11.12.2013 //

Seltene Erden: Marktlage verändert sich

Jochen Beck (Wittenstein AG) sieht Chancen durch Reduzierung und Substitution.

Jochen Beck, Leiter Einkauf Motoren, Wittenstein AG

Nachgefragt bei …
Jochen Beck, Leiter Einkauf Motoren, Wittenstein AG

Herr Beck, Sie sind Mitglied der BME-Fachgruppe „Seltene Erden“. Welche Inhalte stehen aktuell auf der Agenda?

Beck: Die Fachgruppe beschäftigt sich mit den politischen Rahmenbedingungen, geopolitischen Risiken und der Marktentwicklung, -beobachtung und -analyse. Dies erfolgt auf Basis eines intensiven Dialogs unter den Teilnehmern. Die gemeinsame Erarbeitung von Reaktionsmöglichkeiten auf stetig sich verändernde Rahmenbedingungen ist ein weiterer Schwerpunkt unserer Fachgruppenarbeit. Beim nächsten Treffen ist zudem ein Informationsaustausch mit einem Experten des Auswärtigen Amtes, der sich mit der Rohstoff-Außenpolitik intensiv auseinandersetzt, geplant.

Aus Ihrer Sicht: Was sind die wichtigsten Trends auf dem Sektor „Seltene Erden“?

Beck: Mit den Förderern Molycorp und Lynas stehen jetzt zwei große Minen außerhalb Chinas am Beginn ihrer kommerziellen Produktion. Abhängig von den finanziellen Mitteln werden weitere Minen zukünftig folgen. Diese zusätzlichen Anbieter können mit ihrem Produktionsvolumen den Weltmarkt nachhaltig beeinflussen. Es ist anzunehmen, dass die Nachfrage von leichten Seltenen Erden durch das hohe Vorkommen gedeckt werden kann. Auf dem Sektor der schweren Seltenen Erden herrscht − auch vor dem Hintergrund des prognostizierten Nachfrageanstiegs beispielsweise durch den Ausbau der E-Mobilität − deutlich größere Unsicherheit. Es wird  interessant zu verfolgen sein, wie China auf die veränderten Marktbedingungen reagiert.

Für die Wirtschaft wird es schwieriger, kritische Rohstoffe wie Seltene Erden in ausreichenden Mengen zu beschaffen. Wie können sich Einkäufer gegen drohende Versorgungsengpässe wappnen?

Beck: Versorgungssicherheit ist ein Aspekt, Kostenmanagement ein weiteres wichtiges Thema. Fakt Ist: Durch die erhöhten Exportquoten seitens Chinas hat sich der Markt in den letzten Monaten entspannt. Die Versorgung stellt aktuell somit kein akutes Problem dar. Langfristig betrachtet ist die Reduzierung des Seltenen Erden-Anteils in den Produkten beziehungsweise sogar die Substitution ein großer und nachhaltiger Versorgungs- und Kostenhebel. Darüber hinaus sollten die Entscheidungsträger der Unternehmen Handlungsoptionen wie Kooperationen, Partnerschaften und eine zielorientierte Kontaktpflege entlang der gesamten Lieferkette in ihren strategischen Überlegungen berücksichtigen.

Stichwort „Karriere im Einkauf“: Ihr Rat an den Nachwuchs in Hochschulen und Unternehmen?

Beck:  An den Hochschulen wird den Studenten hauptsächlich theoretisches Wissen vermittelt. Daher empfehle ich allen Nachwuchseinkäufern, über Praktika möglichst früh Einblick in die Unternehmen zu erhalten und so den Arbeitsalltag en Detail kennenzulernen. Die neu erlangten Praxiserkenntnisse sollten bei der anschließenden Planung und Umsetzung des weiteren Ausbildungsweges dann entsprechend berücksichtigt und konsequent umgesetzt werden.

Welche Serviceleistungen des BME nutzen Sie bzw. die Wittenstein AG?

Beck: Die Wittenstein AG nutzt als BME-Mitglied diverse Angebote des Verbandes. Neben den Veranstaltungen der BME-Region Mainfranken besuchen wir zahlreiche Seminare und Vorträge und wirken auch aktiv in den BME-Fachgruppen mit. Neben dem fachlichen Austausch bietet der BME uns somit eine Plattform zum konsequenten Ausbau des Unternehmensnetzwerks.

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