar: Lanze für die China-Einkäufer

Austausch tut not! Denn nicht alles, was die Heimat fordert, ist in China umsetzbar.

Editorial der BIP-Ausgabe 6/2013
(Erscheinung in der 2. Novemberwoche)

Netzwerken im Ausland tut gut!

Gerade im Ausland tut es einfach gut, sich auszutauschen. Über ähnlich hohe Anforderungen an Einkäufer, über ähnliche Strukturprobleme, über unterschiedliche und nicht immer nachvollziehbare menschliche Befindlichkeiten in einem fremden kulturellen Umfeld.
Die China-Woche des BME in Shanghai – alljährliches September-Highlight und Plattform für heimische Einkäufer und in China stationierte Experten – hat wieder einmal gezeigt: Zu hören, wie es andere machen, welchen Problemen diese sich ausgesetzt sehen, welche Aufgaben man sogar gemeinsam angehen könnte, das sind unschätzbare Benefits, die sich jeder Teilnehmer nutzbar machen kann. Der Mix aus Fabrikbesuchen, Best-Practice-Vorträgen, Lieferantensuchen und begleitenden Netzwerkevents hat sich seit 2006 bewährt. Die meisten Teilnehmer sehen sich eine knappe Woche lang täglich, man redet auf Augenhöhe miteinander.

Das Besondere: Man ist hier unter sich. Der ähnliche Aktionsradius auf intransparenten Märkten macht die Einkäufer gleich. Wie gesagt: Der Austausch tut einfach gut! Wo doch aus Deutschland vielfach noch immer illusorische Zielvorgeben für China hinsichtlich Umsatz und Beschaffungsbeitrag ausgerufen werden. Wo oft nicht gesehen wird, dass es selbst in einer so mächtigen Industrieregion wie Shanghai/Taicang/Suzhou zuweilen quälend lange dauern kann, bis der scheinbar rechte Lieferant gefunden und qualifiziert ist. Wo man als Einkäufer zumeist nicht von einer eingeführten Unternehmensmarke zehren kann und wo es darum notwendig ist, intensiv Marketing zu betreiben bei chinesischen Lieferanten, die sich – sofern es wirtschaftlich potent – nicht selten auf wesentlich höhere Abnahmen durch Nachfrager aus dem Land berufen können.

Vielfach ergeht nun die Losung an die Einkäufer in China: „Wir müssen uns auch in den Westen Chinas oder in den Norden orientieren, den Spuren der OEMs folgen ...“ Gut, dann aber dann bitte nicht unter gleich hohen Qualitätsforderungen, wie man sie gemeinhin etwa im Pearl River Delta anlegt. Und erst die Logistik – frisst sie am Ende die Preisvorteile auf? Dass „Lieferant gefunden“ noch lange nicht gleichbedeutend ist mit „Lieferant gehalten“, wissen Einkäufer, die in China agieren, nur zu gut. Und sie erfahren nahezu täglich, wie mühsam es ist, das Einmaleins des Einkaufs den eigenen Teammitgliedern zu vermitteln, die schon morgen für ein paar Yuan mehr zum Wettbewerber wechseln könnten. Auch hier gilt nämlich: „Finden“ ist nicht gleichbedeutend mit „halten“.

Machen sich das die strategischen Einheiten der Unternehmen daheim Deutschland wirklich klar? 7.232 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der Mitte Deutschland und der Mitte Chinas. In Shanghai unter dem Dach des BME geht es hautnah zu. Das tut gut!

Übrigens: Wir nehmen schon Anmeldungen für die China-Woche 2014 entgegen.    
Weitere Infos: sabine.ursel@bme.de

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