Säule der Industrie 4.0: Intralogistik

Die vierte industrielle Revolution stand im Fokus der Stuttgarter Logimat-Messe.

Prof. Dr. Michael ten Hompel bei der Eröffnungsveranstaltung der Logimat 2014. Foto: Logimat

Internetbasierte Technologien gehören derzeit zu den ganz großen logistischen Themen. Darauf deutet nicht nur das Motto „Intelligent vernetzen – Komplexität beherrschen“ der diesjährigen Logimat-Messe hin, sondern auch ein Zauberwort, das überall in den Stuttgarter Messehallen zu hören war: Die von der Bundesregierung ausgerufene vierte industrielle Revolution, mit der Fabriken durch Wandlungsfähigkeit, Ressourceneffizienz, Ergonomie und die Integration der Geschäftspartner intelligenter werden sollen. „Bislang hat Industrie 4.0 noch nicht stattgefunden“, betonte Prof. Dr. Michael ten Hompel vom Institut Fraunhofer IML bei der Eröffnungsrede der Fachmesse für Intralogistik. Die Branche könne und müsse ihren Beitrag dazu leisten, da die Logistik künftig nicht mehr ohne IT, ein dezentrales Supply Chain Management und getaktete Standards auskommen werde. „Dabei ist die Flexibilität des Menschen aber nicht ersetzbar“, machte er den mehr als 2,8 Millionen Beschäftigten der Branche Mut. Aufgabe werde es sein, eine soziale Interaktion zwischen Mensch und Maschine herbeizuführen.

Zehn Prozent mehr Besucher belegen das große Interesse an der Intralogistik. Mehr als 1.000 internationale Aussteller stellten auf der Logimat alles vor, was die Prozesse effizienter machen kann: Vom Gabelstapler über automatisierte Lagersteuerungen bis hin zu effizienten Kommissionier- und Verpackungssystemen. Drei Neuheiten haben für besonders  viel Aufsehen gesorgt: Sie wurden vom Messeveranstalter als „Beste Produkte 2014“ ausgezeichnet. In der Kategorie „Beschaffen, Fördern, Lagern“ siegte ein fahrerloses Doppelkufensystem des Anlagenbauers Eisenmann, das mit einem ausgeklügelten Antriebs- und Gestaltungskonzept die Abläufe in der Transport- und Lagerlogistik optimiert. Im Bereich „Kommissionieren, Verpacken und Sichern“ ging der Preis an Ehrhardt + Partner. Der Spezialist für Warehouse-Logistik entwickelte ein System, das beim Bereitstellen von Aufträgen die Vorteile der Spracheingabe mit denen des Einsatzes von RFID-Chips kombiniert. Und bei „Software, Kommunikation, IT“ konnte ein Produkt von der Firma Heidler Strichcode überzeugen, mit dem es in Sekundenschnelle gelingt, das Volumen einer Palette zu erfassen.

BME-Forum behandelt indirekten Einkauf und Lageroptimierung

Gemeinsam mit der Messe richtete der BME am ersten Öffnungstag ein Forum zu aktuellen beschaffungs- und logistikspezifischen Themen aus. Nach einer Begrüßung durch den Fachbereichsleiter Logistik beim BME, Gunnar Gburek, erklärte Marc Bröcker von Schenker Deutschland die Aufgaben der Fachgruppe für indirekten Einkauf in der Logistik: „Sie beschäftigt sich mit allem, was man im Umfeld der Logistik einkaufen kann – außer Frachten." Wie der Einkauf von logistischem Equipment optimiert wird, erläuterte sein Fachgruppenkollege Lukas Strobl vom Speditionsunternehmen Gebrüder Weiss anhand von Gabelstaplern. Eine wichtige Stellschraube für die Kostenreduzierung sieht er in standardisierten Fuhrparks mit nur wenigen Marken, Typen und einer angeglichener Batterie- bzw. Ladetechnologie. Weiteres Potenzial steckt laut Strobl in der Flottenreduzierung, der Reduzierung der Standzeiten durch effektive Nutzung und vorbeugende Wartung sowie einer genaueren Betrachtung der Lebenszykluskosten bei der Anschaffung.

Außerdem berichtete Marcus Reck (Integral Logistics GmbH & Co KG) von der Arbeit der Fachgruppe Lager. Neben dem Spannungsfeld zwischen Effizienz und Flexibilität waren demographische Veränderungen ein Kernthema. Höhere Anforderungen an die Ergonomie und die Motivationsförderung seien kein Widerspruch zur Effizienz, sondern eine Notwendigkeit, sagte Reck. Die Fachgruppe hatte unter anderem die altersspezifischen Krankheitsbilder untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass Erkrankungen im Muskel-Skelett-Bereich erwartungsgemäß mit dem hohen Alter zunehmen, während psychische Probleme vor allem im mittleren Alter verstärkt auftreten. Außerdem arbeite die Gruppe an Lösungsansätzen für die IT, die in der Logistik immer noch ein Randthema sei. Vor der Auswahl eines Software-Anbieters rät er dazu, sich sorgsam an die optimale Lösung heranzuarbeiten, etwa durch Vorab-Workshops mit verschiedenen Anbietern.

Autor: Timo Hausdorf, BME

Weiterempfehlen

Weitere Meldungen zu: