„Rohstoffe gedämpft in den Herbst“

Helaba-Chefvolkswirtin Dr. Gertrud R. Traud erwartet vor allem bei Mineralöl wachsende Preisschwankungen. Auch einzelne Industriemetalle müssten in nächster Zeit mit zunehmenden Volatilitäten rechnen.

Foto: Rio Tinto Foto: Rio Tinto

„Währungsturbulenzen und eingetrübte Wachstumsaussichten wichtiger Schwellenländer bergen Ansteckungsgefahren, so dass die Stimmung an den Rohstoffbörsen vorerst wohl gedämpft bleibt“, schreibt Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, im Editorial der aktuellen „BME-Marktinformationen“ (3. Quartal 2018).

Dabei begrenze nach Ansicht der Helaba-Bankdirektorin offensichtlich auch die geringere Wachstumsdynamik in einigen Industrieländern die Preisfantasie. So stelle sich das Angebot gerade bei wichtigen Industrierohstoffen womöglich nicht als so knapp dar, wie noch im Frühjahr an den Märkten vermutet. Allerdings dürfte der während der vergangenen Monate massive Gegenwind seitens des US-Dollar spürbar nachlassen, so dass die Preissenkungsspielräume sich eher verringern werden.

Gewisse Hoffnungen auf eine zumindest vorübergehende Stabilisierung der Notierungen gehen Traud zufolge auch von einer wieder expansiveren Geld- und Kreditpolitik in China aus. Andererseits bleibe der Handelskonflikt trotz zeitweiliger Lichtblicke, zuletzt etwa im Zuge der Annäherung zwischen den USA und Mexiko, neben dem Iran-Konflikt wohl weiterhin eine große Unbekannte. Temporär könne es somit durchaus noch zu massiven Schwankungen der Notierungen kommen. Angesichts der fundamentalen Labilität der Finanzmärkte dürfte allerdings die Wahrscheinlichkeit zunehmen, dass die politischen Autoritäten jenseits langfristiger geopolitischer Strategien erst einmal pragmatisch genug seien, keine großen Schocks zu provozieren.

Bei Mineralöl dürfte nach Trauds Einschätzung „abgesehen von exogenen Faktoren auch ein gemischtes Bild der physischen Marktverhältnisse die Volatilität zunächst ansteigen lassen. So wirken auf der Angebotsseite nicht nur die Einflüsse des Iran-Konflikts und die Venezuela-Ausfälle, vielmehr wächst wohl auch die Unsicherheit über die weitere Produktionsentwicklung in den USA und in Saudi-Arabien. Zwar könnte ein zyklisch weniger robuster Verbrauch einen gewissen Ausgleich schaffen, die Preisentwicklung dürfte aber bei großen Schwankungen insgesamt eher leicht aufwärts gerichtet sein.“

Für einen Preisanstieg temporär deutlich über 80 USD je Barrel hinaus bis in den Bereich von 100 bis 120 US-Dollar müsste es zu einer ernsthaften militärischen Auseinandersetzung an der Straße von Hormuz kommen. Allein die absehbaren Iran-Lieferausfälle bewirkten dies wohl nicht. Aktuell exportiere der Iran ca. 1,8 Millionen bpd (April: 2,5 Millionen bpd). Vor Aufhebung der Sanktionen seien  es 1,0 Millionen bpd gewesen. Ein weiterer Ausfall von 0,8 Millionen bpd dürfte nach Trauds Ansicht zu verkraften sein.

Das Bild bei Industrierohstoffen wirke auch aufgrund politischer Einflüsse relativ unübersichtlich. So könnte es temporär erneute Preissprünge bei Aluminium geben, da durch die US-Sanktionen gegen russische Unternehmen im Fall des weltweit größten Aluminiumproduzenten Rusal erhebliche Lieferausfälle drohten. Andererseits gebe es größere Fragezeichen bei einem wichtigen Treiber der Nachfrage von Primärmetallen, der Pkw-Nachfrage in China. „Mit Ausnahme von Zink (Produktionsüberschüsse im ersten Quartal 2018) wiesen überdies zur Jahresmitte alle erstrangigen Primärmetalle offenbar erstmals wieder sichtbare Produktionsüberschüsse auf“, so Traud abschließend.

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