27.05.2021 //

„Kamen bisher gut durch die Pandemie“

Debatin-Beschaffungsprofi Trepper: „Es gab bei uns 2020 keine Kurzarbeit. Wir konnten produzieren und hatten keinen einzigen Lieferantenausfall.“

Im Bild zu sehen: Taschenproduktion am Debatin-Standort Bruchsal. Foto: Anton Debatin GmbH Im Bild zu sehen: Taschenproduktion am Debatin-Standort Bruchsal. Foto: Anton Debatin GmbH

Hans-Walter Trepper (s. Bild), Leiter Materialwirtschaft der Anton Debatin GmbH, Bruchsal, gab dem BME folgendes Interview*:

Fotoquelle: Anton Debatin GmbH

Fotoquelle: Anton Debatin GmbH

BME: Wie ist Ihre Einkaufsabteilung strukturiert?
Trepper:
Meine Einkaufsabteilung besteht aus sechs Mitarbeitern; sie ist Teil der Materialwirtschaft und in drei Bereiche gegliedert: den technischen Einkauf, den Handelswareneinkauf und den Rohstoffeinkauf. Die Anton Debatin GmbH gehört zur 2018 gegründeten Deriba Group. Unter ihrem Dach befinden sich insgesamt sieben Industriebetriebe. Mehr als 400 Mitarbeiter erwirtschaften einen jährlichen Gesamtumsatz von über 100 Millionen Euro. Damit zählt die Deriba Group europaweit zu den führenden 15 Unternehmungen im Bereich flexibler Verpackungen.

Zur Deriba Group gehören auch zwei französische Gesellschaften?
Richtig. 1987 wurde eine französische Debatin-Niederlassung im elsässischen Hoenheim gegründet, in der auch produziert wird. 2019 erfolgte die Übernahme der L.E.S.S. France in Chelles bei Paris. Beide Standorte entwickeln und vertreiben gemeinsam mit uns Produkte für den französischen Markt. Das breitgefächerte Sortiment umfasst Verbrauchsmaterialien, Verpackungen und Zubehör für den Transport biologischer Proben. 

Kaufen die Firmen der Deriba Group selbst vor Ort ein?
Die zentralen Vorgaben für die Beschaffung kommen aus Bruchsal. Darüber hinaus sind wir bei den Verhandlungen mit den Lieferanten vor Ort dabei. Eine Ausnahme bildet L.E.S.S. France. Unsere Tochtergesellschaft vertreibt spezielle medizinische Verpackungen. Sie ist Marktführer für Verpackungen und Transporte biologischer Proben in Frankreich.

Welche Produktionsmaterialien kaufen Sie ein?
Die wichtigsten drei Warengruppen sind Folien, Papier und Klebstoffe. Hinzu kommen Farben und Kartonagen. Wir kaufen unser Material in großen Mengen ein und beziehen es direkt von europäischen Lieferanten. Deren Gesamtzahl bewegt sich im dreistelligen Bereich. Der größte Teil von ihnen kommt aus Deutschland.

Scannen Sie die Märkte für Folien, Papier, Klebstoffe und Farben regelmäßig?
Ja. Im Gegensatz zu Industriemetallen ist unser Monitoring relativ einfach. Es gibt für Papier und Folie klare Indizes, an denen wir uns orientieren können. So ist beispielsweise bei Folien die Anzahl der Granulat-Hersteller sehr überschaubar. Bei Papier verhält es sich ähnlich. Bei den Klebstoffen ist es anders, denn diese bestehen aus fünf bis sechs verschiedenen Komponenten. Wird eine dieser Komponenten am Markt knapp, kann es schnell zu Lieferengpässen kommen. So befindet sich beispielsweise der größte Produzent von Harzen im asiatischen Insel- und Stadtstaat Singapur. Da Container im Moment schwer zu bekommen sind und die Preise daher regelrecht explodieren, ist das auch für unser Risikomanagement ein echter Stresstest.

Wie groß ist Ihr jährliches Beschaffungsvolumen?
Es beträgt rund 30 Millionen Euro und deckt die Bereiche technischer Einkauf, Handelswareneinkauf und Rohstoffeinkauf ab. Der Jahresumsatz der Anton Debatin GmbH liegt im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Debatin ist demnach nicht von der Corona-Krise betroffen?
Dank der anhaltend starken Nachfrage nach unseren Dokumenten- und Sicherheitstaschen sowie medizinischen Verpackungen sind wir bisher relativ unbeschadet durch die Covid-19-Pandemie gekommen. Es gab bei uns 2020 keine Kurzarbeit. Wir konnten die ganze Zeit über produzieren und hatten im Gegensatz zu vielen anderen Firmen keinen einzigen Lieferantenausfall.

Welche Rolle spielt Ihr Einkauf in der Debatin-Nachhaltigkeitsstrategie?
Die Debatin-Nachhaltigkeitsstrategie erfasst alle Unternehmensbereiche und damit auch die Einkaufsabteilung. Sie enthält eine Reihe von Maßnahmen, die von uns zum Teil schon erfolgreich umgesetzt wurden. So führten wir beispielsweise Gespräche mit 26 Lieferanten aus den Bereichen Rohstoffe, Handelsware, Technik, Lager- und Logistikdienstleistung sowie Energieversorgung und banden diese aktiv ein. Die bisherige Resonanz unserer Lieferanten auf die Debatin-Beschaffungsstrategie ist durchweg positiv. In den Gesprächen konnten Schnittstellen aufgedeckt und ein einheitliches Verständnis für Nachhaltigkeit geschaffen werden. Zudem wurde der Supplier Code of Conduct von allen unserer Gesprächspartner unterzeichnet. Optimierungspotenziale im Bereich der Materialverpackungen konnten aufgedeckt und Zielvereinbarungen zu ressourcenschonenden Lösungen verabschiedet werden. So fahren unsere Lieferanten ausschließlich nur noch mit Lkw, die mindestens die Abgasnorm Euro VI erfüllen. Für uns ist klar: Zu nachhaltigem Einkauf gibt es keine Alternative.

*Das Interview führte Frank Rösch, BME-Konjunktur- und Rohstoffmonitoring

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