29.01.2014 //

Talkrunde: Werte einer Marke

Jubiläum der BME-Region Pfalz-Rhein/ Neckar. Unter den Talkgästen: Uli Hoeneß.

Diskussionsrunde Rhein-Neckar Diskussionsrunde anlässlich der 60-Jahrfeier der BME-Region Pfalz/Rhein-Neckar (von links): Jürgen Boos (Geschäftsführer Frankfurter Buchmesse), Uwe Schroeder-Wildberg (Vorstandsvorsitzender MLP), Moderator Pastor Johann Spermann (Leiter Heinrich-Pesch-Haus),Uli Hoeneß (Präsident FC Bayern), Albrecht Hornbach (Vorstandsvorsitzender Hornbach Holding/Vorsitzender Metropolregion Rhein-Neckar)

Aus Anlass ihres 60-jährigen Bestehens hatte die BME-Region Pfalz-Rhein/Neckar eine hochrangige Diskussionsrunde nach Wiesloch gebeten. Uwe Schroeder-Wildberg (MLP), Jürgen Boos (Frankfurter Buchmesse), Albrecht Hornbach (Hornbach Holding/Metropolregion Rhein-Neckar) und Bayern-Präsident Uli Hoeneß tauschten Argumente. Ihr Thema: ”Global Branding — Wert und Werte einer Marke“.

Rainer Winge, Einkaufschef der Südzucker AG und Vorsitzender des BME-Regionsvorstandes, hatte mit Pater Johann Spermann (Leiter des Heinrich-Pesch-Hauses, Ludwigshafen) einen Moderator gewonnen, der aufmerksam, neutral und mit einer angemessenen Prise Humor durch den Talk führte. Der Pater scheute sich dann auch nicht, eine im Raum schwebende Frage anzusprechen: ”Was passiert mit einer so etablierten Marke wie dem FC Bayern München, wenn der Macher hinter der Marke in die öffentliche Kritik gerät?“ Bayern-Präsident Hoeneß nahm sich Zeit für die Antwort, warb dann um Verständnis. Seine ”Verfehlungen“, zu denen er stehe, seien im Privatbereich angesiedelt. Seinem Arbeitgeber habe er keinen direkten Schaden zugefügt, und damit auch nicht der Marke. Hoeneß: ”Wichtig ist, zu Fehlern zu stehen. Nach dem Prozess werden die Mitglieder des Vereins entscheiden, was mit mir passiert.“ Er hoffe, auch weiterhin das Vertrauen ausgesprochen zu bekommen, wie es Aufsichtsrat und Management des FC Bayern bisher getan hätten.

Vertrauen war ein breit diskutiertes Schwerpunktthema an diesem Abend im Auditorium der MLP AG. Gerade in der Branche der Finanzberatung sei Vertrauen das höchste Gut, betonte Uwe Schroeder-Wildberg. Der MLP-Vorstandschef erinnerte an die herausfordernde Zeit für das Unternehmen, als der Lebensversicherer Swiss Life vom damaligen AWD-Chef Carsten Maschmeyer ein MLP-Anteilpaket von rund 27 Prozent übernommen hatte (von MLP nicht gewollt; Swiss Life ist Ende 2013 wieder ausgestiegen, die Red.). ”Ich habe innerhalb kurzer Zeit 400 Mails von Kunden, Beratern und Mitarbeitern bekommen, die Vertrauen in unser Unternehmen und damit für die Marke MLP bekundet haben. Das hat uns dabei geholfen, die Situation positiv zu lösen“, berichtete Schroeder-Wildberg rückblickend.

”Es gibt immer was zu tun“ — so der Slogan der Hornbach-Gruppe, Pionier in Sachen kombiniertem Bau- und Gartenmarkt und einer der führenden Baumarktbetreiber in Europa mit Filialen in Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Rumänien, der Slowakei, Schweden, der Schweiz und in Tschechien. Albrecht Hornbach, Vorstandsvorsitzender der Holding und seit 2011 Vorsitzender des Vereins Metropolregion Rhein-Neckar, verwies auf den Faktor Glaubwürdigkeit bei der Kundenbindung. So seien der Verzicht auf Rabattaktionen oder Schnäppchenangebote  - ”zugunsten von Dauertiefpreisen“ - und auch die Ausrichtung des Sortiments unter strengen Nachhaltigkeitskriterien die Pluspunkte seines Unternehmens für das Markenimage.

Jürgen Boos brachte als Chef der Frankfurter Buchmesse den Kulturaspekt in die Diskussion ein. Gemessen am kleinen deutschen Sprachraum mit gerade mal 120 Millionen Menschen habe das Frankfurter Event einen immensen weltweiten Markenwert — vor allem erreicht durch Glaubwürdigkeit, wie Boos berichtete. Regelmäßig gebe es Versuche ausländischer Politiker, in Sachen Buchmesse und bei ähnlichen Veranstaltungen in dortigen Ländern unbequeme Autoren zu unterdrücken und regierungsgenehme Literaten zu pushen. ”Auch wenn es schwer ist, deutsche Werte wie Meinungsfreiheit im Ausland durchzusetzen, lassen wir uns nicht vereinnahmen“, so Boos. Sein Wunsch: ”Aktionen mit Autoren aus Nord-Korea.“

Dass auch dem Ehrenamt eine große Bedeutung für die Gesellschaft zukommt, hatten zu Beginn der Jubiläumsveranstaltung der neue BME-Hauptgeschäftsführer Christoph Feldmann und sein zum Jahresende in Ruhestand gegangener Vorgänger Holger Hildebrandt deutlich gemacht. Sie würdigten die besonderen Verdienste der langjährig in der BME-Region beziehungsweise im Regionsvorstand tätigen Birgit Ester und Claudia Zwilling-Pinna, Thomas Kilimann und Wolfgang Luckhart (alle mehr als acht Jahre dabei, Ehrennadel in Bronze). Ehrennadeln in Gold erhielten Hans-Helmut Heilig, Rainer Winge und Kurt Poppek in der Kategorie ”mehr als 16 Jahre“. Winge und Poppek sind beide bereits seit 20 Jahren als Vorsitzender und als stellvertretender Vorsitzender aktiv.

Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass den Mitarbeitern in Unternehmen und Institutionen eine wesentliche Aufgabe bei der Ausprägung einer Marke zukommt. Wert und Werte müsse der Arbeitgeber freilich glaubhaft vorleben, so Moderator Spermann. Das gelte für die Mitarbeiter in den Hornbach-Märkten ebenso wie für das Buchmesse-Team, die Berater von MLP und alle Angestellten des FC Bayern. Der Greenkeeper des FC Bayern sei ebenso ein Imageträger des FC Bayern wie ein Frank Ribery, beide müssen sich als Teile des ganzen Teams begreifen, sagte Uli Hoeneß. Seine Schlussworte: ”Fußball beeinflusst die Freizeitgestaltung der Menschen, vor dem Fernseher und in den Vereinen. Über 50 Prozent der deutschen Nachwuchsspieler in den Klubs haben einen Migrationshintergrund. Der Profifußball hat also ein große Vorbildfunktion und Verantwortung für die Gesellschaft.“

 

Sabine Ursel, BME

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