Vom Maschinenbauer zum globalen Innovator

Die DMG Mori AG hat für die erfolgreiche Neuausrichtung ihrer Einkaufsstrategie den BME-Innovationspreis 2019 erhalten. CPO Timo Rickermann erläutert im Gespräch mit dem BME das Siegerkonzept und die dahinter stehende Einkaufsstrategie.

So sehen Sieger aus! BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch (links außen) und BME-Vorstandsmitglied Dr. Michael Nießen (rechts außen) gratulieren Tanju Durmaz (2.v.l.) und Timo Rickermann zum Gewinn des Innovationspreises 2019. Foto: Marotzke/ So sehen Sieger aus! BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch (links außen) und BME-Vorstandsmitglied Dr. Michael Nießen (rechts außen) gratulieren Tanju Durmaz (2.v.l.) und Timo Rickermann zum Gewinn des Innovationspreises 2019. Foto: Marotzke/Weiler, BME e.V.

Die Verleihung des Innovationspreises ist ein Highlight des einmal im Jahr stattfindenden BME-Symposiums. 2019 hielt der bereits zum 54. Mal veranstaltete größte Kongress für Einkauf, Logistik und Supply Chain Management Europas für die rund 1.800 Teilnehmer im bis auf den letzten Platz gefüllten Plenumsaal des Berliner Hotels InterContinental eine Überraschung bereit: Erstmals wurde nicht gleich der Sieger ausgerufen, sondern die vier zuvor nominierten Unternehmen in kurzen Video-Sequenzen vorgestellt. Erst danach verkündete der Sprecher der BME-Jury, Dr. Michael Nießen, dass die nun schon zum 31. Mal verliehene Auszeichnung 2019 an DMG Mori geht – und zwar bereits zum zweiten Mal.  Im Jahr 2004 wurde DMG Mori schon einmal mit dem Innovationspreis prämiert. Damit ist das Unternehmen das erste in der Historie des BME, das den Preis gleich mehrfach gewinnen konnte.

Beeindruckendes Firmenprofil. DMG Mori ist ein weltweit führender Hersteller von Werkzeugmaschinen. Das Angebot umfasst sowohl Dreh- und Fräsmaschinen als auch Automatisierungs- und ganzheitliche Technologielösungen. Gemeinsam mit der DMG Mori Company Limited erzielt der Konzern als „Global One Company“ einen jährlichen Umsatz von über 3,8 Milliarden Euro. Das mehr als 12.000 Mitarbeiter zählende Unternehmen verfügt weltweit über 157 Vertriebs- und Servicestandorte. Darunter befinden sich 14 Produktionswerke in Europa, China, Japan, Russland und den USA. DMG Mori beliefert über 100.000 Kunden aus 42 Branchen in 79 Ländern der Erde.

„Als Global One Company beschäftigen wir rund 200 Einkäufer weltweit“, erklärt CPO Timo Rickermann. Das Beschaffungsvolumen habe 2018 konsolidiert mehr als zwei Milliarden Euro betragen.

Bessere Konditionen im Einkauf. Der Einkauf bei DMG Mori ist global organisiert. Da stellt sich die Frage, wie sich gewährleisten lässt, dass sowohl Produktionsmaterial und Sachinvestitionen als auch Dienstleistungen weltweit in der geforderten Qualität und zu bestmöglichen Konditionen eingekauft werden können. Hier verweist der erfahrene CPO auf die Global-Sourcing-Organisation des Konzerns. Darüber hinaus setze der Einkauf auf sein aus rund 7.000 Lieferanten bestehendes globales Netzwerk, „mit dem wir auf die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen dynamisch reagieren können. Mit der Einführung einer E-Procurement-Plattform konnten wir das Lieferanten-Onboarding digitalisieren und damit den formalen Qualifizierungsprozess beschleunigen“, erläutert Rickermann. Dies wiederum brachte dem Einkauf mehr Zeit für die Auditierung und die kontinuierliche Weiterentwicklung seiner Lieferanten. Durch interaktive Ausschreibungsvorlagen und elektronische Auktionen seien die Konditionen im Einkauf kontinuierlich verbessert worden.

