Mittelstand plagt sich mit Personalsorgen

Gut drei von fünf KMU rechnen laut KfW-Studie mit Rekrutierungsproblemen. Der demographische Wandel wirft seine Schatten voraus.

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Kleine und mittlere Unternehmen bekommen den Fachkräftemangel in Deutschland ungebrochen zu spüren. 57 Prozent der Mittelständler, die Einstellungen planen, erwarten Schwierigkeiten bei der Fachkräfterekrutierung, wie eine aktuelle Studie von KfW Research zeigt. Der Mangel an geeigneten Bewerbern im Berufsbild zeige sich vor allem im Bausektor und der Industrie, in der Dienstleistungsbranche dagegen habe sich die Lage entspannt. Als weitere Rekrutierungshindernisse wurden in der Studie zu hohe Lohnvorstellungen, fehlende Zusatzqualifikationen, unattraktive Arbeitsbedingungen, ein schlechtes Branchenimage sowie unattraktive Unternehmensstandorte genannt.

Anteil skeptischer Stimmen seit 2010 gesunken

Immerhin geben sich die Mittelständler aber zuversichtlicher als noch vor fünf Jahren: 2010 hatten noch drei Viertel der einstellungsbereiten Unternehmen Probleme bei der Besetzung von offenen Stellen befürchtet.  Die KfW bezeichnete diese Entwicklung als bemerkenswert, weil  inzwischen deutlich mehr Firmen auf Mitarbeitersuche sind und die aktuell niedrige Arbeitslosenquote eher für eine Verschärfung gesprochen hätte. „Der Optimismus bei der Fachkräfterekrutierung überrascht“, sagte Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt des staatlichen Finanzinstituts. Mögliche Ursachen dafür sieht er in einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Arbeitnehmern, der Mobilität von Arbeitnehmern sowie der Zuwanderung zahlreicher gut qualifizierter Fachkräfte aus anderen EU-Ländern.

Entspannung wohl nur vorübergehend

Allerdings warnt Zeuner davor, dass diese Entspannung wohl nur vorübergehend zu spüren sein könnte. "Der demografische Wandel wirft seinen Schatten voraus: Bereits heute ist über alle Branchen hinweg der Mangel an qualifizierten Bewerbern Hauptsorge für unbesetzte Arbeitsstellen. Das ist ein Indiz für zunehmende Fachkräfteengpässe in der Zukunft", sagte Zeuner. Er prognostiziert, dass es sich mittelfristig bemerkbar machen werde, dass sich die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge ab dem Jahr 2025 aus dem Erwerbsleben zurückziehen werden.  Daher seien unternehmerische und flankierende politische Anstrengungen nötig, um die Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung durch eine höhere Erwerbsbeteiligung, Integration der Zuwanderer und eine bessere Bildung zu mildern. Die vollständige Studie mit detaillierten Angaben zu den Branchen ist abrufbar unter: www.kfw.de/fokus.

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