Trendwende am Rohstoffmarkt im Mai

Der US-amerikanische Protektionismus belastet nicht nur die globale Konjunktur, sondern wirkt sich auch negativ auf die Entwicklung an den internationalen Rohstoffmärkten aus: Der Rohstoffpreisindex des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) ist im Mai zum ersten Mal in diesem Jahr gefallen.

Die durch die USA erhobenen Strafzölle auf den Import von Stahlprodukten belasten die Stahlnachfrage und damit die Nachfrage nach Stahlschrott. Foto: worldsteel.org Die durch die USA erhobenen Strafzölle auf den Import von Stahlprodukten belasten die Stahlnachfrage und damit die Nachfrage nach Stahlschrott. Foto: worldsteel.org

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist im Mai gefallen. Er sank um 2,7 Prozent gegenüber dem Vormonat und damit auf 120,5 Punkte, berichtet das  Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI). Die Preise aller im Index vertretenen Rohstoffgruppen hätten sich im Berichtsmonat ermäßigt, wobei der größte Preisrückgang bei den Energierohstoffen verzeichnet wurde. Dieser Index sank um 2,8 Prozent, der Index für Industrierohstoffe fiel um 2,0 Prozent und der Index für Nahrungs- und Genussmittel rutschte um 1,5 Prozent nach unten.

Die Preisbildung auf den Rohstoffmärkten erfolgte im Mai vor dem Hintergrund sich zuspitzender wirtschafts- und geopolitischer Konflikte. Der Handelskonflikt zwischen China und den USA eskalierte weiter. Die USA kündigten an, gegen Mexiko Strafzölle zu verhängen, sollte es Mexiko nicht gelingen die Migration von Menschen in die USA zu reduzieren. Weiterhin verschärfte sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Der Iran wird von den USA mit strengen Sanktionen belegt, welche unter anderem den Export von iranischem Rohöl unterbinden sollen.

Index für Energierohstoffe: Die Preise für Rohöl sind im Durchschnitt um -2,7 Prozent auf durch-schnittlich 66,94 US Dollar pro Barrel gefallen. Die Preise aller drei im Index vertretenen Rohölsorten fielen, wobei sich US-amerikanisches Rohöl, West Texas Intermediate (WTI) am deutlichsten verbilligte. Der Preis für WTI sank um 4,6 Prozent. Der Preis für Rohöl der Sorte Dubai aus dem Nahen Osten fiel um 1,9 Prozent und der Preis für die europäische Rohölsorte Brent sank um -1,7 Prozent. Gut gefüllte Rohöllager in den USA und die Erwartung, dass die OPEC Produktionserhöhungen auf der Konferenz in Wien Ende Juni beschließen könnte, ließen die Preise für Rohöl im Mai fallen.

Index für Erdgas: Der durchschnittliche Preis für Erdgas fiel um 4,7 Prozent, wobei sich besonders europäisches Erdgas verbilligte. Eine steigende Nachfrage nach Ökostrom und das Ende der Heizperiode belastete die Nachfrage in Europa. Ein relativ hohes Angebot bei gleichzeitig geringer Nachfrage verursachte ein Überangebot von Erdgas in Europa. Weiterhin planen die USA verstärkt, US-amerikanisches Erd-gas nach Europa zu exportieren.

Index für Industrierohstoffe: Die Preise der im Index für Industrierohstoffe enthaltenen Rohstoffgruppen entwickelten sich im Mai rückläufig. Der Index für NE-Metalle fiel um 5,4 Prozent. Im Monatsdurchschnitt fielen die Preise aller im Index vertretenen NE-Metalle, wobei sich Blei am deutlichsten verbilligte. Der Bleipreis fiel um 6,7 Prozent. Preis für Kupfer und Zink sank um 6,6 Prozent. Nickel verbilligte sich um -6,3 Prozent  und Zinn um -5,5 Prozent. Am schwächsten fiel der Aluminiumpreis. Aluminium verbilligte sich um 4,0 Prozent. Eisenerz und Stahlschrott sind wesentliche Rohstoffe in der Stahlproduktion. Der Index für Eisenerz und Stahlschrott stieg leicht um 2,3 Prozent, wobei sich Stahlschrott in Europa und den USA deutlich verbilligte, jedoch der Eisenerzpreis, aufgrund des relativ geringen Angebots, stieg. Die durch die USA erhobenen Strafzölle auf den Import von Stahlprodukten belasten die Stahlnachfrage und damit die Nachfrage nach Stahlschrott. Insgesamt sank der Index für Industrierohstoffe im Mai um 2,0 Prozent auf 124,8 Punkte.

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein umfassender, wöchentlich berechneter Indikator für die Preisentwicklungen auf den Weltrohstoffmärkten, der die wichtigen international gehandelten Rohstoffe enthält. Seit 1960 misst der HWWI-Rohstoffpreisindex die preislichen Veränderungen in der Rohstoffimportrechnung der Industrieländer und ist somit ein Indikator für die Kostenentwicklung bei importierten Rohstoffen.

„Noch kommt es an den Rohstoffbörsen zu keinen gravierenden Kurseinbrüchen – obwohl die Verunsicherung vieler Marktteilnehmer, einschließlich industrieller Einkäufer, mit Händen zu greifen ist. Da bisher kein Ende im Handelsstreit der USA mit China, dem Iran und der EU in Sicht ist, dürften die Volatilitäten auch im zweiten Halbjahr anhalten“, betont BME-Rohstoffexperte Frank Rösch. 

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