Die Handlungsfelder Compliance und Nachhaltigkeit zählen zu den elementaren Grundpfeilern der Einkaufsorganisation. Rickermann: „Nachhaltigkeit ist Pflicht. Das gilt auch für den Einkauf. Die weltweite Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards ist bereits Grundvoraussetzung für die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten.“

Volatile Märkte, sich dynamisch ändernde Kundenanforderungen und die rasante Entwicklung neuer Technologien stellen auch DMG Mori vor neue Herausforderungen, die insbesondere die Rolle des Einkaufs fundamental verändern. Das Unternehmen hat sich zum globalen Innovator entwickelt: „Während früher allein die Werkzeugmaschine im Fokus unseres Produktportfolios stand, geht es heute darüber hinaus um das Angebot ganzheitlicher Perspektiven. Kunden erhalten bei DMG Mori alles aus einer Hand: Hochpräzise und effiziente Maschinen, durchgängige Automatisierungs- und Digitalisierungskonzepte sowie ganzheitlichen Service. Dieser Wandel hat auch einen maßgeblichen Einfluss auf den Einkauf“, ist Rickermann überzeugt. Mit der strategischen Neuausrichtung hat sein Team deshalb Visionen und neue Leitbilder formuliert, die heute erfolgreich als Antrieb für zukunftsweisende Ideen und Prozesse fungieren.

Interdisziplinäre Kommunikation wichtig. Wie gelingt es, die Mitarbeiter der 14 Produktionswerke rund um den Globus in diese Strategie zu integrieren? Bei der Antwort auf diese Frage verweist der CPO auf die bestehende Hybridorganisation, „von der wir enorm profitieren“. Die Steuerung erfolge über die dezentralen Einkaufseinheiten in den Produktionswerken und über die taktischen Handlungsfelder im zentralen Einkauf – bestehend aus Cluster-Teams. Diese Art der Organisation fordere und fördere in vielerlei Hinsicht eine partizipative Vorgehensweise. Hinzu komme eine strukturierte Meeting-Kultur, die ihrerseits eine regelmäßige und vor allem interdisziplinäre Kommunikation unter den Mitarbeitern fördere – auf allen Ebenen. Rickermann: „Wir ermöglichen unseren Mitarbeitern beispielsweise, an konzernweiten Austauschprogrammen teilzunehmen, um andere Kulturen und Mentalitäten besser kennen- und verstehen zu lernen und den Erfahrungsaustausch innerhalb der Organisation zu optimieren. Hierzu haben wir Kommunikationskanäle geschaffen, über die wir unsere Stakeholder schnell erreichen können, um multimedial über Neuigkeiten in mehreren Sprachen zu berichten.“

Die jetzt prämierte Einkaufsstrategie der DMG Mori AG wird künftig konzernweit in der gesamten „Global One Company“ ausgerollt. Wichtigstes Element dieses „Flaggschiff-Projekts“ sei die Standardisierung und Harmonisierung der Einkaufsprozesse durch ein einheitliches ERP-System. Dabei komme es vor allem darauf an, die Unterschiede in den Kulturen zu beachten. „In Japan zum Beispiel ist kein Lieferant zu finden, mit dem sich über die Möglichkeit einer Skontierung bei frühzeitiger Bezahlung verhandeln ließe. Schließlich werden die Zahlungsziele in der japanischen Kultur anders gehandhabt als in Deutschland oder in Europa. Entsprechend passen wir unsere Strategie stets an die regionale Mentalität und Kultur an“, erklärt Rickermann.

Frühzeitige Bedarfsmeldung. Eine der zentralen Aufgaben des Einkaufs bei DMG Mori ist, Bedarfe abzusichern und an der Erstellung wettbewerbsfähiger, innovativer Produkte sowie an der Optimierung von Kostenstrukturen mitzuwirken. Die Lösung dafür lautet Transparenz: Über eine frühzeitige, digitale Bedarfsmeldung an die Top-Lieferanten des Einkaufs wird die Bedarfsabsicherung und gleichzeitig auch die Echtzeit-Risikoüberwachung der Lieferkette sichergestellt. „Dafür verwenden wir als Kommunikationsmedium ein Bedarfscockpit. Die Beschaffungsabteilungen der Produktionswerke stellen regelmäßig ihre Bedarfe ein und kollaborieren über die Plattform mit den Lieferanten“, erläutert CPO Rickermann.

