22.12.2021 //

„Beschaffungsrisiken schnell begrenzen“

Pleuger Industries will die Zusammenarbeit zwischen dem Einkauf in der Hamburger Zentrale und seinen Auslandstöchtern enger verzahnen.

Elektrische Unterwassermotoren und Pumpen von Pleuger Industries werden in der kommunalen Wasserversorgung, im Hochwasserschutz, Bergbau sowie in Offshore-Windparks und Ölplattformen eingesetzt. Fotoquelle: Pleuger Industries GmbH Elektrische Unterwassermotoren und Pumpen von Pleuger Industries werden in der kommunalen Wasserversorgung, im Hochwasserschutz, Bergbau sowie in Offshore-Windparks und Ölplattformen eingesetzt. Fotoquelle: Pleuger Industries GmbH

Stefan Gagern, Teamleiter Einkauf der Pleuger Industries GmbH, Hamburg, sprach mit dem BME* über `die Struktur seiner Abteilung sowie über die coronabedingten Herausforderungen für den global agierenden Hersteller von Tauchmotoren, Pumpen und Triebwerken.

Fotoquelle: Pleuger Industries

Fotoquelle: Pleuger Industries

BME: Wie ist Ihr Einkauf strukturiert?
Gagern:
Mein Team besteht mit mir zusammen aus insgesamt sechs Mitarbeiter:innen, vier operative und ein strategischer Einkäufer. Wir sind in Warengruppen organisiert. Die wichtigsten Warengruppen sind Gusskomponenten, Dreh- und Frästeile, Leitungen und Wickeldrähte sowie Motorbleche. Der aktuelle Fokus des strategischen Einkäufers ist die Entwicklung von neuen Gusslieferanten. Für unsere Pumpen und Motorengehäuse kaufen wir vor allem Gussteile ein. Diese bestehen unter anderem aus Grauguss, Edelstahl und Bronze. Ich verantworte ein jährliches Einkaufsvolumen von 14,5 Millionen Euro. Davon entfallen 12,5 Millionen Euro auf direktes Material verteilt auf ca. 200 Lieferanten. Der Gesamtumsatz des Unternehmens beträgt jährlich rund 39 Millionen Euro.

Kaufen die Pleuger-Tochtergesellschaften autark ein?
Wir besitzen Tochterfirmen in Russland, USA, Singapur und Frankreich. Produziert wird neben dem deutschen Hauptstandort auch in unserer französischen Niederlassung. Unsere Filialen in Moskau, Florida und Singapur sind reine Vertriebsbüros. In Orleans arbeiten zwei Einkäufer, die autark vor Ort sourcen und über ein eigenes Lieferantennetzwerk verfügen. Künftig soll die Zusammenarbeit zwischen dem Einkauf in der Hamburger Zentrale enger verzahnt werden und an einer gemeinsamen Strategie ausgerichtet werden.

Scannen Sie die Rohstoffmärkte und wenn ja, wie?
Ja, das Monitoring ist für uns wichtiger denn je. Wir beobachten insbesondere die Preisentwicklung bei den Industriemetallen sehr genau. Die Daten nutzen wir für Vertragsverhandlungen mit unseren Lieferanten. Als BME-Mitglied stützen wir uns auch auf die Expertise des Verbandes, insbesondere im Rohstoffbereich. Sorge bereitet uns in diesem Jahr die stetig steigenden Rohstoffpreise. Die Notierungen wurden durch die Corona-Krise und den damit verbundenen Materialmangel regelrecht befeuert.

Ist Pleuger Industries von den Material-Engpässen betroffen?
Ja, beispielsweise bei Motorblechen, die wir in unserer laufenden Produktion verwenden. Deshalb haben wir die Situation in Stahlwerken genau verfolgt. So wurden viele Hütten im Zuge des Shutdown zunächst runtergefahren. Die gestiegene Nachfrage führt neben dem Ressourcenengpass auch zu stark steigenden Preisen. Das dürfte auch noch eine ganze Weile so bleiben: Einige Commodity-Experten erwarten erst gegen Ende nächsten Jahres eine Entspannung der Marktlage. Die Lieferzeiten sind bei einigen Artikeln von zwölf Wochen auf sechs bis acht Monate gestiegen.

Hat das Einfluss auf Ihre Vertragslaufzeiten?
Wir erhalten derzeit von unseren Lieferanten keine vertragliche Preisbindung mehr. Es geht teilweise nur noch darum, das bestellte Material überhaupt zu bekommen. So ordern wir beispielsweise Bleche zwar auf Basis von Preislisten; aber aufgrund der langen Lieferzeit gibt es dann zwischendurch neue Preisentwicklungen. Am Ende werden wir zu dem Tagespreis abgerechnet, an dem das Material hergestellt wurde. Die Volatilität in den Rohstoffmärkten ist zu groß.

Hat die Pandemie Pleuger Industries geschadet?
Wir sind bisher ziemlich gut durch die Corona-Krise gekommen und mussten keine Kurzarbeit anmelden. Pleuger profitierte von einem sehr guten Auftragsbestand und größeren Projekten mit längeren Durchlaufzeiten. Probleme gab es mit unseren chinesischen Lieferanten von Gussprodukten, als in der Volksrepublik der staatlich verordnete Lockdown ausgerufen wurde. Keiner konnte sagen, wann und wie es dort mit der Produktion weitergeht. Hier kam uns aber zugute, dass wir relativ schnell auf alternative Guss-Lieferanten in Europa ausweichen konnten.

Der Lockdown verursachte auch Transportprobleme. War Ihr Einkauf davon betroffen?
Wir beschaffen ca. 80 Prozent der benötigten Produktionsmaterialien in Europa und haben deshalb im Vergleich zu Geschäftspartnern in Übersee kurze Wege. Lieferungen aus Fernost waren von der Pandemie am stärksten betroffen, die auch bei uns zu Verzögerungen führten. Auch sind weiterhin die Transportzeiten aus Fernost deutlich länger als vor Corona.

Werden Sie Ihr Risiko- und Lieferantenmanagement coronabedingt optimieren?
Ja, definitiv. Ein wichtiger Punkt sind zusätzlich Bezugsquellen für kritischen Produkte zu entwickeln, um die durch einen kurzfristigen Lieferantenausfall entstehenden „Beschaffungsrisiken möglichst schnell zu begrenzen“. Hier kann auch die Digitalisierung helfen, beispielsweise bei der Verbesserung der Kommunikation mit unseren ausländischen Lieferanten, insbesondere in Fernost. Eine weitere Option ist für uns die Einführung digitaler Lieferanten-Audits.

Wie ist Ihr regionales Lieferanten-Netzwerk geknüpft?
Wir kooperieren vor allem mit deutschen Lieferanten, haben aber auch Geschäftskontakte zu Partnerfirmen in den Niederlanden, Spanien und Italien. Osteuropa spielt für uns weniger eine Rolle. Hier arbeiten wir bisher nur mit polnischen Lieferanten zusammen. Die Gusskomponenten für unsere Kleinpumpen beziehen wir ausnahmslos aus China. Angesichts der coronabedingten Lieferantenausfälle in der Volksrepublik und der anhaltenden Frachtunsicherheit haben wir unsere Lagerhaltung deutlich erweitert.

*Das Interview führte Frank Rösch, BME-Konjunktur- und Rohstoffmonitoring

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