Logistik spürt globale Wachstumsschwäche

Commerzbank: Spediteure nutzen zunehmend Rationalisierungspotenziale

Containertransporte gelten neben Paketdiensten und Kontraktlogistik als künftige Wachstumsfelder. Foto: Hafen Hamburg

Die weltweite Wachstumsschwäche sowie die anhaltenden Probleme in der Eurozone wirken sich weiterhin dämpfend auf die deutschen Transport- und Logistikunternehmen aus. Nach einem leichten Umsatzplus von 0,7 Prozent im vergangenen Jahr dürfte das Wachstum 2013 höchstens stagnieren, so der aktuelle Branchenbericht der Commerzbank. Diese Prognose gelte auch für das deutsche Güterverkehrsaufkommen im ablaufenden Jahr. In Europa dagegen blieben die Zahlen unverändert rot: Nach einem Minus von 1,5 Prozent 2012 dürfte am Jahresende vermutlich ein Minus von 1,0 Prozent stehen. Erst ab 2014 werde ein stärkeres weltweites Umsatzwachstum erwartet; auch Europa liegt dem Bericht zufolge dann wieder im Plus und liefert wichtige Impulse, insbesondere für die deutsche Güterverkehrsnachfrage.

Der Logistikstandort Deutschland ist der Untersuchung zufolge weiterhin weltweit mitführend. Er profitiere von der starken deutschen Exportindustrie und einer künftig zunehmenden Verzahnung mit einem wachsenden Osteuropa. Transportunternehmen nutzten vor dem Hintergrund eines starken Kostendrucks zunehmend Möglichkeiten zur Rationalisierung, zur Auslagerung des Fuhrparks nach Osteuropa und zum Einsatz neuer Technologien. Green Logistics hätten sich als ein Instrument zur Wettbewerbsdifferenzierung erwiesen. Die Unternehmen bieten dem Branchenbericht zufolge immer ausgefeiltere und für den Kunden speziell zugeschnittene Logistikdienstleistungen an. Als zukünftige Wachstumsfelder sehen die Autoren der Studie insbesondere Paketdienste, Kontraktlogistik sowie Containertransport. „Die Ergebnisse der Untersuchung bestätigen, dass zunehmend wesentliche Teile der Wertschöpfung der deutschen Wirtschaft durch Verlagerung der Produktion im Ausland stattfinden“, so Michael Kotzbauer, Bereichsvorstand Großkunden der Commerzbank. „Gleichzeitig werden die Auslandsmärkte für den Absatz immer wichtiger. Bei einer zunehmend arbeitsteiligen Welt und global diversifizierten Absatzmärkten kommt der effizienten Logistik eine Schlüsselrolle für die deutsche Wirtschaft zu“, so Kotzbauer weiter.

Der anhaltend starke Wettbewerbsdruck im klassischen Ladungsverkehr durch osteuropäische Konkurrenten schwäche die Branche jedoch. Dabei gerieten insbesondere reine Transporteure unter Druck. In der Konsequenz sei der Spielraum für Preisgestaltung besonders eng - was sich insbesondere bei kleineren Unternehmen auswirke, die vermehrt als Subunternehmer größerer Logistikdienstleister tätig seien. Außerdem wirkten sich zunehmende qualitative und quantitative Engpässe in der Verkehrsinfrastruktur nachteilig für die gesamte Branche aus.

Zunehmend kritisch für die Branche würden auch hohe Sicherheits- und Umweltschutzauflagen. Wachsende Kostenblöcke seien Personal und Energie, wobei Energiekosten der größte Kostentreiber der vergangenen Jahre seien. Mittlerweile liege der Anteil der Kraftstoffkosten im Güterkraftverkehr bei rund 30 Prozent des Gesamtaufwandes – Tendenz steigend.

Mit einem Umsatz von 222 Milliarden Euro ist Deutschland laut Commerzbank-Angaben der führende Transport- und Logistikanbieter in Europa, weltweit an vierter Stelle nach den USA, China und Japan. Begünstigt werde dieses durch die zentrale Lage und die Exportstärke deutscher Unternehmen. Rund ein Viertel des europäischen Marktvolumens im Logistiksektor entfalle allein auf Deutschland. Die Unternehmensstruktur der Branche ist mittelständisch geprägt. Fast 90 Prozent aller deutschen Unternehmen erzielen Jahresumsätze von bis zu zwei Millionen Euro.

Frank Rösch, BME Frankfurt
 

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