Konjunktur verliert an Dynamik

Die aktuelle Prognose des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sieht sowohl die deutsche Wirtschaft als auch die Global Economy in einer Abwärtsspirale.

Ende dieses Jahres deute vieles auf ein sachtes Ende des weltwirtschaftlichen Aufschwungs hin. Foto: pixabay.com Ende dieses Jahres deute vieles auf ein sachtes Ende des weltwirtschaftlichen Aufschwungs hin. Foto: pixabay.com

Im zweiten Halbjahr 2018 ist der Aufschwung der deutschen Wirtschaft ins Stocken geraten. Das geht aus der aktuellen Konjunkturprognose des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervor, die in der Saalestadt veröffentlicht wurde.

Unabhängig von den Problemen der Automobilbranche schwäche sich das Auslandsgeschäft schon seit Beginn des Jahres ab, denn die internationale Konjunktur habe den hohen Schwung des Jahres 2017 nicht halten können, vor allem wegen der politischen Unsicherheiten, welche die Handelskonflikte, der nahende Brexit und der Konflikt um den italienischen Staatshaushalt mit sich bringen. „Es ist zu erwarten, dass das weniger freundliche außenwirtschaftliche Umfeld nicht nur die Exporte dämpft, sondern auch auf Investitionsentscheidungen und Personalpolitik der Unternehmen durchschlagen wird“, so die Einschätzung von Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des IWH. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2018 um 1,5 Prozent sowie im nächsten Jahr um 1,4 Prozent und damit in etwa so stark wie die Produktionskapazitäten der deutschen Wirtschaft zulegen.

Internationale Konjunktur: Ende dieses Jahres deute vieles auf ein sachtes Ende des weltwirtschaftlichen Aufschwungs hin. Unternehmen schätzten schon seit Jahresbeginn ihre Lage im globalen Durchschnitt immer weniger günstig ein, und die Aktienkurse haben weltweit nachgegeben. Die wesentlichen Gründe für die zunehmend skeptischeren Blicke von Unternehmen und Finanzmarktteilnehmern auf 2019 seien das Auslaufen expansiver Impulse von Seiten der Geld- und Finanzpolitik in den USA und die Fortsetzung der Handelskonflikte. Zwar hätten sich die USA mit China Ende November auf ein dreimonatiges Stillhalteabkommen verständigt. Der Streit könne aber, wie der mit der Europäischen Union, bald wieder eskalieren. Insgesamtsei die Wirtschaftspolitik in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften 2019 weniger expansiv ausgerichtet als in diesem Jahr. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte aber, auch wegen des nach wie vor geringen Preisdrucks, erst gegen Ende des nächsten Jahres beginnen, die Leitzinsen auf Werte über null Prozent anzuheben. Die Finanzpolitik sei im Euroraum 2019 expansiv ausgerichtet, ohne Italien aber nur leicht. Wegen der Handelskonflikte und auch, weil die Erweiterung der Produktion insbesondere in der Bauwirtschaft vielfach an Kapazitätsgrenzen stoße, expandiere die Weltproduktion 2019 mit 3,0 Prozent und damit langsamer als in den Jahren zuvor.

Deutsche Konjunktur: Im zweiten Halbjahr 2018 sei der Aufschwung der deutschen Wirtschaft ins Stocken geraten. Im dritten Quartal sank die Produktion zum ersten Mal seit dreieinhalb Jahren, teilte das IWH weiter mit. Der Rückschlag gehe vor allem auf Probleme der Automobilbranche zurück: Viele Fahrzeugtypen seien nicht lieferbar gewesen, weil sie nicht nach dem neuen Abgas-Prüfverfahren zertifiziert waren. Allerdings hätte die Produktion wohl auch ohne diese Dämpfer langsamer expandiert als zuvor. Das Auslandsgeschäft schwäche sich schon seit Beginn des Jahres ab, denn die internationale Konjunktur habe den hohen Schwung des Jahres 2017 nicht halten können. Binnenwirtschaftlich dürfte sich aber der Aufschwung in Deutschland im Lauf des Jahres kaum verlangsamt haben. Ein Hauptgrund dafür seien die weiter günstigen Finanzierungsbedingungen. Sie würden aufgrund der expansiven Geldpolitik der EZB auch 2019 günstig bleiben. Allerdings sei zu erwarten, dass das weniger freundliche außenwirtschaftliche Umfeld nicht nur die Exporte dämpfe, sondern bald auch auf Investitionsentscheidungen und Personalpolitik der Unternehmen durchschlagen werde – zunächst wohl im Verarbeitenden Gewerbe, dann auch bei den Dienstleistern. Weiter bremsend wirke zugleich der Fachkräftemangel am Bau, aber auch in anderen Branchen. Alles in allem sei damit zu rechnen, dass die Produktion 2019 nur noch in etwa so stark zulege wie die Produktionskapazitäten. Alles in allem steige nach vorliegender Prognose das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland 2018 um 1,5 Prozent und im neuen Jahr um 1,4 Prozent.

Die Risiken für die Konjunktur in Deutschland entsprächen im Wesentlichen denen für die Weltwirtschaft. Freilich hätten die mit dem Brexit und dem Konflikt um den italienischen Staatshaushalt verbundenen Unsicherheiten für Deutschland als in beiden Fällen engem Handelspartner des jeweils betroffenen Landes eine besondere Bedeutung. Darüber hinaus würde die Einführung hoher US-Zölle auf Automobilimporte wegen der großen Bedeutung der Branche hierzulande die deutsche Konjunktur wohl besonders treffen. Mit dem Automobilsektor seien noch andere Risiken verbunden: Es sei denkbar, dass der dortige Produktionseinbruch nicht nur auf die Zertifizierungsprobleme zurückging. Schließlich dürfte mit dieselgetriebenen Fahrzeugen eine Produktklasse an Attraktivität eingebüßt haben, die für deutsche Anbieter besonders wichtig sei. Allgemeiner gesagt könnte laut IWH „ein von vielen Experten erwarteter Strukturwandel der Automobilindustrie rascher notwendig werden als hier unterstellt und schon kurzfristig die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland belasten“.

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