12.05.2026Politik & Wirtschaft

BME-Frühjahrsbarometer zeigt deutsche Wirtschaft unter strukturellem Dauerstress

Bürokratie und Regulatorik sind auch ein Jahr nach dem Regierungswechsel eine große Belastung für Einkauf und SCM +++ Kostendruck nimmt zu +++ Energie wird zum strategischen Wettbewerbsrisiko
Das BME-Frühjahrsbarometer 2026 zeigt eine deutlich eingetrübte Stimmung in Einkauf und Supply Chain Management: Hohe Energie-, Rohstoff- und Logistikkosten sowie wachsende Bürokratie belasten die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zunehmend.© undefined/iStock

Die Unternehmen in Deutschland sehen sich in den Bereichen Einkauf und Supply Chain Management (SCM) keiner Einzelkrise, sondern einer dauerhaften Mehrfachbelastung ausgesetzt. Hohe Kosten, Regulierung und geopolitische Risiken verdichten sich zu einem zentralen Standortproblem. Das sind die zentralen Ergebnisse des Frühjahrsbarometer 2026 des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), einer Umfrage unter Einkäufern und Supply Chain Managern deutscher Unternehmen. Die Antworten wurden mit den Ergebnissen des ersten Barometers aus dem Frühjahr 2025 verglichen, das gleich nach dem Start der aktuellen Bundesregierung erstellt wurde.

Politisches Umfeld belastet Unternehmen

Entscheidend belastend sind nach Aussage der Umfrageteilnehmenden Bürokratie (89%), regulatorische Komplexität (88%) und unzureichende wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Aus Sicht der Beschaffung liegt der Kern des Problems dabei nicht primär in mangelnder technologischer Leistungsfähigkeit der Unternehmen, sondern in der zunehmenden Belastung durch politische und administrative Rahmenbedingungen. Alarmierend ist zudem, dass die Bewertung zentraler Politikfelder (Bürokratieabbau, Energie, Wettbewerbsfähigkeit) deutlich negativ ausfällt und einen Vertrauensverlust gegenüber den politischen Akteuren signalisiert. Die Unternehmen sehen eine wachsende Lücke zwischen politischen Ankündigungen und operativer Realität.

„Der Start der aktuellen Bundesregierung 2025 war mit der Erwartung verbunden, dass Bürokratieabbau, Beschleunigung und wirtschaftliche Entlastung spürbar vorankommen würden. Das BME-Frühjahrsbarometer 2026 zeigt jedoch: in der betrieblichen Realität von Einkauf und SCM ist eine solche Entlastung bislang nicht angekommen. Bürokratie bindet Ressourcen, verlängert Prozesse und schwächt die Geschwindigkeit, mit der Unternehmen auf volatile Märkte reagieren müssen”, kommentiert BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Lars Kleeberg die Umfrage-Ergebnisse.

Kostendruck erreicht neue Dimension

Einkauf und SCM arbeiten nach wie vor unter hohem Kostendruck. So haben sich Energie-, Rohstoff- und Logistikkosten der Umfrage zufolge gegenüber 2025 deutlich verschlechtert. Zwischen 76 und 81 Prozent der Befragten bewerten diese Kostenkomponenten negativ. Besonders deutlich zeigt sich die strukturelle Belastung im Energiebereich. 56% der Befragten geben an, dass die aktuellen Energiepreise für ihr Unternehmen einen Wettbewerbsnachteil darstellen, 52%, dass sich die Situation bezüglich Energie in den vergangenen sechs Monaten verschlechtert habe. Zudem zeigen die Erwartungen keine Entspannung, sondern eine weitere Verschärfung.

Laut der Umfrage ist Energie für viele Unternehmen zu einer strategischen Standortfrage geworden. Von der Teilnehmenden, die Energiepreise als Wettbewerbs-nachteil bewerten, berichten 58% vom Aussetzen von Investitionsentscheidungen, 52% nennen Arbeitsplatzabbau oder Einstellungsstopp als Folge. Weitere Auswirkungen sind verstärkte Investitionen im Ausland und weniger Neueinstellungen.

„Volkswirtschaftlich ist das ein ernstes Signal. Wo Unternehmen dauerhaft mit hohen Inputkosten kalkulieren müssen, sinkt nicht nur die Marge, sondern auch die Bereitschaft zu investieren, zu expandieren und damit weitere Risiken einzugehen. Gerade für den industriellen Mittelstand in Deutschland wird es immer problematischer”, so Kleeberg.

Weitere Ergebnisse des Frühjahrsbarometers:

  • Lieferketten bleiben instabil; Erwartungen, dass sich Lieferzeiten weiter verlängern (79%), Erwartung von Lieferunterbrechungen (74%)
  • Mehr als 90% sehen Risiken bei Rohstoffen, geopolitischen Konflikten und Handelskonflikten negativ
  • 65% sehen Deutschlands geopolitischen Einfluss schwinden
  • Unternehmen reagieren aktiv mit dem Aufbau alternativer Lieferketten (68%), Anpassung der Einkaufsstrategie (54%), Investition in Qualifizierung (51%), Digitalisierung der Lieferkette (47%), Verlagerung der Beschaffungsmärkte (45 %).

Fazit Kleeberg: „Die Unternehmen erwarten von den politischen Akteuren Entlastung, Geschwindigkeit beim Bürokratieabbau und Verlässlichkeit. Zudem muss die Perspektive der Beschaffung in der wirtschaftspolitischen Debatte weiter verankert werden. Denn an der Schnittstelle von Einkauf, Supply Chain Management und Logistik zeigt sich besonders früh, ob ein Standort wettbewerbsfähig bleibt oder schleichend an Robustheit verliert.”

Über das BME-Frühjahrsbarometer: Das BME-Frühjahrsbarometers 2026 ist eine Befragung, die im Zeitraum 23. März bis 12. April 2026 durchgeführt wurde. Es handelt sich um eine ungewichtete Verbandsstichprobe, die gezielt die Perspektive von Einkauf, Beschaffung und Supply Chain Management erfasst. Die geschlossenen Fragen wurden, soweit nicht anders ausgewiesen, auf einer Skala von -3 bis +3 bewertet. Negative Werte stehen für eine negative Einschätzung oder Entwicklung, positive Werte für eine positive Einschätzung oder Entwicklung.

BME-Frühjahrsbarometer 2026

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Alexander Grimm
Politischer Referent BME e.V.
Bianka Blankenberg
Pressesprecherin