15.05.2018 //

Weltweit drohen höhere Kosten

2017 erreichte der globale wirtschaftliche Boom seinen Peak. Dass Einkäufer zukünftig stärker diversifizieren und absichern sollten, zeigte das 11. BME-Forum Global Sourcing am Dienstag in Düsseldorf.

Trotzt bis jetzt allen Krisenherden: Mit ungebrochenem Elan bleibt die Weltwirtschaft im Aufwärtstrend. Foto: pixabay.com Trotzt bis jetzt allen Krisenherden: Mit ungebrochenem Elan bleibt die Weltwirtschaft im Aufwärtstrend. Foto: pixabay.com

Mit ungebrochenem Elan bleibt die Weltwirtschaft im Aufwärtstrend. „Der Zyklus lebt, besonders die Industrieländer hatten einen starken Aufschwung“, sagte Dr. Gertrud R. Traud am Dienstag auf dem 11. BME-Forum Global Sourcing in Düsseldorf. Es sei allerdings vorhersehbar, dass es 2018 nicht mit dem gleichen Schwung weitergehe, schränkte die Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen ein. Zehn Jahre nach der Finanzkrise deute sich ein Schwenk am deutschen Arbeitsmarkt an. Die jüngsten höheren Lohnabschlüsse in Deutschland seien dabei nur ein Faktor, der auf den Faktor Preis drücken würde.

Mit den steigenden Löhnen nehme auch der Druck auf die Marge zu. Ergänzend kämen voraussichtlich höhere Zinsen, ein Anziehen der Preise am Immobilienmarkt und eine extrem hohe Kapazitätsauslastung in der Bauwirtschaft hinzu. Zölle würden zudem die Importpreise verteuern. „Seien Sie vorbereitet auf höhere Kosten“, warnte die Konjunkturexpertin die Einkäufer. An diesem Punkt deute sich zudem ein Schwenk der Notenbanken an. „Wenn die Inflation steigt, gibt es keine Rechtfertigung mehr für die expansive Geldpolitik der Notenbanken“, so Traud. Deren Politik habe dafür gesorgt, dass die Märkte sich nicht mehr so stark bewegt hätten.

Liefersicherheit sinkt

Dass sich die Politik der Notenbanken immer stärker mit der Konjunktur verflechten, untermauerte Gregor Eder, Senior Economist bei der Allianz SE. „Der Anteil der Bilanzsumme der EZB am EWU-BIP stieg von 12 auf 41 Prozent zwischen 2008 und 2018." Die künftige Entwicklung werde durch die geldpolitische Normalisierung geprägt. Konkret bedeute das, das Renten-, Aktien- und Devisenmärkte sensibler reagieren werden.  Der Volkswirt äußerte sich aber zuversichtlich, dass der Aufschwung sich fortsetzen werde. „Die hohe Kapazitätsauslastung zieht Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen nach sich.“

Dennoch: Viele politische Risiken überschatten die rund laufende Konjunktur. Auch Eder prognostizierte stärkere Ausschläge an den Märkten durch den allmählichen Rückzug der Notenbanken. „Das Ende der Entkopplung zwischen der Beurteilung politischer Risiken und der Marktbewertungen naht“, sagte Eder. Protektionismus und Sanktionsrisiken würden die Liefersicherheit und die Lieferpreise beeinträchtigen, ergänzte der Volkswirt. Einkäufer sollten daher verstärkt absichern und ihre Lieferketten diversifizieren.

Steigende Risiken in China

Ein Schwerpunkt der Diskussionen unter den Experten auf dem Forum war der Beschaffungsmarkt China. Karl-Heinz Pöhlmann, Vice President Supply Chain bei Hottinger Baldwin Messtechnik (HBM), warnte vor steigenden politischen Risiken in China. Einfuhrverbote für bestimmte Chemikalien und verschärfte Inspektionen würden Produktionsstätten oft unvorbereitet treffen. „Es kommt auch zu erzwungenen Standortverlagerungen von Lieferanten“, ergänzte der China-Kenner. Entsprechend dürfe der Umweltaspekt bei der Auswahl der Lieferanten nicht vernachlässigt werden. Dennoch stufe HBM das Land weiterhin als vielversprechend ein und ist dort auch seit über 20 Jahren engagiert. Über ein unternehmenseigenes Frühwarnsystem könne das Unternehmen nunmehr schnell reagieren.

Vom 11. BME-Forum Global Sourcing berichtete Doris Hülsbömer, BME

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