04.04.2019 //

Mittelständler mit digitaler Erfolgsstory

Keine Ausdrucke mehr von Kanbankarten in der Fertigung, ein optimierter Durchfluss von Kundenaufträgen und der Abbau des operativen Einkaufs: In der BME-Region Heilbronn-Hohenlohe zeigte Darinka Reichert von Mosca auf der Regionenveranstaltung, wie der Einkauf zum Technologietreiber wird.

Einkaufsleiterin Darinka Reichert von dem Odenwälder Unternehmen Mosca leitet dort die umfassende Digitalisierung im Einkauf. Foto: Hülsbömer/BME e.V.

Der Mittelständler Mosca im Odenwald hat vor acht Jahren den Hebel für eine Digitalisierung im Einkauf umgelegt. Mit drei Fertigungsstätten in Deutschland, Kanada und Malaysia, über 1.000 Mitarbeitern global, 10.000 Artikeln, die jährlich eingekauft werden und 40.000 Bestellpositionen im Einkauf verzeichnet der Hersteller von Umreifungsbändern und -maschinen seit Jahren stetiges Wachstum auf aktuell 180 Millionen Jahresumsatz. In dieser Wachstumsgeschichte war auch der Einkauf gefragt, seinen Wertbeitrag zu leisten. Der Wandel der Anforderungen und die angestrebte Zentralisierung erforderten digitale Lösungen. „Wenn wir mit unseren weltweit 17 Töchtern zusammenwachsen wollen, müssen wir digital vorgehen“, erklärte Darinka Reichert auf der BME-Regionenveranstaltung am Dienstag in Schwäbisch Hall*. Auf dem Campus der Hochschule Heilbronn (HHN) begrüßte BME-Vorstandsmitglied Uwe Moser die rund 30 Teilnehmer, darunter eine Reihe von Studenten aus der Hochschule. Teil des Studienangebots an der HHN ist unter anderem der Studiengang Management und Beschaffungswirtschaft.

E-Kataloge reduzieren operativen Einkauf

Im Zuge des steigenden Onlinehandels werden auch Umreifungsmaschinen und Kunststoffbänder vermehrt nachgefragt, davon profitiert das Familienunternehmen. Knapp 150.000 gültige Komponenten im ERP-System für die Maschinenproduktion laufen von der Konstruktion über Drehen, Fräsen, Lasern, Stanzen und Biegen bis zur Lackierei durch die Werke.

2011 entstand eine neue Struktur im Einkauf, der daraufhin in den Projekteinkauf, strategischen und operativen Einkauf gegliedert wurde. Mit dem Outsourcing der Eigenfertigungsteile im Jahr 2016 kam der Technische Einkauf hinzu. Der operative Einkauf ist im Abbau. „2021 werden wir keinen operativen Einkauf mehr haben.“ Was ihn ersetzbar macht, sind beispielsweise P2P-Systeme und E-Kataloge. Entlastungen im operativen Tagesgeschäft brachten diverse Kanbansysteme, die seit 2008 gelebt werden. Beispielsweise melden RFID-Behälter Leerstände an Lieferanten, über einen digitalen Datenaustausch läuft der Regelkreis Belieferung von Teilen und Baugruppen, wie auch Beistellungen an Lieferanten. Auch die interne Versorgung ist so organisiert. „Früher haben wir Kanbankarten in der Fertigung direkt ausgedruckt, was teilweise fehleranfällig war. Mit unseren digitalen Tools sind solche Anfälligkeiten beseitigt worden“, zeigt Reichert einen Vorteil auf.

Im digitalen Archiv effizient gespeichert

Wichtige und hocheffiziente Bausteine in der Roadmap zur Digitalisierung sind die digitale Rechnungsprüfung und die digitale Archivierung von Dokumenten. Rechnungen werden digital geprüft und ins System eingebucht, die gesamten Dokumente des Bestellvorgangs digital archiviert. Besonders wichtig ist Reichert die kundenindividuelle Archivierung über Outlook - eine große Arbeitserleichterung, die zu einer Einsparung der Arbeitszeit in der Archivierung in Höhe von 60 Prozent führte.

Digitaler Reifegrad notwendig für Erfolge

Auch Dokumente zu Preisänderungen, Lieferantenselbstauskünfte oder technische Freigaben laufen bei dem Mittelständler nur noch über die digitale Schiene, das gesamte Dokumentenmanagement wurde digitalisiert. Über die Suchmasken lassen sich Vorgänge im ERP-System leicht wiederfinden und aufrufen. Der Einkauf war hier vorneweg: „Nach und nach übernahmen die anderen Abteilungen ebenfalls die digitale Archivierung.“ Im Ergebnis verzeichneten Reichert und ihr Team mehr Bestellpositionen pro Mitarbeiter und höhere Bestellwerte. „Ohne einen gewissen digitalen Reifegrad im Unternehmen lassen sich solche Entwicklungen allerdings nicht erreichen“, sagt die Einkaufsleiterin.

Vom Einkäufer zum KPI-Manager

Der Einkäufer der Zukunft arbeitet mit einem höchsten Automatisierungsgrad bei den Prozessen, so sieht es Reichert. In produzierenden Industrieunternehmen könnten KI-Systeme Geometrien und Gleichteile erkennen, ebenso Kosten, Preise und Angebote abgleichen. „Make-or-Buy geschieht dann auf Knopfdruck.“ Mit der Vielzahl der digitalen Systeme verändere sich auch das Berufsbild. Aus dem Einkäufer werde ein Datenanalyst und Manager von KPIs, der in einer nicht allzu fernen Zukunft zunehmend agil in cross-funktionalen Teams arbeiten werde. Hierbei werde die Anforderung an die technische Kompetenz der Einkäufer deutlich zunehmen, die Rolle der Einkäufer sich zu Technologietreibern entwickeln. Im Zuge der weltweiten Verflechtung entwickle er sich zu einem globalen Netzwerker, der in einem stetigen Austausch und agil mit seinen neuen Partnern, Kunden und Lieferanten agiere. Durch die Nähe zum Markt erkenne er Trends und werde zum Innovationsscout des Unternehmens.

*Von der BME-Regionenveranstaltung in Schwäbisch Hall berichtete Doris Hülsbömer, BME

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