VW-Einkauf schaltet Nachhaltigkeitsrating „scharf“

Was es bei der Konzerntochter Audi schon gibt, wird ab sofort auch für alle Volkswagen-Lieferanten Pflicht: Sie müssen sich einem Nachhaltigkeits-Check unterziehen. Wer bestimmte Standards nicht erfüllt, wird künftig nicht mehr berücksichtigt.

VW Nachhaltigkeit Mehr Nachhaltigkeit in Einkauf und Beschaffung: Alle VW-Lieferanten müssen sich seit Juli 2019 verpflichtend einem Nachhaltigkeits-Check unterziehen. Foto: Pixabay

Der Einkauf sitzt an den Schalthebeln für Nachhaltigkeit im gesamten Unternehmen. Das konkretisiert sich etwa in einer Minimierung des Ressourcenverbrauchs im Einkaufsprozess, dem Bezug erneuerbarer Energien oder der Vermeidung von Gefahrstoffen in der Produktion. Die soziale Dimension wiederum adressiert Menschenrechte entlang aller Stufen der Wertschöpfungsketten, Arbeitsbedingungen, Entlohnung, Bildung oder Generationendenken. All das kann der Einkauf mit seinen Entscheidungen mit beeinflussen, wie auch das aktuelle Schwerpunktthema der Juli-Ausgabe des BME-Fachmagazins BIP – Best in Procurement zeigt.

Volkswagen hat seine jüngste Elektrooffensive zum Anlass genommen, die gesamte Wertschöpfungskette konsequent auf die Vermeidung und Senkung von CO2-Emissionen sowie die Einhaltung von Sozialstandards zu trimmen. Der Produktionsstart des neuen Elektroautos „ID.“ ist für Ende des Jahres in Zwickau geplant.

Selbsteinschätzung und Vor-Ort-Check

Damit verbunden ist ein neues Nachhaltigkeitsrating (S-Rating) für die weltweit etwa 40.000 direkten Lieferanten von VW, das mit 1. Juli 2019 live geschaltet wird. „Das S-Rating bewertet die Nachhaltigkeitsperformance der Lieferanten in den Bereichen Umwelt, Soziales und Integrität. In einem ersten Schritt werden die Lieferanten aufgefordert, eine Selbsteinschätzung (SAQ) vorzunehmen, die anschließend von einem externen Umsetzungspartner validiert wird. Je nach Ergebnis ist dann in Schritt zwei ein Vor-Ort-Check notwendig“, so ein Sprecher des Automobilkonzerns gegenüber BIP. Außerdem soll eine definierte Auswahl an Lieferanten einer vertieften Compliance-/Integritätsprüfung unterzogen werden.

Ab sofort kommen nur noch solche Lieferanten bei VW an Aufträge, die ein positives Rating vorweisen können. „Ohne Rating oder mit einem negativen Ergebnis werden Lieferanten nicht mehr beauftragt“, so der Sprecher weiter.

Anforderungen in der Lieferkette weitergeben

Allerdings lässt VW seine Lieferanten nicht im Regen stehen: Diejenigen Zulieferer, die den Anforderungen des Volkswagen-Konzerns noch nicht entsprechen, sollen zunächst zu einer Verbesserung ihrer Performance bewegt werden. Dazu werden bei einem negativen Ergebnis im Selbsteinschätzungsfragebogen oder beim Vor-Ort-Check Maßnahmen definiert, die vom Zulieferer umzusetzen sind. Lieferanten, die diesen Anforderungen dann immer noch nicht entsprechen, werden nicht mehr berücksichtigt.

Für die Geschäftspartner besteht somit ein klarer Anreiz, nachhaltiger zu werden. „Durch den Ausschluss von Lieferanten mit negativer Nachhaltigkeitsperformance und einer Verbesserung der Lieferanten, die den Anforderungen noch nicht im vollen Umfang entsprechen, wird eine direkte Auswirkung auf die Beschaffung des Volkswagen-Konzerns sichergestellt“, heißt es aus Wolfsburg. Außerdem wird von den Lieferanten erwartet, die Anforderungen an Nachhaltigkeit auch an ihre Lieferanten weiterzugeben.

Umwelt, Soziales und Integrität

Das S-Rating fordert Nachhaltigkeit in den Bereichen Umwelt, Soziales und Integrität. Soziale Themen (Achtung der Menschenrechte, Einhaltung von Arbeitsstandards, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz) werden gleichrangig mit Anforderungen an Umwelt und Klima behandelt. VW erhofft sich dadurch, dass Einkauf und Beschaffung, an dessen Spitze seit dem 1.9.2018 Ex-ZF-Chef Stefan Sommer steht, einen entscheidenden Teil zu mehr Nachhaltigkeit im gesamten Konzern beitragen.

Bei der VW-Konzerntochter Audi gibt es das Nachhaltigkeitsrating von Lieferanten bestehend aus Selbstauskunft und Vor-Ort-Check bereits seit April 2017.

Nachhaltiger Einkauf: Schwerpunkt beim BME

Der BME widmet sich in der aktuellen Ausgabe seines Fachmagazins BIP – Best In Procurement umfangreich dem Thema Nachhaltigkeit im Einkauf. Außerdem bietet der Einkäuferverband eine Reihe von Services für Einkäufer rund um das Thema Nachhaltigkeit im Einkauf.

Ende August findet in Frankfurt der 1. BME Sustainability Summit statt.

Die gesammelten Infos sind auch in einer Pressemitteilung hier zu finden.

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