15.01.2020 //

Wirtschaft 2019 deutlich schwächer gewachsen

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte laut Destatis nur um 0,6 Prozent zu. Die Wirtschaftsleistung ist im zehnten Jahr in Folge gestiegen, aber mit nachlassender Dynamik.

Nicht Fisch, nicht Fleisch: Konjunkturexperten erwarten auch 2020 eine Seitwärtsbewegung der deutschen Volkswirtschaft. Foto: pixabay.com Nicht Fisch, nicht Fleisch: Konjunkturexperten erwarten auch 2020 eine Seitwärtsbewegung der deutschen Volkswirtschaft. Foto: pixabay.com

Die deutsche Wirtschaft ist im abgelaufenen Jahr nur knapp einer Stagnation entkommen. Nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lag das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um 0,6 Prozent höher als vor zwölf Monaten. Dennoch sei die deutsche Wirtschaft damit im zehnten Jahr in Folge gewachsen. Dies sei die längste Wachstumsphase im vereinten Deutschland, heißt es in der Destatis-Pressemitteilung weiter.

Das Wachstum habe 2019 aber an Schwung verloren. In den beiden vorangegangenen Jahren war das preisbereinigte BIP deutlich stärker gestiegen, 2017 um 2,5 Prozent und 2018 um 1,5 Prozent. Verglichen mit dem Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre von +1,3 Prozent sei die deutsche Wirtschaft 2019 schwächer gewachsen.

Reaktionen zur BIP-Entwicklung im vergangenen Jahr:

„Die Konjunktur wurde 2019 von der Binnennachfrage gerettet“, ,kommentierte DekaBank-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater die Destatis-Meldung zur BIP-Entwicklung in Deutschland. Handelsstreit und Brexit hätten seiner Meinung nach 2019 die politische Unsicherheit auf ein noch nie dagewesenes Niveau geschraubt. Dies dämpfte den Außenhandel Deutschlands und die Investitionstätigkeit im Inland. Die Unternehmen bereiteten sich auf den Ernstfall vor und reduzierten ihre Lagerhaltung. „Hinzu kamen die Probleme der deutschen Paradebranche – der Automobilindustrie. Wäre nicht die Binnenkonjunktur gewesen, der private und staatliche Konsum sowie die Bauinvestitionen, Deutschland wäre in die Rezession abgeglitten“, so Kater weiter.

„Die deutsche Wirtschaft hat nach Aussagen des Statistischen Bundesamtes im vierten Quartal gegenüber dem dritten eine ‚leichte Erholung‘ gezeigt. Das Schlussquartal scheint etwas besser gelaufen zu sein als erwartet, auch wenn die Statistiker noch keine konkreten Zahlen veröffentlicht haben“, so Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Damit bestünden gewisse Aufwärtsrisiken für „unsere 2020er Wachstumsprognose von 0,8 Prozent, auch wenn wir weiter eine blutleere Aufwärtsbewegung erwarten. Die unerwartet hohen Überschüsse sollte der Staat in die darbende Infrastruktur stecken, wenn er schon nicht die Steuern senken will“, betonte Krämer.

Nach Einschätzung von Prof. Stefan Kooths, Leiter Prognosezentrum des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel lässt „die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 0,6 Prozent für 2019 darauf schließen, dass die Wirtschaftsleistung im Schlussquartal kaum angezogen hat. Maßgeblich hierfür ist die Schwäche in der Industrie, die nach der rasanten Talfahrt in den vergangenen zwölf Monaten noch nicht wieder Tritt gefasst hat, worunter auch die unternehmensnahen Dienstleistungen zu leiden hatten.“

Das magere Jahresplus bei der Wirtschaftsleistung habe vor allem konjunkturelle Gründe. Es gebe aber von der Größenordnung her einen Vorgeschmack auf die schmalen Wachstumsperspektiven in den 2020er-Jahren. In den zurückliegenden drei Jahrzehnten sei die Wirtschaftsleistung im Durchschnitt um jährlich 1,4 Prozent gestiegen. Im Zuge des demografischen Wandels würden sich die Wachstumsspielräume in wenigen Jahren fast halbieren. Damit dürften Kooths zufolge „auch die Verteilungskonflikte an Schärfe gewinnen, insbesondere, weil die sozialen Sicherungssysteme noch nicht auf die niedrigere Wachstumsdynamik vorbereitet wurden“.

Für DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben ist „das Wirtschaftswachstum 2019 ein Warnsignal. Nur die solide Binnenkonjunktur konnte Schlimmeres verhindern. Der Konsum und die florierende Baubranche sind stützende Pfeiler. Die exportorientierte Industrie fiel in diesem Jahr als Wachstumstreiber jedoch aus. Zahlreiche Handelskonflikte, weltweit weniger Investitionen und eine gedrosselte Weltkonjunktur machen den Unternehmen zu schaffen.“ Das bereite auch für dieses Jahr Sorge. Die Konjunktur werde sich nach Wanslebens Prognose auch 2020 seitwärts bewegen.

Insgesamt zeige sich bei der Wirtschaftsentwicklung ein komplexes Bild. Neben der Verunsicherung der Unternehmen und der außenwirtschaftlichen Eintrübung belasteten auch immer mehr strukturelle Herausforderungen die Konjunktur und gerade die schwächelnde Industrie.

Frank Rösch, BME-Konjunktur- und Rohstoffmonitoring

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