06.11.2013 //

Preis- und Lieferrisiken bleiben Dauerthema

BGR: Künftige Rohstoff-Bedarfe heute überhaupt noch nicht abschätzbar

Viele wichtige Lagerstätten konzentrieren sich häufig auf politisch instabile Regionen. Foto: riotinto.com

„Ungeachtet derzeit sinkender Rohstoffnotierungen müssen Einkäufer auch dauerhaft mit Preis- und Lieferrisiken rechnen. Künftige Bedarfe an Mineralien sind angesichts der stürmischen Entwicklung in Industrie und Wissenschaft heute überhaupt nicht absehbar“, sagte Dr. Volker Steinbach, Abteilungsleiter Energierohstoffe/mineralische Rohstoffe in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), zum Abschluss der BGR Rohstoffkonferenz in Hannover. Das hänge nicht zuletzt vom Einsatz neuer Technologien in der Telekommunikation und in der Medizintechnik ab, fügte er hinzu. Ungewiss sei auch, welche Auflagen deutsche Unternehmen zu erfüllen haben, deren Produkte Konfliktmineralien aus Zentralafrika enthalten. Die EU-Kommission wolle bis Ende dieses Jahres eine Gesetzesnovelle als Antwort auf den US-amerikanischen Dodd-Frank-Act vorlegen. „Sowie der Text vorliegt, wissen wir mehr“, so Steinbach weiter. Ein weiteres Indiz für anhaltende Preis- und Lieferrisiken in der Rohstoffbeschaffung sei die unklare wirtschaftliche Entwicklung Chinas. Sollte das Schwellenland wieder stärker wachsen, geplante Konjunktur- und Infrastrukturprogramme greifen, dürften sich insbesondere Industriemetalle wieder verteuern. Bleibe die Volksrepublik dagegen hinter den Erwartungen der Analysten zurück, dürfte das Rohstoffangebot zunehmen und die Kurse schrumpfen.

Trotz hoher Marktvolatilitäten können deutsche Unternehmen auf zahlreiche Instrumente zur Sicherstellung ihrer Rohstoffversorgung zurückgreifen. Als Beispiele nannte Steinbach das Explorationsförderprogramm der Bundesregierung, das seiner Ansicht nach noch zu wenig von deutschen Unternehmen genutzt werde. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte mit Blick auf die hohe Importabhängigkeit bei Metallen und Industriemineralien ab 1. Januar 2013 ein Förderprogramm zur Verbesserung der Versorgung mit kritischen Rohstoffen aufgelegt. Als kritische Rohstoffe gelten Antimon, Beryllium, Kobalt, Fluorit, Gallium, Germanium, Graphit, Indium, Magnesium, Niobium, Platinmetalle, Seltene Erden, Tantal und Wolfram. Unternehmen, die sich an Bergbauprojekten im Ausland beteiligen möchten, könnten zudem auf staatliche Ungebundene Finanzkredite (UFK) zurückgreifen. „All diese Hilfen entbinden die Rohstoffeinkäufer allerdings nicht von ihrer Aufgabe, die Märkte zielgenau zu beobachten“, mahnte Steinbach. Die einzelnen Marktsegmente seien extrem unterschiedlich; Kokskohle, Seltene Erden oder Basismetalle deshalb auch nicht miteinander vergleichbar.

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau verfüge über neuste Technologien zur Exploration tiefer gelegener Lagerstätten. Die moderne Technik komme bereits erfolgreich im Ausland zum Einsatz und entwickle sich zum Exportschlager. Steinbach empfahl in diesem Zusammenhang, sie auch in Deutschland einzusetzen, beispielsweise in Sachsen. Forschung und Entwicklung sollten seiner Meinung nach diese Innovation weiter vorantreiben.

Abschließend sprach er sich dafür aus, das Rohstoffthema langfristig im Blick zu behalten „und nicht nur, wenn es einen Hype bei Seltenen Erden gibt“. Die Märkte seien unberechenbar und würden schon deshalb die deutsche Wirtschaft auch in der kommenden Dekade weiter beschäftigen. Hiesige Unternehmen sollten die derzeit moderaten Preise dazu nutzen, in Rohstoffprojekte zu investieren oder sich im Rahmen von Einkaufsgemeinschaften daran zu beteiligen.

„Immer mehr Elemente des Periodensystems werden für neue Hightech-Anwendungen genutzt. Daher kann von Entspannung im Rohstoffeinkauf keine Rede sein“, sagte Dr. Dierk Paskert, Geschäftsführer der RA Rohstoffallianz GmbH vor den 165 Teilnehmern der BGR Rohstoffkonferenz. Er erwarte langfristig anziehende Rohstoffpreise. Schon jetzt gebe es die Tendenz zu höheren Investmentkosten und steigenden Umweltauflagen, fügte Paskert hinzu. Der spekulationsgetriebene Handel von Finanzinvestoren wie Investmentbanken und Hedgefonds führe zu einer wachsenden Preisvolatilität. Und: Viele wichtige Lagerstätten konzentrierten sich häufig auf politisch instabile Regionen.

Die Rohstoffmärkte dürften in den nächsten 15 bis 20 Jahren angespannt bleiben. Deshalb sei es das Ziel der Rohstoffallianz GmbH, die langfristige Versorgung der deutschen Wirtschaft mit kritischen Mineralien zu sichern. Dazu gehörten laut Paskert robuste Wertschöpfungsketten mit multiplen Bezugsoptionen. Im Upstream-Bereich, also der Suche und Förderung der Rohstoffe, sei die Sicherung langfristiger Absatzverträge mit nachgelagerten Unternehmen, basierend auf aktuellen und künftigen technologischen Bedarfen, wichtig. Im Downstream-Bereich, also der Verarbeitung der Materialien zu einem fertigen Produkt, gehe es um die Sicherung des langfristigen Zugangs zu kritischen Rohstoffen – und das in ausreichenden Volumina, hoher Qualität und zu einem günstigen Preis. Als kritische Rohstoffe bezeichnete Paskert Seltene Erden, Kohle, Spezialmetalle, Graphit und Kupfer.

 

Von der „BGR Rohstoffkonferenz 2013: Preis- und Lieferrisiken – Ausweichstrategien für deutsche Unternehmen“ am 4./5. November in Hannover berichtete Frank Rösch, BME.

 

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