16.09.2013 // Direkte Materialien

"Rohstoff- und Materialeffizienz rechnet sich"

Stephan Groll von der Bauer Maschinen und Technologie GmbH & Co. KG im BME-Interview.

Groll: "Die Materialkosten stellen auch bei uns einen großen Kostenblock dar. Gleichzeitig bergen sie aber ein beträchtliches Einsparpotenzial."

Die Redaktion des BME-Mitgliedermagazins "BIP – Best in Procurement" hat mit Stephan Groll, Geschäftsbereichsleiter Beschaffung und Vertrieb der Bauer Maschinen und Technologie GmbH & Co. KG, Weilheim, nachfolgendes Interview geführt*. Das bayrische Industrieunternehmen hat sich mit seinen 220 Mitarbeitern auf die Entwicklung und Optimierung von Fertigungsverfahren spezialisiert.

 

Wie organisieren Sie Ihren Materialeinkauf?
Als Systempartner im Maschinen- und Anlagenbau beschaffen wir für unsere 20 industriellen Großkunden rund 60 verschiedene Materialien. Unsere Einkaufsabteilung ist in einen operativen und in einen strategischen Bereich gegliedert. Die strategischen Einkäufer steuern das Lieferantennetzwerk und schaffen günstige Rahmenbedingungen, damit Bauer am Markt konkurrenzfähig bleibt. Im Kern geht es darum, die drei Faktoren Lieferzeit, Qualität und Preis unter einen Hut zu bekommen. Der operative Einkauf organisiert das Tagesgeschäft.

Welche Materialien kaufen Sie ein?
Rohstoffe kommen in der Bauer-Gruppe nicht zum Einsatz. Für den Bau unserer Maschinen und Anlagen benötigen wir vor allem Rohguss, Edel-, Werkzeug- und Baustahl sowie Kunststoffe verschiedener Güten. Da gerade bei der Kunststoffproduktion häufig Vormaterialien knapp werden, setzt unsere Einkaufsabteilung auf langfristige Geschäftsbeziehungen. Das jährliche Beschaffungsvolumen im Bauer-Maschinen- und Technologiebereich beträgt zehn Millionen Euro.

Welche Beschaffungsstrategie wenden Sie an?
Im Materialeinkauf bevorzugen wir Single Sourcing. Durch Rahmenverträge sichern wir unsere Preise und Lieferzeiten ab. Wachsendes Vertrauen zwischen Einkäufern und Lieferanten macht Sicherungsgeschäfte überflüssig; Bestellungen können als Routinevorgänge abgewickelt werden. Durch gezieltes A-Teilemanagement können wir das Restrisiko des Single Sourcing auf ein Mindestmaß reduzieren.

Sind Substitution und Recycling für Bauer ein Mittel gegen langfristig steigende Rohstoffpreise?

Substitutionen sind für uns kein Thema. Recycling hingegen wird bei Bauer „gelebt“. Wir trennen die zum Einsatz kommenden Materialien sehr genau. Die Palette reicht von Metallspänen über Altöl bis zu Verpackungen. Eine 20-Tonnen-Altpapierpresse hilft uns, die anfallenden Mengen effektiver zu verwerten. Auf diese Weise steigern wir unsere Erlöse aus dem Recycling-Geschäft, das mit jährlich 100.000 Euro zum positiven Gesamtergebnis der Firma beiträgt.

Welchen Stellenwert hat Material- und Rohstoffeffizienz für Bauer?
Die Materialkosten stellen auch bei uns einen großen Kostenblock dar. Gleichzeitig bergen sie aber ein beträchtliches Einsparpotenzial. Durch effizienten Ressourceneinsatz werden Mittel frei, die wir für andere Aufwendungen wie beispielsweise Löhne und Gehälter nutzen können. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich maßvoller Einsatz von Rohstoffen und Materialien auszahlt. Gleichzeitig leisten wir damit auch einen konkreten Beitrag zum Umweltschutz.

