„Weltwirtschaft im Fitnessstudio“

Helaba-Chefvolkswirtin Dr. Gertrud R. Traud stellte in Frankfurt den Jahresausblick für Konjunktur und Kapitalmärkte vor. Danach sei mit einer zunehmenden Divergenz zwischen den großen Wirtschaftsräumen zu rechnen. Die Konjunktur in Deutschland und in der Eurozone dürfte Traud zufolge „im Laufe des nächsten Jahres wieder dynamischer“ verlaufen.

Helaba-Chefvolkswirtin Dr. Gertrud R. Traud: "2019 wird ein anstrengendes Jahr. Fitness ist somit wichtig. Deshalb schicken wir die Weltwirtschaft ins Fitnessstudio." Foto: Frank Rösch/BME e.V. Helaba-Chefvolkswirtin Dr. Gertrud R. Traud: "2019 wird ein anstrengendes Jahr. Fitness ist somit wichtig. Deshalb schicken wir die Weltwirtschaft ins Fitnessstudio." Foto: Frank Rösch/BME e.V.

„Das globale Wirtschaftswachstum wird 2019 mit 3,4 Prozent fast genauso stark sein wie im Vorjahr. Dabei verläuft die konjunkturelle Entwicklung in den wichtigsten Wirtschaftszonen unterschiedlich“, heißt es in „Märkte und Trends 2019“, dem aktuellen Jahresausblick für Konjunktur und Kapitalmärkte, der am Montag von Helaba-Chefvolkswirtin Dr. Gertrud R. Traud in Frankfurt vorgestellt wurde. Während in den USA und in China die Dynamik abflauen dürfte, helle sich die Lage im Euroraum und in Deutschland im Jahresverlauf 2019 auf. In den Schwellenländern stabilisiere sich die wirtschaftliche Situation.

Der Boom der US-Konjunktur war im Wesentlichen Ergebnis massiver Steuersenkungen und kräftiger Ausgabenerhöhungen. Dieser Effekt läuft aus, das Wachstum schwächt sich 2019 auf 2,6 Prozent (2018: 2,9 Prozent) ab. „In der Eurozone wird dagegen der fiskalpolitische Stimulus zunehmen. Unterstützend wirkt auch der moderate Ölpreis in Kombination mit einem stärkeren Euro. Zudem entspannen sich zentrale wirtschaftspolitische Konflikte wie der Brexit, der Handelsstreit mit den USA und die Querelen um den italienischen Haushalt “, erläuterte Traud.

In Deutschland werde der Konsum maßgeblich zum Wirtschaftswachstum beitragen und Belastungen aus dem Außenhandel sowie der anhaltenden Investitionszurückhaltung kompensieren. Insgesamt erreiche das Wirtschaftswachstum 1,5 Prozent (2018: 1,6 Prozent) und bleibe damit über der Beschäftigungsschwelle. Der Beschäftigungsanstieg dürfte sich nach Trauds Einschätzung „unter anderem aufgrund des Fachkräftemangels etwas verringern. Die Inflationsrate fällt mit gut zwei Prozent leicht höher aus als 2018.“

Negatives Alternativszenario „Notaufnahme“ (Eintrittswahrscheinlichkeit 20 Prozent): Im negativen Alternativszenario verweigern sich die Länder laut Helaba-Einschätzung, an ihrer Fitness zu arbeiten. Historisch hohe Schuldenstände, die Vernachlässigung einer investiven und auf nachhaltiges Wachstum ausgelegten Fiskalpolitik sowie ein stark eingeschränktes geldpolitisches Medikamentensortiment führten zu einem Kollaps. Traud: „Die Anleger fliehen und suchen Zuflucht in sicheren Anlageklassen. Gold und US-Dollar werden in Zeiten hoher Unsicherheit ihrem Ruf als Krisenwährungen gerecht. Der Euro-Dollar-Kurs sinkt deutlich auf 0,95. Der DAX fällt in den Bereich um 9.000 Punkte.“

Positives Alternativszenario „Wellnessoase“ (Eintrittswahrscheinlichkeit zehn Prozent): Ganz anders ist dagegen die Situation im positiven Alternativszenario. Hier gleicht das wirtschaftliche Umfeld laut Helaba-Angaben einer Wellnessoase. Alles fühle sich sehr entspannt an, Leichtigkeit mache sich breit. Die Stimmung steige. Die US-Wirtschaft boome. Die Wirtschaft in Deutschland und der Eurozone expandiere um rund drei Prozent. Die starke Weltkonjunktur heize die Inflation an. Die Fed erhöhe kräftig die Zinsen und die EZB vollziehe die Zinswende früher als erwartet. Der Euro-Dollar-Kurs steige auf 1,35. Der DAX überspringe die 15.000-er Marke.

Der Konjunktur- und Kapitalmarktausblick der Helaba steht in diesem Jahr unter dem Motto „Fitnessstudio“. Da 2019 ein anstrengendes Jahr werde, sei Fitness wichtig. Nur mit einer gewissen Leistungsfähigkeit könnten die Herausforderungen bewältigt werden. Deshalb schicken die Helaba-Volkswirte die Weltwirtschaft ins Fitnessstudio. Traud abschließend: „Gerade weil einige Länder im Fitnessstudio ins Schwitzen kommen, werden sich bereits im Laufe des nächsten Jahres erste Erfolge einstellen.“

Weiterempfehlen

Weitere Meldungen zu: