Mittel und Wege gegen den Anstieg der Logistikkosten

Die "Logistikweisen" erarbeiteten einen Bericht über Rahmenbedingungen, Kostentreiber, Herausforderungen und Lösungsansätze. Übergeben wurde er an das Verkehrsministerium.

Foto: Logistikweisen / Marcus Reichmann Dorothee Bär empfing Vertreter des Expertengremiums im Bundesverkehrsministerium. Foto: Logistikweisen / Marcus Reichmann

Die Logistik in Deutschland bleibt auf Wachstumskurs. Das ist die zentrale Aussage eines Prognoseberichts der "Logistikweisen", die das Resümee ihrer Herbsttagung vor wenigen Tagen an das Bundesverkehrsministerium übergaben. Die parlamentarische Staatssekretärin und Schirmherrin der Initiative, Dorothee Bär, hatte Vertreter des Expertengremiums dazu in ihr Ministerium eingeladen. Der Bericht "Logistik bewegt" beschreibt, bewertet und diskutiert Hintergründe im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Kostentreibern sowie den heutigen Herausforderungen, die im Zusammenhang mit Megatrends wie der Nachhaltigkeit, digitalisierten Prozessen oder der Globalisierung entstehen.

In dem Bericht wird Bezug genommen auf die Rahmenbedingungen der Wirtschaft, die von Faktoren wie dem niedrigen Ölpreis, der Abwertung des Euros oder dem günstige Zinsumfeld belebt wird. In einer Prognose gehen die Logistikweisen davon aus, dass die Kosten im laufenden Jahr etwas stärker steigen werden als das allgemeine Wirtschaftswachstum. Den Korridor des Kostenanstiegs erwarten sie zwischen 2 und maximal 3 Prozent.

Dazu trage auch der demografische Wandel mit seinen Folgen bei. "Aufgrund einer alternden Gesellschaft können aus dem Berufsleben ausscheidende Mitarbeiter langfristig nicht mehr durch neu ins Arbeitsleben eintretende Beschäftigte ersetzt werden", schreibt Martin Schwemmer vom Institut Fraunhofer SCS. Den Fachkräftemangel und der Überalterung könne sich auch die Logistik nicht entziehen, speziell bei den Fahrern. "Die statistischen Daten zeigen für diesen Logistikbereich die deutlichsten Bewegungen hin zu einer älteren Belegschaft", so Schwemmer. Die demographischen Kostenaspekte abgewogen, hält er eine moderate Kostensteigerung per Saldo für realistisch.

Als zusätzliche Belastungen auf der Kostenseite wird in dem Bericht auch auf Mautsysteme und Nachhaltigkeitsfaktoren eingegangen. "Nachhaltigkeit ist ein globalgesellschaftlicher Trend und damit ein qualitativer, indirekter Einflussfaktor auf betriebswirtschaftliche Größen", betonte Dr. Christian Jacobi von Agiplan. In der Logistikindustrie sei diese Entwicklung zukünftig ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor und damit auch mitbestimmend für den unternehmerischen Erfolg. Eine nachhaltige Ausrichtung der Logistikindustrie begünstige die Effizienz und damit auch die operativen Kosten. Kurz- und mittelfristig seien dafür aber erhebliche Investitionen in Technologien, Organisation und Kommunikation erforderlich.

Thematisiert wurde auch das Potenzial von "Big Data" in den Supply Chains. "Wir haben in den letzten zwei Jahren mehr Daten produziert als in der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor", ordnet Dr. Andreas Backhaus von BASF die Dringlichkeit des Themas ein. Er ermutigt Unternehmen dazu, sich vor dem Hintergrund der Effizienzsteigerung mit der Generierung, Verarbeitung und Nutzung von Daten zu beschäftigen. Die Logistik könne beispielsweise mit Bestandsreduzierungen, Routenoptimierungen, genauen Anlieferungszeitfenstern oder Zustellungsalarmen effizienter werden und die Daten zur Abschätzung von Risiken in der Wertschöpfungskette nutzen. Eine weitere Herausforderung werde darin bestehen, die richtigen Fragen zu stellen, die mit Hilfe der neuen Technologien und Analyseverfahren beantwortet werden können.

Der Gipfel der Logistikweisen ist ein zweimal im Jahr tagendes Gremium, das sich aus Experten aus Wissenschaft und Praxis zusammensetzt. Es bewertet und analysiert Einflussfaktoren wie moderne Informationstechnologien, steigende Komplexität oder der demografische Wandel, die auf die qualitative und quantitative Entwicklung der Logistik wirken. Aktuell setzt sich der Kreis der aktiven Teilnehmer aus den beiden Initiatoren Prof. Dr. Christian Kille und Markus Meißner sowie Experten aus Industrie, Handel, Dienstleistern und Logistikanbietern zusammen.

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