05.10.2017 //

Mit Systematik Preishebel finden

Betriebsbesichtigung des Porzellanwerks Kahla: Einkauf stärkt Wettbewerbsfähigkeit gegen Preisdruck aus Low Cost Countries.

Ausstellung historischer Porzellanstücke: In der Kaiserzeit fertigte Kahla Tassen, die durch die besondere Form den Schnurrbart vor dem Nasswerden schützten. Fotos: Kahla, Doris Hülsbömer/BME e.V.

In dem modernen Porzellanwerk Kahla ist der Einkauf in den vergangenen Jahren neu ausgerichtet worden. Denn der internationale Preisdruck und steigende Kosten sollen die Wettbewerbsfähigkeit des Familienunternehmens nicht untergraben. Der Porzellanhersteller hat eine wechselvolle Geschichte: gegründet im Jahr 1844 und über Jahrzehnte ein Zentrum der Porzellanindustrie in der DDR, musste Kahla nach der Wende Insolvenz anmelden. Günther Raithel, ein ehemaliger Rosenthal Manager übernahm das Werk 1994 und investierte in moderne Anlagen und Designsprache.

Rund 30 Einkäufer aus Thüringen besichtigten das Werk am 28. September in Kahla. Veranstalter war die BME-Region Erfurt-Thüringen. Die Industrie- und Handelskammer Ostthüringen zu Gera hatte ihre Mitglieder ebenfalls zu der Firmenbesichtigung eingeladen. Heike Kunz von der IHK unterstrich in einem kurzen Statement als besondere unternehmerische Herausforderung der Region den Fachkräftemangel und die Nachfolgefrage. 

„Wie kann ein deutsches Unternehmen im Wettbewerb mit Low Cost Countries bestehen?“, thematisierte Einkaufsleiterin Katleen Jährling. Eine einfache Mengenbündelung stößt hierbei an Grenzen. Denn durch die Produktion in Deutschland beschafft sie ein breites Portfolio an Artikeln und Dienstleistungen, darunter Maschinen und Investitionsgüter, Rohstoffe, Verpackungen, Ersatzteile oder Zukaufartikel, wie die Deckel für die neuen Cupit-Becher. „Bei uns hat der Einkauf einen hohen Stellenwert“, sagt Jährling.

Veganes Porzellan

Um Einsparungen zu erzielen, hat sie den Einkauf in verschiedene Bereiche wie Zukaufartikel, Dienstleistungen oder Maschinen unterteilt und die Bereiche zu einzelnen Ausschreibungen zusammengefasst. „Wichtig ist dabei die Standardisierung in der Ausschreibung, damit nicht jeder Anbieter eine andere Art der Auswertung vorlegt“, betont die Einkäuferin. Ein weiterer Schwerpunkt der Neuorientierung ist das Vertragsmanagement. Gerade bei Rohstoffen lässt sich über die Laufzeit der Verträge ein Preispuffer bilden. Rohstoffe, die für die Porzellanproduktion benötigt werden, sind Kaolin, Quarz, Feldspat, Granulate, Gold, Gips, Farben und Lacke. Jährling schließt die Rohstoffverträge in der Regel über drei bis vier Jahre ab. „Allerdings haben wir bei unseren Rohstoffen keine großen Schwankungen“, erklärt Jährling.

Besonderen Wert legt das Unternehmen auf Nachhaltigkeit. „Unsere Teller sind vegan“, erklärte PR-Referentin Sandra Poppe bei der Betriebsbesichtigung. Denn Porzellan minderwertiger Qualität enthalte Knochenasche. Kahla setzt dagegen auf eine hochwertige Qualität seiner Produkte und auf ein modernes, kreatives Design. Damit konnte das Unternehmen bereits über 95 Designpreisen entgegennehmen.

Save the Date: Die BME-Region Erfurt-Thüringen lädt in diesem Jahr noch einer weiteren Firmenbesichtigungen ein: Erfurter Schokoladenmanufaktur Goldhelm (17.11.2017).

2018
Jahresauftaktveranstaltung mit Rechtsanwalt Martin Neupert aus Nürnberg zum Thema Recht: AGB, Einkaufsbedingungen, BGB, Praxisbeispiele

Von der BME-Regionsveranstaltung im thüringischen Kahla berichtete Doris Hülsbömer, BME. Der ausführliche Artikel erscheint in der November-Ausgabe von BIP–Best in Procurement, Erscheinungstermin: 2. November 2017. Das Magazin ist für BIP-Mitglieder kostenfrei.

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