04.11.2013 //

„Von Entwarnung kann keine Rede sein“

Marktrisiken trotz sinkender Rohstoffpreise weiter hoch

Foto: BGR

„Trotz zuletzt sinkender Notierungen an den Rohstoffmärkten bestehen weiterhin zahlreiche Preis- und Lieferrisiken. Von Entwarnung kann folglich keine Rede sein“, sagte Dr. Peter Buchholz, Leiter der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) vor Journalisten in Hannover. Anlass war die zweitägige „BGR-Rohstoffkonferenz 2013“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), an der zu Wochenbeginn 165 Experten aus Politik, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft teilnahmen.

Buchholz empfahl den Rohstoffeinkäufern in den Unternehmen, die Märkte intensiv zu beobachten. Er machte in diesem Zusammenhang auf große Bewertungsunterschiede zwischen den einzelnen Marktsegmenten aufmerksam. So sei beispielsweise die lückenlose Versorgung mit Seltenen Erden oder Konfliktmineralien wie Tantal und Wolfram schwieriger zu gewährleisten als mit Industriemetallen wie Aluminium oder Kupfer. Daher müssten auch die Beschaffungsstrategien flexibler eingesetzt werden.

 „Die Versorgung mit Rohstoffen aus dem Ausland wird zunehmend schwieriger. Faktoren wie die hohe Konzentration der Vorkommen auf wenige Länder und zunehmende staatliche Eingriffe in Rohstoffmärkte stellen ein Risiko für die sichere Rohstoffversorgung dar“, betonte Hans-Joachim Welsch, Vorsitzender des Ausschusses Rohstoffpolitik im Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Weiterverarbeitende Unternehmen sollten prüfen, inwiefern ihre eigene Produktion eventuell von kritischen Rohstoffen abhänge und wie sich damit verbundene Bezugsrisiken minimieren lassen. Welsch: „Wir müssen jetzt die gute Marktlage nutzen, um die Rohstoffversorgung langfristig abzusichern; denn der globale Rohstoffbedarf wird auch wieder stärker steigen – mit den entsprechenden Konsequenzen für Preise und Verfügbarkeiten. Politik und Wirtschaft sollten hier weiter an einem Strang ziehen.“

„Die Industrie sollte die moderate Preisentwicklung nutzen und jetzt in die Sicherung einer nachhaltigen Rohstoffversorgung investieren“, empfahl Dr. Thomas Gäckle, Experte für Rohstoffpolitik im Bundeswirtschaftsministerium. Die neue Bundesregierung werde an der 2010 beschlossenen Strategie festhalten und sich auch in der neuen Legislaturperiode für die Sicherung der Rohstoffversorgung der deutschen Wirtschaft einsetzen, fügte Gäckle auf Anfrage des BME hinzu. Er kündigte an, dass sich Deutschland auch in der internationalen Rohstoffpolitik stärker engagieren werde. In diesem Zusammenhang begrüßte Gäckle die europäische Rohstoff-Innovationspartnerschaft der EU-Kommission. Damit verfolgt Brüssel einen neuen Ansatz hinsichtlich der gesamten Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationskette, indem es öffentliche und private Akteure über Grenzen und Sektoren hinweg zusammenführt. Ziel ist die beschleunigte Durchsetzung von Innovationen. Im Hinblick auf den Ausbau der Eigenproduktion in Europa sieht der Vorschlag zur Schaffung einer europäischen Innovationspartnerschaft für Rohstoffe gemeinsame Innovationsbemühungen vor, die die Exploration, Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen fördern.

Dr. Volker Steinbach, BGR-Abteilungsleiter Energierohstoffe/mineralische Rohstoffe, forderte die Wirtschaft auf, die Forschung in den Unternehmen zu forcieren. Dazu gehöre vor allem, die durch Recycling und Substitution möglichen Kosteneinsparungen stärker zu nutzen. DERA und BGR sehen laut Steinbach in den nächsten zwei bis drei Jahren bei rund 20 Rohstoffen ernste Liefer- und Versorgungsschwierigkeiten. Diese seien geologisch zwar in ausreichenden Mengen vorhanden; allerdings befänden sich die Förderstätten in Krisengebieten und stellten damit ein hohes geopolitisches Risiko dar. Steinbach hält die sichere Rohstoffversorgung für den Technologiestandort Deutschland mittel- und langfristig für unabdingbar. Hiesige Unternehmen seien auch künftig auf funktionierende nationale und internationale Rohstoffmärkte angewiesen.

Langfristig steigende Rohstoffpreise erwartet Eugen Weinberg, Leiter Rohstoffmarktanalysen der Commerzbank AG. Er sehe darin eine große Chance für die deutsche Wirtschaft, „weil steigende Rohstoffpreise auf breiter Front dringend benötigte Innovationen fördern“, so Weinberg im Pressegespräch. Sorge bereite ihm dagegen, dass die Rohstoffpreise in den vergangenen Jahren trotz ausreichenden Marktangebots enorm nach oben geschnellt seien. Weinberg: „Wir haben deshalb auch keine Knappheitskrise, sondern eine Preiskrise.“


Von der „BGR Rohstoffkonferenz 2013: Preis- und Lieferrisiken – Ausweichstrategien für deutsche Unternehmen“ am 4./5. November in Hannover berichtete Frank Rösch, BME.

 

 

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