02.10.2019 //

Konjunktur kühlt weiter ab

Die Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2019 sieht die deutsche Industrie in der Rezession. Gründe für die schwache Entwicklung seien die nachlassende weltweite Nachfrage nach Investitionsgütern, politische Unsicherheit und strukturelle Veränderungen in der Automobilindustrie.

Über dem deutschen Konjunkturhimmel zieht ein Sturm auf. Die Rezessionsgefahr steigt, wie die jüngste Konjunkturprogrognose der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute zeigt. Foto: Janusz Klosowski/pixelio.de Über dem deutschen Konjunkturhimmel zieht ein Sturm auf. Die Rezessionsgefahr steigt, wie die jüngste Konjunkturprogrognose der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute zeigt. Foto: Janusz Klosowski/pixelio.de

Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für Deutschland deutlich nach unten korrigiert. Waren sie im Frühjahr noch von einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 0,8 Prozent im Jahr 2019 ausgegangen, erwarten sie nun nur noch 0,5 Prozent, heißt es in einer gemeinsam veröffentlichten Pressemitteilung. Gründe für die schwache Entwicklung seien die nachlassende weltweite Nachfrage nach Investitionsgütern, auf deren Export die deutsche Wirtschaft spezialisiert ist, politische Unsicherheit und strukturelle Veränderungen in der Automobilindustrie. Die Finanzpolitik stütze hingegen die gesamtwirtschaftliche Expansion. Für das kommende Jahr senken die Konjunkturforscher ebenfalls ihre Prognose auf 1,1 Prozent nach noch 1,8 Prozent im Frühjahr.

„Die deutsche Industrie befindet sich in einer Rezession, die inzwischen auch auf die unternehmensnahen Dienstleister durchschlägt“, sagt Claus Michelsen, Leiter der Abteilung Konjunkturpolitik des gastgebenden Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Dass die Wirtschaft überhaupt noch expandiere, sei vor allem auf die anhaltende Kauflaune der privaten Haushalte zurückzuführen, die von den guten Lohnabschlüssen, Steuererleichterungen und Ausweitungen staatlicher Transfers gestützt werde.

Weltweit blieben die politischen Unwägbarkeiten bestehen und belasteten über die Investitionsbereitschaft der Unternehmen den Außenhandel. „Vor allem die Risiken ausgehend von einer Eskalation des Handelskonflikts sind hoch. Aber auch ein ungeregelter Brexit hätte Kosten: Das Bruttoinlandsprodukt würde in Deutschland dadurch für sich genommen im kommenden Jahr um 0,4 Prozent niedriger ausfallen als bei einem geregelten Austritt“, ergänzt Michelsen.

Der Beschäftigungsaufbau verliere als Folge der konjunkturellen Abkühlung an Fahrt; die Industrie habe jüngst sogar Stellen abgebaut. Hingegen stellten Dienstleister und die Bauwirtschaft weiter ein. In diesem Jahr rechnen die Institute daher mit einem Beschäftigungsaufbau von 380.000 Stellen. In den kommenden beiden Jahren würden voraussichtlich nur noch 120.000 beziehungsweise 160.000 neue reguläre Arbeitsverhältnisse geschaffen. Die Arbeitslosenquote steige 2020 auf 5,1 Prozent von 5,0 Prozent in diesem Jahr und dürfte dann 2021 wieder auf 4,9 Prozent sinken. Die Verbraucherpreise würden 2019 weiterhin nur moderat um 1,4 Prozent, 1,5 Prozent 2020 und 1,6 Prozent 2021 zulegen. Die Überschüsse des Staats seien in diesem Jahr mit voraussichtlich rund 50 Milliarden Euro noch beträchtlich. Allerdings schmelzen sie bis 2021 auf rund vier Milliarden Euro, hieß es weiter.

Seit dem Frühjahr hätten sich die Risiken für die deutsche und die weltweite Konjunktur verschärft. Die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China, aber auch innerasiatische Konflikte schürten Unsicherheit und belasteten die internationale Konjunktur. Auch ein ungeregelter Brexit dürfte die europäische Wirtschaft und insbesondere auch die deutsche Wirtschaft negativ beeinflussen. Hierzulande stellten zudem Prozesse des strukturellen Wandels im Fahrzeugbau Risiken für den so wichtigen Automobilmarkt dar.

Die Gemeinschaftsdiagnose wird vom DIW in Berlin, vom ifo Institut in München, vom IfW in Kiel, vom IWH in Halle und vom RWI in Essen erarbeitet.

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