Das Risiko eines Versorgungsengpasses lasse sich über die Absicherung von Lieferkapazitäten bereits während der Anschaffungsphase in Rahmenverträgen deutlich reduzieren. Zur Risikoeinschätzung nutze der Einkauf eine Cloud-Plattform als Frühwarnsystem. Es liefere zeitnahe Informationen zu möglichen Risiken rund um Bonität, Liefer- und Qualitätsperformance. Es weise auf die Verletzung von Arbeitspraktiken und Menschenrechten sowie auf potenzielle Umweltrisiken hin. Verantwortliche würden bei eintretenden Risiken in der Supply Chain oder bei einzelnen Lieferanten umgehend benachrichtigt.

Einkauf Motor für Innovationen. „Der Einkauf ist in vielen deutschen Industriebetrieben ein anerkannter Kostendämpfer sowie ein Motor für Innovationen. Welche Rolle spielt er in Ihrem Unternehmen?“, fragt der BME. Rickermann: „Auch bei uns ist der Einkauf bereits seit mehreren Jahren ein integraler Partner für die Kostenreduzierung sowie ein wesentlicher Antrieb unserer Innovationskraft. Mit der Neuausrichtung der Einkaufsstrategie wächst die Bedeutung des Einkaufs als effizienzorientierter Digitalisierungstreiber.“ Sowohl bei internen Stakeholdern als auch bei den Lieferanten komme die neue Rolle des Einkaufs gut an. Allerdings passiere so ein Wandel nicht auf Knopfdruck. Der enorme Anspruch an digitalisierte und automatisierte betriebliche Abläufe sowie die Notwendigkeit maximaler Transparenz im Wertschöpfungsnetzwerk verlange einen Wandel der gesamten Innovationskultur.

Ganzheitliche Digitalisierung. Der Stellenwert des Einkaufs im Unternehmen habe sich durch die erhaltene Auszeichnung weiter erhöht. Dieser Preis „ist eine Würdigung für eine einzigartige Teamleistung, zu der viele Konzernbereiche ihren Teil beigesteuert haben“, berichtet Rickermann stolz. Die Auszeichnung schärfe konzernweit den Blick auf die Bedeutung des Einkaufs, der einen relevanten Anteil an den Gesamtkosten der Wertschöpfungskette hat und wesentlich zum Unternehmenserfolg beiträgt. Außerdem belege der Preis einmal mehr die Innovationskraft von DMG Mori.

Vom BME nach den Chancen und Herausforderungen gefragt, die sein Bereich mit Industrie 4.0 verbinde, sagt Rickermann abschließend: „Der Einkauf wird künftig stärker in Netzwerken denken und handeln. Ein Großteil der Zeit entfällt heute auf administrative Aktivitäten wie die Verwaltung von Aufträgen und Verträgen, den Abgleich von Rechnungen oder die Verfolgung von Zahlungen.“ Durch die digitale Transformation ganzer Wertschöpfungs- und Lieferketten verlagere sich jetzt der Fokus auf strategische Initiativen in Lieferantenentwicklung und Innovationsmanagement. Hinzu komme perspektivisch der Einsatz neuer Technologien wie Künstliche Intelligenz und Machine Learning, die dem Einkäufer dabei helfen, seinen Beitrag zum Unternehmenserfolg weiter zu steigern.

Autor: Frank Rösch, BME

BME-Innovationspreis 2020: Erste Ausschreibungsdetails

Der BME zeichnet seit 1986 erfolgreiches Einkaufs- und Logistikmanagement aus. Prämiert werden innovative Leistungen und Konzepte, die die Effizienz von Einkauf und Logistik dauerhaft steigern und dadurch das Unternehmensergebnis deutlich verbessern.

Vorgehen

Die unabhängige Jury bewertet die eingehenden Arbeiten und nominiert die besten Konzepte. Die Unternehmen mit den innovativsten Lösungen werden zur Präsentation nach Frankfurt eingeladen. Aus diesem Kreis ermittelt die Jury den Sieger. Der Gewinner wird auf dem 55. BME-Symposium Einkauf und Logistik“ in Berlin (11. bis 13. November 2020) im Hotel InterContinental vorgestellt.

Teilnahmebedingungen

Um den „BME-Innovationspreis“ können sich Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung bewerben. Voraussetzung ist, dass das eingereichte Konzept in der Praxis verwirklicht wurde und nachhaltig zum Unternehmenserfolg beigetragen hat. Die Arbeit kann in deutscher oder englischer Sprache verfasst sein und sollte 20 Seiten nicht überschreiten. Einsendeschluss für die aktuelle Ausschreibung ist der 30. Juni 2020.

Weitere Infos: bianka.blankenberg@bme.de

 

 

 

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