03.02.2026Veranstaltungen

19. BME-/VDV-Forum Schienengüterverkehr: Nachhaltigkeit im Werkverkehr im Fokus

Beim 19. BME-/VDV-Forum Schienengüterverkehr in Berlin standen vom 03. bis 04. Februar 2026 nachhaltige Transportlogistik und der Einsatz der Schiene im Werkverkehr im Blickpunkt. Rund 200 Experten aus Wirtschaft, Logistik und Verkehr diskutierten zwei Tage lang über zukunftsfähige Konzepte für klimafreundliche und resiliente Lieferketten.
„Nachhaltigkeit im Werkverkehr gelingt nur gemeinsam“: BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Lars Kleeberg bei seiner Eröffnungsrede anlässlich des 19. BME-/VDV-Forums Schienengüterverkehr in Berlin. © Tanja Marotzke/BME e.V.

Dialogplattform für Wirtschaft und Verkehr

Das 19. BME-/VDV-Forum Schienengüterverkehr brachte vom 03. und 04. Februar 2026 rund 200 Fach- und Führungskräfte aus Industrie, Handel, Logistik, Güterbahnen und Politik in Berlin zusammen. Die renommierte Veranstaltung wurde gemeinsam vom BME und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) durchgeführt und gilt als zentrale Plattform für den Austausch zu aktuellen Herausforderungen und Perspektiven des Schienengüterverkehrs.

Im Mittelpunkt der Diskussionen standen praxisnahe Lösungsansätze, wie Unternehmen ihre Transportlogistik effizienter, nachhaltiger und zukunftssicher gestalten können.

Schiene als Gamechanger im Werkverkehr

Ein besonderer Schwerpunkt des diesjährigen Forums lag auf dem Thema „Nachhaltigkeit im Werkverkehr“. Auch bei der Beförderung von Gütern für eigene Zwecke bietet die Integration der Schiene erhebliche Potenziale. Vor allem bei planbaren Mengen und Distanzen ermöglicht sie kosteneffiziente und klimafreundliche Transportlösungen und trägt zur Stabilisierung und Resilienz von Lieferketten bei. Gleichzeitig stärkt sie die strategische Handlungsfähigkeit von Unternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität.

BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Lars Kleeberg unterstrich in diesem Zusammenhang in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung gemeinsamer Anstrengungen. „Die Potenziale können nur ausgeschöpft werden, wenn alle relevanten Akteure aus Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen“, so Dr. Lars Kleeberg.

Rahmenbedingungen gezielt verbessern

Auch aus Sicht des VDV kommt der Ausgestaltung politischer und infrastruktureller Maßnahmen eine zentrale Rolle zu. Konkrete Forderungen stellte in diesem Zusammenhang Georg Lennarz, Fachbereichsleiter Marktfragen Güterverkehr beim VDV: Das angekündigte neue Trassenpreissystem müsse dem Schienengüterverkehr tatsächlich weiterhelfen, indem die Trassenpreise gesenkt werden, sagte er.

Darüber hinaus nannten die Branchenvertreter weitere wesentliche Stellschrauben zur Stärkung des Schienengüterverkehrs: den konsequenten Ausbau des Schienennetzes, die Umsetzung der Maßnahmen aus der Taskforce „Zuverlässige Schiene“ sowie die schnelle Realisierung von Infrastrukturzukunftsgesetz, Infraplan und Eisenbahninfrastrukturfonds.

Zwischen Anspruch und logistischer Realität

Im Rahmen einer Diskussionsrunde zum Abschluss des Eröffnungsplenums stand die Frage im Mittelpunkt, wie realistisch die politischen Zielsetzungen in der Praxis sind. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, den Anteil der Schiene am Modal Split bis 2030 auf 25 Prozent zu erhöhen. Dafür sind zusätzliche Trassen, leistungsfähige Umschlagterminals und vor allem eine deutlich höhere Zuverlässigkeit erforderlich.

