IfW Kiel präsentiert Handelsindikator

Das neue Tool schätzt die zu erwartenden Im- und Exporte für 75 Länder, die EU sowie den weltweiten Warenumschlag insgesamt.

Foto/Infografik: IfW Kiel Foto/Infografik: IfW Kiel

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) präsentiert mit dem Kiel Trade Indicator einen neuartigen Frühindikator für den internationalen Handel auf Basis von Echtzeitdaten. Er schätzt die zu erwartenden Im- und Exporte für 75 Länder, die EU sowie den weltweiten Warenumschlag insgesamt, teilt das IfW Kiel mit.

Berechnungsgrundlage seien Bewegungsdaten von Containerschiffen in mehreren hundert Häfen und Seeregionen, die ein am IfW Kiel programmierter Algorithmus mit Hilfe von künstlicher Intelligenz auswerte.

„Mit dem Kiel Trade Indicator liefert das IfW Kiel einen konjunkturellen Frühindikator von bislang nicht gekannter Qualität und Quantität“, sagt IfW-Präsident Gabriel Felbermayr. „Hochfrequente Daten bieten für uns die große Chance, wirtschaftliche Ausschläge mit sehr geringem Zeitversatz ablesen oder prognostizieren zu können. Wirtschaft und Politik können so beispielsweise sehr viel früher auf sich abzeichnende Verwerfungen reagieren und gegensteuern.“

Der Kiel Trade Indicator stützt sich den IfW-Angaben zufolge auf Echtzeit-Daten des maritimen Containerverkehrs weltweit und zeigt auf deren Basis nominale, saisonbereinigte Handelsveränderungen gegenüber dem Vormonat an. Anlegende und ablegende Schiffe werden dabei für 500 Häfen weltweit erfasst. Zusätzlich werden Schiffsbewegungen in 100 Seeregionen analysiert und die effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs gemessen. Mittels Länder-Hafen-Korrelationen können Prognosen für die Im- und Exporte erstellt werden – auch für Länder ohne eigenen Tiefseehafen.

Die Auswertung der Daten erfolge unterstützt von Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen. Mit zunehmenden Daten generiere der Algorithmus des Kiel Trade Indicators einen Erfahrungsschatz und könne Schätzfehler der Vergangenheit eigenständig verbessern. Die Prognosegüte des Kiel Trade Indicators erhöhe sich so im Lauf der Zeit immer weiter. Das maschinelle Lernen ermögliche es außerdem, nicht nur Schätzungen zum Ist-Stand des Handels abzugeben, sondern auch künftige Handelsbewegungen zu prognostizieren.

Lieferausfälle der Corona-Krise frühzeitig erkannt

Schon heute weise der Kiel Trade Indicator im Vergleich mit anderen Frühindikatoren einen geringen statistischen Fehler auf. Er sei zudem früher verfügbar, deutlich umfassender und stütze sich mit Hilfe von Big Data auf eine bislang einzigartig große Datenbasis.

Deshalb hätte der Indikator zum Beispiel im Frühjahr 2020 frühzeitig den durch die Corona-Krise ausgelösten Ausfall von Lieferungen aus Asien nach Deutschland angezeigt. Gleiches gelte für das überraschend schnelle Wiederanspringen der Handelsaktivität. Die hohe und teure Planungsunsicherheit für Unternehmen wäre dadurch geringer gewesen, und die Regierung hätte ihre Hilfsprogramme zielgenauer ausrichten können. Vor allem in solchen disruptiven Entwicklungen könne der Frühindikator damit helfen, volkwirtschaftliche Schäden einzudämmen.

Dämpfer für Chinas Ausfuhren im April

Mit dem jüngsten Daten-Update am 3. Mai signalisiere der Kiel Trade Indicator für April 2021 einen Anstieg der Ausfuhren im Vergleich zum Vormonat für Deutschland und die EU. China müsse sich auf einen klaren Rückgang vorbereiten.

Für Deutschland zeige der Indikator im April 2021 eine leichte Zunahme der Exporte im Vergleich zum Vormonat um 2,6 Prozent an; für die Importe liege der Wert bei einer schwarzen Null. In der Europäischen Union falle der Export-Anstieg mit 3,3 Prozent vermutlich etwas deutlicher aus, die Importe legen mit 3,2 Prozent wohl in gleicher Größenordnung zu.

„Für Deutschland und die EU bleibt der Außenhandel zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine zentrale Stütze der Wirtschaft“, sagt Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator. „Die Havarie im Suezkanal hatte zumindest im April offenbar keine nachhaltigen Auswirkungen auf die Handelsströme Europas und Deutschlands.“

In den USA dürften nach IfW-Meinung vor allem die Importe deutlich steigen, um 6,1 Prozent. Für die Exporte weise der Kiel Trade Indicator einen Wert nahe null aus. Für Chinas Ausfuhren sei mit einem klaren Dämpfer von minus 8,8 Prozent zu rechnen; für die Importe mit einer moderaten Zunahme um 3,1 Prozent. “

„Damit zeigen die Containerschiffbewegungen erstmals seit einem Jahr eine Abkehr von Chinas robustem Exportwachstum an. Dies könnte auf Verspätungen von Schiffen, ausgelöst durch die Krise im Suezkanal, zurückzuführen sein. Gleichzeitig ist es denkbar, dass Konsumenten in Europa und den USA aufgrund von steigenden Corona-Impfraten beginnen, weniger Konsumgüter aus China und wieder mehr heimische Dienstleistungen wie Restaurantbesuche nachzufragen”, sagt Stamer. Für den gesamten Welthandel sei eine leichte Zunahme um 0,8 Prozent zu erwarten.

Für weitere Informationen:
www.ifw-kiel.de/tradeindicator

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