11.02.2014 // Direkte Materialien

Stahlindustrie in schwieriger Lage

Kerkhoff sieht Grenze der Belastbarkeit erreicht

Die deutsche Stahlindustrie sieht 2014 zwar eine leichte Erholung, allerdings ist dieser Prozess noch fragil. Foto: stahl-online.de

Die deutsche Stahlindustrie sieht 2014 eine leichte Erholung, aber auch ein weiterhin schwieriges Marktumfeld. Sie hat frühzeitiger auf die aktuellen Marktverwerfungen reagiert. Die Früchte dieser schmerzhaften Anstrengungen drohen jedoch durch energiepolitisch verursachte Kostensteigerungen zunichte gemacht zu werden, teilte Hans-Jürgen Kerhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, in Düsseldorf mit. Seiner Ansicht nach seien weitere Anpassungen notwendig, sollten sich die Rahmenbedingungen für die Stahlindustrie am Standort Deutschland verschlechtern. Wer die hiesige Stahlindustrie so schwäche, gefährde mittelfristig die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Geschäftsmodells. Die Stahlindustrie befinde sich zu Jahresbeginn 2014 in einer konjunkturell und strukturell schwierigen Situation. Zwar sei die Mengenentwicklung in Deutschland im vergangenen Jahr relativ stabil geblieben. So wurde bei der Rohstahlproduktion mit 42,6 Millionen Tonnen sogar in etwa das Vorjahresniveau 2012 (42,7 Millionen Tonnen) erreicht. In anderen stahlerzeugenden Regionen außerhalb Asiens sei die Erzeugung dagegen 2013 gesunken. Allerdings hätten die Rückgänge bei den Absatzpreisen in Verbindung mit weiterhin relativ hohen Rohstoffkosten zu einer schwierigen wirtschaftlichen Lage geführt. Dies habe auch die Stahlindustrie in Deutschland unter Anpassungsdruck gesetzt.

Mit Blick auf die konjunkturellen Rahmenbedingungen erwartet die Wirtschaftsvereinigung Stahl 2014 eine leichte Verbesserung. Hierfür spreche zum einen, dass die globale Konjunkturerholung vorankomme, die diesmal vor allem von den Industrieländern getragen werde. Auch in der Euro-Zone zeigten die Konjunkturindikatoren wieder nach oben, in Deutschland wie auch in den südlichen Problemländern.

Von der steigenden internationalen Nachfrage profitieren die exportorientierten Stahlverarbeiter, heißt es weiter. Insbesondere in der Automobilindustrie seien die Konjunkturdaten zuletzt erfreulich ausgefallen: Die Auftragseingänge wie die Stimmungsindikatoren ziehen spürbar an. Zudem habe sich die Pkw-Produktion im Januar um elf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat erhöht.

Zu den positiven Ausgangsbedingungen für die Stahlkonjunktur 2014 gehöre außerdem das relativ niedrige Niveau der Lagerbestände bei Händlern und Verarbeitern. Zwar seien im Distributionssektor die Lager zum Jahresende – entgegen dem saisonal üblichen Trend – leicht gestiegen. Auch habe die Lagerreichweite etwas zugenommen. Sie liege jedoch noch deutlich unterhalb ihres langjährigen Mittelwertes. Der verbesserte Auftragseingang bei den Stahlverarbeitern dürfte sich daher zügig in einer steigenden Stahlnachfrage niederschlagen.

In der Stahlindustrie selbst sei die konjunkturelle Grundtendenz ebenfalls leicht nach oben gerichtet: Die Rohstahlproduktion habe im Januar um zwei Prozent zugelegt, nachdem sie bereits im vierten Quartal um kräftige sieben Prozent gewachsen sei. Auch der Auftragseingang ha s zum Jahresbeginn angezogen: Mit knapp 3,5 Millionen Tonnen seien die Bestellungen im Januar auf ein 24-Monats-Hoch gestiegen. Im vierten Quartal waren die Orders allerdings um vier Prozent zurückgegangen. Dies zeige, dass der Erholungsprozess gegenwärtig noch fragil sei. Vor allem die Nachfrage aus dem nicht-europäischen Raum werde durch die verschlechterten Wechselkursrelationen gegenüber Dollar, Yen und den Währungen wichtiger Schwellenländer gegenwärtig belastet. In Summe sei die Stimmung in der Stahlindustrie unverändert von einem vorsichtigen Optimismus geprägt.

„Vor diesem Hintergrund halten wir an unserer Einschätzung vom November vergangenen Jahres fest. Wir erwarten, dass die Marktversorgung mit Walzstahl-Erzeugnissen 2014 um vier Prozent steigen wird. Die Rohstahlproduktion dürfte leicht auf 43,0 Millionen Tonnen zulegen“, so Kerkhoff abschließend.

Mehr Infos: Aktuelle Einschätzungen rund um den Stahlmarkt liefert der BME-Preisspiegel Stahl.

 

Autor: Frank Rösch, BME
 

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