„Dating Doctor für die Warsteiner Gruppe“

Daniel Küster, Warsteiner: „Angesichts der zahlreichen Anforderungen des Marktes, der steigenden Konkurrenz und des wachsenden Wettbewerbs müssen alle Unternehmensfunktionen – vom Vertrieb über das Marketing bis hin zum Einkauf – künftig noch enger, abgestimmter und synchroner für den gemeinsamen Geschäftserfolg zusammenarbeiten.“

Seit 2005 besitzt die Warsteiner Brauerei einen eigenen Gleisanschluss mit Container-Terminal. Fotoquelle: Warsteiner Seit 2005 besitzt die Warsteiner Brauerei einen eigenen Gleisanschluss mit Container-Terminal. Fotoquelle: Warsteiner

Daniel Küster, Leiter Supply Chain Management der Warsteiner Gruppe, erläuterte im Gespräch mit dem BME seine Pläne, das gegenwärtige Konzept zur Verlagerung der Biertransporte von der Straße auf die Schiene kontinuierlich auszubauen.

Foto: Warsteiner

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Daniel Küster (36) hat im Juli 2020 die neugeschaffene Funktion des Leiters Supply Chain Management der Warsteiner Gruppe übernommen. Der ausgebildete Speditionskaufmann stößt in bewegten Zeiten zum nordrhein-westfälischen Familienbetrieb, der bereits seit 1753 in neunter Generation Bier produziert. Globalisierung, Industrie 4.0, Corona-Krise und Umweltschutz sind auch für Warsteiner große Herausforderungen, die es zu meistern gilt.

Logistische Netzwerke. Im Gespräch mit der BIP-Redaktion betont Küster, dass nicht nur ein kleiner Teil, sondern die gesamte Unternehmensgruppe im Fokus seiner Arbeit steht. Denn: Im Supply Chain Management gehe es im Kern um logistische Netzwerke. Warsteiner bestehe aus Brauerei- und Logistikstandorten, zwischen denen auch innerbetriebliche Transporte stattfinden können. Er müsse in diesem weitverzweigten Verbund sowohl die Kunden als auch die Lieferanten stets im Blick behalten, erläutert Küster sein Aufgabengebiet. Das alles schafft er nicht allein, sondern stützt sich auf ein Team von knapp 95 Mitarbeitern. Diese wiederum kümmern sich unter anderem um die Prognoseerstellung, Produktions- und Materialbedarfsplanung sowie um die Lagerung und den Versand inklusive des Eisenbahnverkehrs.

Küster sieht sich nach eigener Einschätzung als „Dating Doctor für die gesamte Warsteiner Gruppe“. „Angesichts der zahlreichen Anforderungen des Marktes, der steigenden Konkurrenz und des wachsenden Wettbewerbs geht es ihm vor allem darum, dass alle Unternehmensfunktionen – vom Vertrieb über das Marketing bis hin zum Einkauf – künftig noch enger, abgestimmter und synchroner für den gemeinsamen Geschäftserfolg zusammenarbeiten.“ Er nennt das „vernetztes Denken“. Konkret bedeute das beispielsweise, die Abrufe in der Produktionsplanung und Materialbeschaffung optimal so zu gestalten, dass Arbeits- und Produktionsprozesse verschlankt werden und der Kundennutzen gleichzeitig erhöht wird.

Mitarbeiter der Beschaffungslogistik gehören ebenfalls zum SCM-Team. Sie bestimmen beispielsweise den Zeitpunkt für den Abruf von vorher definierten Losgrößen und suchen den passenden Lieferanten heraus. Dabei geht es auch um scheinbar profane Dinge wie die Beschaffung von Ausstattungsmaterialien – darunter Kronkorken, Neuglasflaschen, Dosen und Bieretiketten, die für die Abfüllung von Bieren genauso strategisch wichtig sind, wie die Rohstoffe des Bieres, Hopfen, Malz, Hefe und Wasser an sich.

Logistik-Roadmap. Warsteiner, das zu den größten Privatbrauereien Deutschlands gehört und sein Premium Pilsener in über 50 Länder der Erde exportiert, arbeitet nicht erst seit heute an der Optimierung der Logistikprozesse. Küster verschafft sich derzeit einen Überblick über die genauen Abläufe entlang der Liefer- und Wertschöpfungsketten. Später will er eine Logistik-Roadmap erstellen, die konkrete Verbesserungsvorschläge enthält, mit der Geschäftsführung abgestimmt und danach zeitnah von ihm und seinen Mitarbeitern umgesetzt werden soll.

Es gebe aber auch schon heute konkrete Projekte, an deren Realisierung Küster und sein SCM-Team gearbeitet haben. Als Beispiel nennt der studierte Logistiker das Staplerortungssystem. Früher sei das Scannen der Paletten vom Gabelstapler aus sehr zeitaufwendig. Mithilfe einer speziellen Software ist es seit Kurzem bald möglich, das bestehende Lagerverwaltungssystem mit einer modernen Staplerortungstechnik zu verbinden. Somit ist nun das automatische Scannen jeder einzelnen Palettenbewegung – bis zu 40.000 sind es täglich – kein Wunschtraum mehr. Auf diese Weise könne nicht nur viel Zeit für die Be- und Entladung von Kunden-LKWs, sondern auch Kosten eingespart werden.

