15.02.2021 //

Grundlegender Wandel an den Rohstoffmärkten

Eine Analyse der Deutschen Rohstoffagentur zeigt: Die OECD-Staaten haben spürbar an Nachfragemacht verloren. Neues Schwergewicht ist China.

China, die größte Volkswirtschaft Asiens, drückt den internationalen Rohstoffmärkten zunehmend ihren Stempel auf. Im Bild zu sehen: die größte Stadt des Landes Shanghai. Foto: Steven Yu/pixabay.com China, die größte Volkswirtschaft Asiens, drückt den internationalen Rohstoffmärkten zunehmend ihren Stempel auf. Im Bild zu sehen: die größte Stadt des Landes Shanghai. Foto: Steven Yu/pixabay.com

„China ist heute der dominierende Player auf den globalen Rohstoffmärkten. Schon seit Beginn des Jahrhunderts ist das Reich der Mitte stärkster Nachfrager bei mineralischen Rohstoffen“, erklärt Johannes Perger, Volkswirt und Rohstoffanalyst bei der Deutschen Rohstoffagentur (DERA). Aktuell scheine der Wachstumstrend abzuflachen, allerdings sei derzeit keine Nation in Sicht, die China seine Position streitig machen könnte. China habe in den vergangenen 30 Jahren eine Dominanz auf den globalen Rohstoffmärkten aufgebaut, wie sie zuletzt die USA um 1950 innehatten. Das Land habe nach Pergers Daten heute bei den mineralischen Rohstoffen Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel, Stahl, Zink und Zinn einen durchschnittlichen Bedarfsanteil von knapp 50 Prozent.

Die einst dominierenden Industriestaaten in Europa und Amerika hätten ihre Marktmacht eingebüßt und seien von dem Aufsteiger buchstäblich an die Wand gedrückt worden. Auf die USA entfallen acht, auf die EU 13 Prozent. Deutschland habe einen Bedarfsanteil von 3,4 Prozent am Weltmarkt. Die Verschiebung der Gewichte sei jedoch kein Nullsummenspiel gewesen, denn die global produzierten und weiterverarbeiteten Rohstoffmengen wurden gleichzeitig deutlich ausgeweitet. So erreichte nach den Zahlen der DERA der globale Pro-Kopf-Bedarf bei Kupfer 2018 mit 3,2 Kilogramm seinen bisherigen Höchststand, bei Stahl 2017 mit 216,4 Kilogramm und bei Aluminium 2016 mit 7,9 Kilogramm.

Heute werde rund fünf Mal so viel Kupfer und sechs Mal so viel Stahl verwendet wie 1960, bei Aluminium stieg der Bedarf sogar um den Faktor 14,2. Perger: „Daher hat zum Beispiel Deutschland zwar deutlich an globalem Anteil verloren, benötigt heute aber ungefähr gleich viel Stahl und rund 5,5 Mal so viel Aluminium wie 1960.“ Berücksichtige man überdies, dass die Arbeitsteilung der Weltwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gestiegen sei, korrigiere sich das Bild weiter. Die ersten Produktionsstufen seien mittlerweile oft aus den alten Industriestaaten in aufstrebende abgewandert. Die Folge: Die Nachfrage falle entsprechend dort an. Das treffe in besonderem Maße für China zu und mache seinen Aufstieg einzigartig in der Geschichte der modernen Weltwirtschaft. Weiter an Bedeutung gewinnen werde das Land nach Einschätzung der DERA-Experten allerdings nicht.

Die anderen Mitglieder der einstmals als Hoffnungsträger gehandelten BRIC-Gruppe seien bei weitem nicht so umfassend in die industriellen Wertschöpfungsketten integriert, daher verlaufe die Entwicklung Brasiliens und Indiens weit weniger spektakulär. Gleiches gelte auch für das wieder erstarkende Russland. Ihre Anteile an der Rohstoffnachfrage bleiben konstant niedrig und dürften bei Brasilien und Russland sogar eher noch abnehmen. Beide Staaten treten eher als Anbieter von Rohstoffen auf. Auch Indien werde die Erfolgsgeschichte Chinas voraussichtlich nicht wiederholen. „Für die nächsten zehn Jahre halten wir dies für relativ unwahrscheinlich“, so Perger, „da die Volkswirtschaft bereits jetzt am stärksten im Dienstleistungssektor wächst.“

Die Globalisierung der vergangenen 30 Jahre und die damit verbundene Ausweitung von Handel und Arbeitsteilung hätten den Rohstoffmärkten ihren Stempel aufgedrückt. Durch seinen rasanten Aufstieg zur „Werkbank der Welt“ konnte China in weit kürzerer Zeit zum dominanten Player auf den Rohstoffmärkten werden als die Vereinigten Staaten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sich damals gegen die Konkurrenz einer Handvoll Großmächte durchsetzen mussten. Die Multipolarität der heutigen Weltwirtschaft verleihe auch den Rohstoffmärkten große Dynamik. Das Geschehen behalte die DERA durch ihr laufendes Angebots- und Nachfragescreening im Blick. „Wir beobachten die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung der etablierten und aufstrebenden Industriestaaten sowie die wichtigsten technologischen Trends“, meint Perger, „und erhalten so einen guten Überblick über die Geschehnisse und Nachfrageentwicklungen auf den globalen Rohstoffmärkten.“

Die DERA wurde im Oktober 2010 in Berlin gegründet. Sie  ist das rohstoffwirtschaftliche Kompetenzzentrum und die zentrale Informations- und Beratungsplattform zu mineralischen und Energierohstoffen für die deutsche Wirtschaft. Die DERA ist Bestandteil der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit Sitz in Hannover.

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