Fragiler Aufwärtstrend im weltweiten Handel

Trade-Indicator-Update November/2021 des Kiel Institut für Weltwirtschaft: Die jüngste Aufwärtsbewegung könnte aufgrund der nach wie vor massiven Staus in der weltweiten Containerschifffahrt nur von kurzer Dauer sein.

Ungewisse Zukunft: Die massiven Staus in der weltweiten Containerschifffahrt verharren seit rund zwei Monaten auf einem sehr hohen Niveau und verhindern damit einen klaren Aufwärtstrend im weltweiten Handel. Fotoquelle: Hapag-Lloyd Ungewisse Zukunft: Die massiven Staus in der weltweiten Containerschifffahrt verharren seit rund zwei Monaten auf einem sehr hohen Niveau und verhindern damit einen klaren Aufwärtstrend im weltweiten Handel. Fotoquelle: Hapag-Lloyd

In seinem jüngsten Daten-Update für November 2021 signalisiert der Kiel Trade Indicator insgesamt recht positive Handelszahlen (Monat-zu-Monat, preis- und saisonbereinigt). Die Aufwärtsbewegung droht aber von kurzer Dauer zu sein, teilt das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) mit.

Zum einen schere China mit negativen Zahlen aus der Reihe. Zum anderen seien die Staus in der Containerschifffahrt auf ausgesprochen hohem Niveau geblieben und stünden damit einem längerfristigen Aufwärtstrend entgegen. Mit diesem Daten-Update führe das IfW Kiel eine Reihe von Verbesserungen für den Kiel Trade Indicator ein, die Wichtigste: Ab sofort erfolgen die Schätzungen preisbereinigt, also in realen statt nominalen Veränderungsraten.

Der Handel der USA könnte nach Monaten der Stagnation im November im Vergleich zum Vormonat erstmals wieder einen positiven Handelsimpuls verzeichnen, heißt es weiter. Die Schätzungen des Kiel Trade Indicator liegen sowohl für die Exporte (+3,2 Prozent) als auch die Importe (+2,3 Prozent) im Plus (preis- und saisonbereinigt).

Deutschlands Exporte könnten leicht zulegen (+1,2 Prozent), die Importe dürften stagnieren (0,0 Prozent). Für die EU seien sowohl bei den Exporten (+0,9 Prozent) als auch bei den Importen (+0,4 Prozent) leicht positive Entwicklungen möglich.

Der gesamte Welthandel dürfte nach Einschätzung des IfW im November um 1,7 Prozent über dem Vormonat liegen.

Für Chinas Handel signalisiert der Kiel Trade Indicator allerdings negative Vorzeichen. Er zeige einen Rückgang von 3,6 Prozent für die Exporte und von 2,0 Prozent für die Importe an. Der sanfte Aufwärtstrend der Monate September und Oktober wäre damit gebrochen.

„Die positiven Handelszahlen für den Monat November sind erfreulich. Allerdings ist die Aufwärtsbewegung äußerst fragil. Es ist zu befürchten, dass die Freude aufgrund der nach wie vor massiven Staus in der weltweiten Containerschifffahrt nur kurz währt. Die Staus verharren seit rund zwei Monaten auf einem sehr hohen Niveau und verhindern einen klaren Aufwärtstrend im weltweiten Handel“, sagt Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator am IfW Kiel.

Vor den US-Häfen Los Angeles/Long Beach und Savannah sowie im Perlflussdelta und vor Ningbo-Zhou in China seien derzeit rund acht Prozent der weltweiten Frachtkapazität der Containerschifffahrt durch Staus gebunden. Über elf Prozent aller global verschifften Waren stecken in den Warteschlangen fest.

Das Frachtvolumen im Roten Meer, wichtiger Indikator für den europäisch-asiatischen Handel, habe sich seinem zu erwartenden Niveau zwar etwas angenähert, bleibe aber immer noch rund sieben Prozent dahinter zurück.

„Das Weihnachtsshopping steht in diesem Jahr klar unter den Vorzeichen der Lieferprobleme, was sich in einem reduzierten Angebot, längeren Lieferzeiten und höheren Preisen ausdrückt. Aber auch die deutsche Industrie kocht aufgrund fehlender Waren auf Sparflamme. Besserung ist erst nach dem chinesischen Neujahrsfest im ersten Halbjahr 2022 in Sicht, doch auch dann dürfte es noch dauern, bis das globale Liefernetzwerk wieder im Gleichtakt schwingt. Lieferverzögerungen und Engpässe könnten uns daher noch sehr weit ins nächste Jahr beschäftigen“, so Stamer.

Über den Kiel Trade Indicator: Der Kiel Trade Indicator schätzt die Handelsflüsse (Im- und Exporte) für 75 Länder weltweit, die EU sowie des Welthandels insgesamt. Grundlage ist die Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in Echtzeit.

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