24.01.2014 //

„Versorgungssicherheit und Preisstabilität"

Pekrun-Einkaufsleiter Thorsten Kramer im BME-Interview

Kramer: "Für uns Stahleinkäufer war 2013 ein sehr gutes Jahr." Foto: Pekrun

Die Redaktion des BME-Mitgliedermagazins "BIP – Best in Procurement" hat mit Thorsten Kramer, Einkaufsleiter der Pekrun Getriebebau GmbH, Iserlohn, folgendes Interview* geführt.


Wie organisieren Sie Ihren Material- und Rohstoffeinkauf?
Meine Abteilung besteht aus vier Mitarbeitern und gliedert sich in den strategischen und in den operativen Einkauf. Das zur Produktion unserer Getriebe benötigte Rund- und Schmiedematerial wird von unserer strategischen Einkaufsabteilung beschafft. Die Mengen beziehen wir von Stahlhändlern und Schmieden. Dazu führen wir mit unseren Lieferanten alle drei Monate Preisverhandlungen durch. Pekrun hat keine Serienfertigung. Wir sind ein typischer Sondergetriebebauer und fertigen auf Kundenwunsch. Daher können wir die jährlich benötigten Mengen an hochlegierten Qualitätsstählen, Brammen sowie Guss- und Schmiedeteilen nur schwer abschätzen. Unser jährliches Beschaffungsvolumen bei Stahl beträgt rund 2,8 Millionen Euro.

Scannen Sie den Rohstoffmarkt nur nach den aktuellen Stahlpreisentwicklungen?
Nein, dafür sind die Märkte zu unberechenbar geworden. Wir verschaffen uns einen Gesamtüberblick, haben aber ansonsten vor allem den Stahlmarkt im Visier. Dazu gehört für uns auch das Beobachten der Preiskurve bei den beiden Stahlvorprodukten Eisenerz und Kokskohle. Gleichzeitig verfolgen wir die Kursbewegungen der wichtigsten Industriemetalle an der Londoner Metallbörse LME. Da wir kürzlich einen Vertrag über anstehende Stromlieferungen abgeschlossen haben, schauen wir auch auf die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig. Von Interesse ist ferner der Schrottpreis, da wir zahlreiche Gussteile einkaufen.

Was hat Sie 2013 im Rohstoffsektor am meisten überrascht?
Ich habe nicht erwartet, dass der stetige Anstieg der Industrierohstoffpreise zumindest zeitweise gestoppt wurde. Für uns Stahleinkäufer war 2013 angesichts stark sinkender Notierungen ein sehr gutes Jahr. Erleichtert bin ich, dass die extremen Kurs- und Preisschwankungen an den Rohstoffbörsen im vergangenen Jahr weitestgehend ausblieben. Im Moment beobachten wir eine Seitwärtsbewegung an den Märkten.

Könnte der Stahlmarkt 2014 wieder drehen?
Wir hören, dass die Stahlwerke in diesem Jahr Preiserhöhungen planen. Dazu werden sie versuchen, Marktmengen knapp zu halten. Allerdings wurde dieser Versuch in den vergangenen Monaten durch verstärkte Stahlimporte nach Europa zunichte gemacht. Warten wir also ab, in welche Richtung die Preise drehen.

Sollte die Politik regulierend in die Rohstoffmärkte eingreifen, um Spekulanten abzuwehren?
Ich halte diesen Versuch für sehr schwierig. Wünschen würde ich es mir beim Handel mit Nahrungsmitteln wie Getreide, Kaffee, Kakao oder Zucker. Hier sollten spekulative Marktteilnehmer wie Hedgefonds und Investmentbanken außen vor bleiben. Dennoch halte ich auch das in der Praxis für nicht durchführbar.

Wie sichern Sie ihre Preise beim Stahleinkauf ab?
Zunächst springen wir bei der Stahlbeschaffung nicht willkürlich zwischen den verschiedenen Händlern hin und her. Wir haben einen festen Lieferantenstamm, den wir seit Jahren gut kennen. Mit ihm führen wir unsere Verhandlungen, um marktgerechte Preise zu erzielen. Dafür halten diese Lieferanten unsere Kontingente, die wir normalerweise bei ihnen abnehmen, von sich aus schon vor. Auf diese Weise entsteht Versorgungssicherheit und Preisstabilität. Der Einsatz von Hedging-Instrumenten wie Forwards oder Futures kommt für uns nicht in Frage. Dafür ist das Unternehmen zu klein. Dazu müssten wir auch im Vorfeld genau wissen, welche Stahlmengen wir 2014 kaufen wollen.

Mit welchen Laufzeiten schließen Sie Verträge ab?
Die Kontrakte erstrecken sich über drei Monate. Am Ende des vierten Quartals 2013 haben wir uns bereits mit dem Vertragsabschluss für das zweite Quartal 2014 beschäftigt.

Sind Einkaufskooperationen für Pekrun ein Thema?
Auf jeden Fall, denn sie bringen Einspareffekte und Synergien auf breiter Front. Im Moment suchen wir Branchenbetriebe, die über ein ähnliches Profil verfügen wie wir. Allerdings ist eine Einkaufskooperation im Stahl schwierig, da unser Familienbetrieb hochspezialisiert ist. Bei C-Teilen fällt das leichter. Jedes Unternehmen benötigt Büromaterialien, viele Firmen zudem Schrauben aller Art. Eine Einkaufskooperation bei Wälzlagern halte ich auch für sinnvoll und umsetzbar.

Helfen Recycling und Substitution Pekrun, die Materialeffizienz zu steigern?
Im Getriebebau vergleichbare Ersatzstoffe zum Stahl einzusetzen, ist schwierig. Wir setzen Qualitätsstähle ein. Dort können wir zwischen den verschiedenen Güten auswählen. Dafür versuchen wir, Stoffkreisläufe möglichst zu schließen. So entsorgen wir beispielsweise Stahl anders als Vollhartmetall. Holz, Folien und Papier sammeln wir getrennt und führen es einer sinnvollen Wiederverwertung zu. Ausschussware legen wir in einem speziellen Stahllager ab, um aus diesem Material andere Produkte fertigen zu können.

Kommen bei Pekrun E-Lösungen zum Einsatz?
Noch nicht, aber wir planen für 2014 die Einführung elektronischer Tools, um die Abläufe in unserer Beschaffungsabteilung zu optimieren. Durch den Einsatz elektronischer Einkaufsplattformen verspreche ich mir, mehr Zeit für mein eigentliches Kerngeschäft zu gewinnen.
*Das Interview führte Frank Rösch, BME.
 

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