Wie verhält sich der Einkauf?
Der Einkauf nimmt eine Schlüsselstellung ein, da er das größte Kostenbewusstsein hat. Wir arbeiten nach der Devise: Was nicht verbraucht wird, muss nicht bezahlt werden.2009 führte Bauer erstmals einen mehrtägigen Workshop durch, der vom Bundeswirtschaftsministerium finanziert wurde. Es ging damals um den effizienten Umgang mit Rohmaterialien quer durch alle Firmenbereiche. Die Veranstaltung kam bei der Belegschaft so gut an, dass wir sie seitdem in Eigenregie alle ein bis zwei Jahre wiederholen. Im Vordergrund stand zunächst, den Gedankenaustausch zwischen den Abteilungen – von der Fertigung, über die Arbeitsvorbereitung bis hin zu Einkauf und Vertrieb – zu fördern. Kommunikation ist dabei das A und O. Nur so konnten wir beispielsweise das Problem des Materialverschnitts lösen. Heute ist jedem im Unternehmen klar, dass finanzielle Verluste entstehen, wenn beispielsweise statt einem 3,0 Meter langen Material 3,30 Meter eingekauft werden. Zentrale Botschaft unserer Workshops ist es, der Belegschaft die Verantwortung für den effektiven Einsatz der Produktionsmaterialien täglich neu bewusst zu machen. Unsere Teams arbeiten kontinuierlich daran, ihre spezifischen Materialverbräuche zu senken. Jeder kann Vorschläge unterbreiten, die zentral dokumentiert werden. Hier sind wir schon sehr weit vorangekommen.

Wie steht es um die Zusammenarbeit von Einkauf und Finanzen?
Natürlich haben auch wir schon vor Jahren erkannt, dass die Zusammenarbeit zwischen Verkauf, Beschaffung und Finanzen unabdingbar ist. Sie hilft uns, Synergien zu nutzen und effizienter zu arbeiten. Aus diesem Grunde ist auch meine Doppelfunktion geschaffen worden. Ich verantworte sowohl den Geschäftsbereich Einkauf als auch den Vertrieb. Dadurch stärken wir unseren Auftragseingang.

Senkt Bauer durch geringeren Materialverbrauch auch andere Betriebskosten?

Ja, die anfallenden Arbeits-, Energie-, Lager-, Transport- und Entsorgungskosten werden von den Abteilungen regelmäßig geprüft und auf weiteres Einsparpotenzial untersucht. Beispiel: Altpapier. Wir beobachten nicht nur die stark schwankenden Preise, sondern arbeiten auch an unseren Betriebsabläufen. So verwenden wir mittlerweile größere Altpapiercontainer, um die Zahl der Abtransporte zu reduzieren. Letztlich geht es darum, unsere Erlöse aus dem Altpapierverkauf kontinuierlich zu steigern. Ähnlich verfahren wir mit dem Restmüll. Früher wurde der Abfall quer über das 65.000 qm große Firmengelände gekarrt. Heute nutzen wir Großcontainer, die regelmäßig von der Müllabfuhr geleert werden. Dabei arbeiten wir eng mit den regionalen Entsorgungsbetrieben zusammen. Ein weiteres Beispiel für Materialeffizienz ist die Logistik. Wir konnten den Beschaffungsprozess straffen, weil wir mehrere Materialgruppen zusammengefasst haben. Jetzt müssen wir nur noch ein- bis zweimal in der Woche beliefert werden. Stichwort: Energie. Unsere 5.000 Quadratmeter große Montagehalle schluckte im Winter bis zu 900 Liter Heizöl pro Tag. Durch den Einsatz von dreifach verglasten Fenstern, einer 20 Zentimeter starken Isolierung rund um das Gebäude und dem Aufstellen von Wärmestrahlern konnten wir den Verbrauch um 60 Prozent reduzieren.
*Das Interview führte Frank Rösch, BME.



 

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