Laut Markus Olligschläger, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands für Eigenlogistik und Verlader e.V. (BWLV) wollen die Verlader, die Schiene stärker nutzen, scheitern mit diesem Vorhaben allerdings häufig in der Praxis. Grundsätzlich funktioniere die Schiene dort gut, wo Verkehre gebündelt werden können und Planbarkeit möglich ist – nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund des Fahrer- und Fachkräftemangels.

Wenn die Schiene dennoch nicht genutzt wird, liege das fast immer an der mangelnden Praktikabilität: Ausschlaggebend seien betriebswirtschaftliche Erwägungen, nicht ideologische Fragen nach „Schiene oder Straße“. Hinzu komme, dass Bedienpunkte teilweise wegfallen, sodass Verlader auf die Straße angewiesen sind. Sein Fazit: Nicht die Schiene an sich ist das Problem. Sie sei jedoch im heutigen Zuschnitt oft nicht die Lösung, die der logistische Alltag verlangt.

Verlässlichkeit als Schlüssel für mehr Schienennutzung

Laut Dörte Maltzahn, Head of Freight and Transportation Management, Knauf Gips KG, ist die Schiene ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Damit die Nutzung dieses Verkehrsträgers aber auch wirtschaftlich tragfähig ist, müsse die Schiene besser in Bezug auf ihre Verlässlichkeit werden. So sei die Zugausfallquote viel zu hoch und die Pünktlichkeit der Lieferungen nicht garantiert.

Klare Forderungen an Politik und Bahn

Die Teilnehmenden der Diskussionsrunde betonten zugleich, dass es zahlreiche positive Praxisbeispiele gibt, die stärker sichtbar gemacht werden sollten. Daraus leiteten sie konkrete Forderungen ab: eine stärkere Förderung des kombinierten Verkehrs, neutrale Plattformen zur Bündelung von Verkehren, klar definierte Service-Level für Schienentransporte, ein wettbewerbsfähiges Trassenpreissystem, die konsequente Umsetzung der Gleisanschlusscharta sowie eine durchgängige Digitalisierung entlang der gesamten Lieferkette.

Auch am zweiten Veranstaltungstag richtete sich der Blick klar nach vorn: Die Rolle digitaler und automatisierter Lösungen für einen zukunftsfähigen Schienengüterverkehr stand im Mittelpunkt der Diskussionen.

Digitalisierung und Automatisierung als Wettbewerbsfaktoren

Unter der Leitung von Moderator Prof. Dr. Michael Huth, Hochschule Fulda, tauschten sich Branchenvertreter und Teilnehmende intensiv über Potenziale, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren moderner Technologien aus. Ein zentrales Fazit: Digitalisierung und Automatisierung sind entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene im Güterverkehr nachhaltig zu stärken und transparente, effiziente Prozesse zu ermöglichen.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass Digitalisierungs- und KI-Projekte einer klaren Zieldefinition bedürfen. Eine strukturierte Planung, die relevanten Schnittstellen sowie die frühzeitige Bereitstellung qualitativ hochwertiger Daten gelten als wesentliche Voraussetzungen für den Projekterfolg. Ebenso wichtig ist eine intelligente Auswertung dieser Daten.

Darüber hinaus betonten die Experten die Bedeutung des Mindsets: Die Akzeptanz von KI und digitalen Lösungen müsse von den Führungsebenen aktiv vorgelebt werden – ein Befund, der auch durch die aktuelle Logistikstudie des BME gestützt wird. Mut zum Lernen aus Fehlern sei dabei unerlässlich. Um Zeit- und Kostenrisiken zu begrenzen, empfahlen die Diskutanten, zunächst mit kleineren Teilprojekten zu starten und diese schrittweise weiterzuentwickeln.

Ihre Kontaktperson

Anita Engelmann
Senior Projektmanagerin KonzeptionInhaltliche Fragen