Grenzen der Digitalisierung. Industrie 4.0 spielt für Daniel Küster eine große Rolle. Er schränkt aber auch ein, das sich in der Brauereibranche nicht alles sofort und ohne Weiteres digitalisieren lässt. Dort aber, wo neue Digitalisierungstechnologien zum Einsatz kommen, werden die Arbeitsabläufe schneller, effizienter und kundenorientierter.

Auch hier hat der SCM-Experte konkrete Beispiele parat: „Wir setzen bereits an mehreren unserer Standorte – neben dem Hauptsitz in Warstein sind das weitere Brauereien in Paderborn, Herford und Fürstenfeldbruck – Industrieroboter ein. Sie führen die Leergutsortierung mithilfe visueller Intelligenz und Messtechnik vollautomatisch durch. In das Produktionsnetzwerk sind zudem fahrerlose Transportfahrzeuge – sogenannte AGV (Automated Guided Vehicle – Anmerkung der Redaktion) zur innerbetrieblichen Paletten-Beförderung integriert.“

Klar sei aber auch, dass Digitalisierung nicht nur die Warsteiner Gruppe betreffe, sondern sich über das gesamte Logistiknetzwerk erstrecke. Nur dann ließen sich die damit verbundenen Einsparungspotenziale heben.

Die Verlagerung des Biertransports von der Straße auf die Schiene ist seit mehreren Jahren ein Eckpfeiler des Warsteiner Logistikkonzepts. Bereits Anfang der 2000er-Jahre sei damit begonnen worden, die Bahn stärker in die betrieblichen Transport- und Logistikprozesse einzubinden.

Eigenes Container-Terminal. Seit 2005 besitzt die Warsteiner Brauerei einen eigenen Gleisanschluss mit Container-Terminal. Der dort eingesetzte Containerkran eignet sich für alle gängigen Containerformate, hat eine Hubkraft von bis zu 40 Tonnen und kann sowohl manuell als auch automatisch gesteuert werden. Gleisanschluss und Container-Terminal sorgen dafür, dass pro Jahr rund 14.000 Lkw-Transporte, bis zu 3.800 Tonnen CO2 und 11.800 Tonnen Stickoxide eingespart werden. Gleichzeitig rollen über die knapp fünf Kilometer lange Gleisanlage jährlich Transporte im Volumen von 190.000 Tonnen – Tendenz steigend. Seit Beginn arbeitet Warsteiner erfolgreich mit der in Lippstadt ansässigen Westfälischen Landes-Eisenbahn (WLE) zusammen. Die Vorteile: Kurze Wege, hohe Pünktlichkeit (99 Prozent) und flexible Fahrpläne. Darüber hinaus bietet Warsteiner seine Frachtkapazitäten auch lokalen Partnerunternehmen aus dem Sauerland an. Darunter befinden sich zahlreiche Hidden Champions aus unterschiedlichen Branchen, wie beispielsweise der Lebensmittel-, Stahl- oder Holzindustrie über den Warsteiner-Containerterminal abwickeln.

Küster, der einer der Referenten des am 19./20. Januar 2021 in Berlin stattfindenden 14. BME-/VDV-Forums Schienengüterverkehr DIGITAL ist, begrüßt in diesem Zusammenhang die von BME und VDV initiierte Gleisanschluss-Charta. Damit die Wirtschaft den Schienenverkehr weiter ausbauen und noch mehr Container auf die Schiene bringen könne, wünsche er sich eine noch größere Unterstützung seitens der Politik.

Auch Schiffe im Einsatz. Neben den Verkehrsträgern Lkw und Bahn spielt bei Warsteiner auch das Schiff eine wichtige Rolle. Küster verweist auf den Bierexport in die USA. „Nach Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Italien sind die Vereinigten Staaten die wichtigsten Auslandsmärkte für uns und werden über eigene Vertriebsgesellschaften bedient. Die US-Lieferungen gelangen zunächst vom Warsteiner Lager in Container und weiter per Bahn zum größten deutschen Seehafen nach Hamburg. Von dort aus übernehmen Seeschiffe unsere Ladung“, informiert Küster.

Warsteiner arbeitet zurzeit an einer High-Level-Strategie für das gesamte Unternehmen. Darin sind auch die Supply-Chain-Pläne des Logistik-Teams enthalten, die sie sinnvoll ergänzen sollen.
Frank Rösch, BME

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14. BME-/VDV-Forum Schienengüterverkehr DIGITAL
19.–20. Januar 2021, Berlin
Geplante Themenschwerpunkte:

  • Update verkehrspolitisches Engagement für die Schiene
  • Trends in der Warenlogistik
  • Verlagerungskonzepte für Konsumgüter, Handel & Co
  • Nachhaltigkeit realisieren, Wirtschaftlichkeit durchsetzen
  • Die Schiene als starker Partner in der Krise

Anmeldungen sind möglich unter der E-Mail-Adresse: jacqueline.berger(at)bme.de

 

 

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