26.08.2019 //

Professionell Risiken und Netzwerke managen

Rund 50 Young Professionals und Studenten zog es zur BME-Zukunftswerkstatt nach Mannheim. Im Mannheimer Schloss setzte die Expertenrunde mit Vorträgen und Workshops Impulse für ein erfolgreiches Einkaufsmanagement.

Netzwerkanalyse, Hoteleinkauf und Risikomanagement standen im Fokus der Expertenvorträge auf der Zukunftswerkstatt, die bereits zum zehnten Mal stattfand. Foto: BME e.V.

Vom reinen Erfüllungsgehilfen zum strategischen Einkaufsmanager: Mit ganz unterschiedlichen Ansätzen hat der Einkauf seine Bedeutung in den Unternehmen deutlich gestärkt. Netzwerken ist dabei zum wesentlichen Dreh- und Angelpunkt aufgestiegen. „Und das bedeutet nicht, lediglich mal eine Linkedin-Anfrage an einen Key Accounter zu stellen“, erklärte Philipp Geißdörfer, Einkaufsleiter im Geschäftsbereich E-Systems bei Schaeffler Automotive Bühl. Sich miteinander austauschen, Ideen für die eigene Arbeitswelt mitnehmen und neue Kontakte knüpfen stand auch im Fokus der BME-Zukunftswerkstatt am 20. August.* Als Gastgeber begrüßte Prof. Christoph Bode vom Sitftungslehrstuhl Procurement die rund 50 Young Professionals (YP) oder Studenten aus den Fachbereichen Einkauf, Supply Chain oder Logistik im Schloss Mannheim, dem Campus der Universität Mannheim. Die vom BME für Studierende und YPs konzipierte Veranstaltung fand bereits zum zehnten Mal statt.

Überraschung am Montag

„Es wird wirklich nicht langweilig im Einkauf – deshalb macht mir meine Arbeit Spaß“, sagte eine Teilnehmerin. Die Vielfalt einer Einkäufertätigkeit bildet sich auch im Risikomanagement ab, hierbei kommen allerdings auch eine Reihe von Stressfaktoren ins Spiel. „Wer freitags noch entspannt ins Wochenende gegangen ist und am Montag eine E-Mail vorfindet mit der Nachricht, dass ein wichtiger Lieferant aufgrund einer abgebrannten Produktionshalle bis auf weiteres nicht mehr liefern kann, der muss schnell eine Lösung parat haben“, erklärte Kay Kutzer, Einkaufsleiter bei dem Naturkosmetikhersteller Annemarie Börlind. Der Einkaufsexperte und sein Team besuchen deshalb ihre Lieferanten auch mal unangekündigt; um Schwachstellen wie Qualitätsmängel in der Herstellung früh zu erkennen und gemeinsam Lösungen zur Produktionsabsicherung zu finden.

Der stark wachsende Familienbetrieb bezieht eine Reihe wertvoller Naturrohstoffe aus entlegensten Winkeln der Erde, teilweise aus eigenen sozio-ökologischen Projekten in Afrika oder Süd-Amerika. Daher ist für Kutzer die Logistikkette ein weiterer Risikofaktor, den er permanent beobachtet. „Die Logistikbranche ist gekennzeichnet von einem permanenten Sub-Contracting – das kann zu großen Problemen führen.“ Denn wenn von den Unter-Auftragnehmern Auflagen und Gesetze nicht eingehalten werden, kann es infolge von Kontrollen zu kurzfristigen Ausfällen kommen.

Japan mit eigenen Spielregeln

Wenn es bei Ralf Diederichs zu einem Ausfall auf Lieferantenseite käme, könnten Flugreisende am nächsten Tag ihre Flüge nicht antreten. Der Betriebswirt verantwortet den Hoteleinkauf für die Lufthansa Group. „Wir müssen sicherstellen, dass unsere Crew den Flug ausgeruht antreten kann. Unsere Auswahl hat einen direkten Einfluss darauf, ob ein Flugzeug abhebt“, so der Einkaufsmanager.

Trotz der Internationalität in der Hotellerie gibt es dabei ausgeprägte Besonderheiten. Neun von zehn Hotels bezeichnet er als „lokale“ Lieferanten. „Zwar sind sie meist Teil einer Kette, aber die Ketten haben mitunter nur eingeschränkten Zugriff auf wirtschaftliche Entscheidungen vor Ort, da das Hotel ein lokales Costcenter ist“, erklärt Diederichs. Das erfordere ein paralleles Lieferantenmanagement, und zwar von Kettenzentrale und Hotel. Japan hat er dabei als ein Land mit einem besonders ausgeprägten eigenen Stil kennengelernt. „Die Angst vor Gesichtsverlust ist immens.“ E-Mails würden erstmal nicht beantwortet aus Scheu vor Fehlern in der Fremdsprache. Ohne eine persönliche Kontaktpflege käme es nicht zu einer Geschäftsbeziehung. „In den ersten Besuchen geht es nur um Beziehungspflege, da fliegen Sie dann auch mal zum Teetrinken nach Japan.“

Systemanalyse beim Netzwerken

„Wir treffen extrem viele Lieferanten, darunter sehr viele in Übersee“, beschreibt Philipp Geißdörfer den Wandel im Automobilsektor. Als Einkaufsleiter Geschäftsbereich E-Systems bei dem Automobilzulieferer Schaeffler steht er vor der Aufgabe ein komplett neues Netzwerk in seiner Einkaufsabteilung aufzubauen, bedingt durch den Umbruch in der Automobilindustrie in Richtung E-Mobilität. Als Wegweiser dient ihm dafür eine Methode, die einzelne Personen oder Teams abbildet. Die Personen werden miteinander verbunden, ja nach Kontaktintensität. „Daraus leiten wir Handlungsfelder ab“, erklärt Geißdörfer. Welche Beziehungen müssen gestärkt werden? Wo sind die Einflussfaktoren am größten? Nur wenn der Einkauf intensiv und strukturiert vernetzt sei, wären die Ergebnisse bestmöglich.

Von der BME-Zukunftswerkstatt Mannheim berichtete Doris Hülsbömer, BME.

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