19.01.2026BME-News

Beschaffung und Supply Chain im Umbruch: Wie Unternehmen Resilienz, Technologie und Führung neu denken müssen

Geopolitische Spannungen, volatile Märkte, steigende Energiekosten und zunehmende regulatorische Anforderungen prägen die Rahmenbedingungen dauerhaft. Gleichzeitig wächst der Druck auf Unternehmen, ihre Lieferfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit zugleich sicherzustellen. Klassische, rein kostenorientierte Steuerungsmodelle stoßen dabei zunehmend an ihre Grenzen.
Der Weg in die Zukunft von Beschaffung und Supply Chain: Unternehmen stehen vor der Aufgabe, Resilienz, Technologie und Führung neu auszurichten, um Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung nachhaltig zu sichern.© Frederick Doerschem/iStock

Von linearen Lieferketten zu resilienten Netzwerken

In einer von Unsicherheit geprägten Welt gewinnt Resilienz an Bedeutung. Lieferketten müssen so gestaltet werden, dass sie Störungen nicht nur überstehen, sondern frühzeitig erkennen und abfedern können. Das erfordert ein Umdenken: weg von linearen, stark fragmentierten Strukturen hin zu vernetzten, transparenten Ökosystemen. Besonders das Management von Multi-Tier-Lieferketten wird zum zentralen Erfolgsfaktor. Unternehmen müssen Abhängigkeiten über mehrere Ebenen hinweg verstehen, Risiken bewerten und geeignete Maßnahmen ableiten - organisatorisch, prozessual und technologisch.

Ein entscheidender Hebel ist dabei die engere Zusammenarbeit mit Lieferanten. Automatisierung und digitale Integration über Unternehmensgrenzen hinweg können Transparenz und Reaktionsfähigkeit deutlich erhöhen. Gleichzeitig zeigen sich hier große Herausforderungen: unterschiedliche digitale Reifegrade, fehlende Standards und begrenzte Skalierbarkeit von Automatisierungslösungen. Erfolgreich sind Unternehmen, die klare Zielarchitekturen definieren, pragmatisch vorgehen und Automatisierung schrittweise ausbauen.

Künstliche Intelligenz als Enabler und nicht als Ersatz

Künstliche Intelligenz entwickelt sich zu einem wichtigen Instrument in der Beschaffung. Sie kann Analysen beschleunigen, Muster erkennen, Prognosen verbessern und Entscheidungsprozesse unterstützen. Ihr Mehrwert entsteht jedoch nicht durch isolierte Pilotprojekte, sondern durch eine nachhaltige Integration in Prozesse und Governance-Strukturen. Viele Initiativen scheitern, weil sie technologisch getrieben sind, ohne klare Zielsetzung oder Verankerung im Tagesgeschäft.

Beschaffung übernimmt dabei eine Schlüsselrolle. Sie trägt Verantwortung für den verantwortungsvollen Einsatz von KI, für Transparenz bei Daten und Modellen sowie für die Auswahl geeigneter Lösungen. Entscheidend ist der Übergang von Machbarkeitsstudien zu messbarem Nutzen. KI ersetzt keine Expertise, sondern verstärkt sie. Der Erfolg hängt davon ab, ob Fachkräfte in der Lage sind, Ergebnisse kritisch zu bewerten, Annahmen zu hinterfragen und Technologie konsequent an den Unternehmenszielen auszurichten.

Kosten, Nachhaltigkeit und geopolitische Realität in Einklang bringen

Steigende Energie- und CO₂-Kosten bringen europäische Unternehmen in einen strategischen Zielkonflikt. Einerseits wachsen die Anforderungen an Emissionsreduktion und Nachhaltigkeit, andererseits verschärft sich der internationale Wettbewerbsdruck. Beschaffung bewegt sich hier in einem Spannungsfeld zwischen regulatorischen Vorgaben, Kundenanforderungen und globalen Beschaffungsmärkten.

Erfolgreiche Organisationen betrachten Nachhaltigkeit nicht isoliert, sondern als integralen Bestandteil der Wertschöpfung. Dazu gehören neue Ansätze in der Lieferantenauswahl, zirkuläre Modelle, transparente Berichterstattung und eine stärkere Verzahnung von Kosten-, Risiko- und Nachhaltigkeitssteuerung. Gleichzeitig gewinnen Fragen der wirtschaftlichen Souveränität an Bedeutung: Zugang zu kritischen Ressourcen, Stabilität von Liefernetzwerken und Kontrolle über Daten werden zu strategischen Themen.

Risikomanagement und Organisation: vom Reagieren zum Vorausplanen

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass klassisches Risikomanagement oft zu spät greift. In komplexen, hochvarianten Strukturen müssen Unternehmen in der Lage sein, Engpässe früh zu antizipieren und flexibel zu reagieren. Dazu gehören Szenarioanalysen, interne Allokationsmechanismen und klare Entscheidungsprozesse für den Krisenfall.

Auch die organisatorische Aufstellung spielt eine zentrale Rolle. Die Frage nach zentralen versus dezentralen Einkaufsstrukturen lässt sich nicht pauschal beantworten. Vielmehr kommt es darauf an, Verantwortlichkeiten klar zu definieren, Transparenz zu schaffen und Entscheidungsfähigkeit sicherzustellen. Resiliente Organisationen kombinieren strategische Steuerung mit operativer Nähe zum Geschäft.

Menschen und Führung als entscheidender Erfolgsfaktor

So wichtig Technologie und Prozesse auch sind - Transformation gelingt nur mit den Menschen. Der Aufbau zukunftsfähiger Beschaffungsorganisationen erfordert gezielte Investitionen in Kompetenzen, Lernfähigkeit und Kultur. Führungskräfte müssen Orientierung geben, Vertrauen schaffen und Veränderung aktiv vorleben. Partnerschaftliches Arbeiten, intern wie extern, ersetzt reine Verhandlungslogik.

Moderne Beschaffung leistet mehr als Kostenoptimierung. Sie trägt zur Innovationsfähigkeit, zur Risikominimierung und zur Kundenzufriedenheit bei. Dafür braucht es Teams, die Verantwortung übernehmen, über Silos hinweg zusammenarbeiten und Wertbeiträge sichtbar machen. Eine klare Ausrichtung auf Purpose, Entwicklung und Vielfalt stärkt dabei nicht nur die Organisation, sondern auch ihre langfristige Leistungsfähigkeit.

Resümee

Die Zukunft von Beschaffung und Supply Chain liegt in resilienten, datengetriebenen und kollaborativen Strukturen. Unternehmen, die Kosten, Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit gemeinsam denken, Technologie verantwortungsvoll einsetzen und ihre Organisation konsequent weiterentwickeln, sichern sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Transformation ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess getragen von klarer Strategie, wirksamer Führung und kompetenten Menschen.

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