BME-Top-Kennzahlen 2026: Transparenz wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor im Einkauf
Der Einkauf entwickelt sich zunehmend zum strategischen Gestalter von Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und digitaler Transformation. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des BME-Benchmark „Top-Kennzahlen im Einkauf 2026“. Die Studie macht deutlich: Transparenz über Lieferanten, Ausgaben, Bedarfe und Risiken wird zur zentralen Voraussetzung für erfolgreiche Einkaufsorganisationen. Gleichzeitig stehen Unternehmen vor der Aufgabe, Resilienz und Risikomanagement weiter auszubauen, die Potenziale Künstlicher Intelligenz (KI) in die Praxis zu überführen und den Einkauf noch stärker als strategischen Partner der Unternehmensführung zu etablieren.
Transparenz bleibt zentrale Herausforderung
Ein zentrales Ergebnis der Studie lautet: Transparenz ist die Schlüsselkompetenz des modernen Einkaufs. Sie ermöglicht bessere Verhandlungen, stärkt Risiko- und Resilienzmanagement und bildet die Grundlage für Digitalisierung, Automatisierung und den erfolgreichen KI-Einsatz. Gleichzeitig erreichen 76 Prozent der Unternehmen beim Transparenzindex nicht mehr als die Hälfte der möglichen Punkte.
„Wer Risiken frühzeitig erkennen, Lieferketten resilient gestalten und die Potenziale neuer Technologien erschließen will, braucht Transparenz über Bedarfe, Ausgaben, Lieferanten und Märkte. Sie ist die Grundlage für fundierte Entscheidungen im Einkauf und damit nachhaltig“, sagt BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Lars Kleeberg.
Die Ergebnisse zeigen, dass viele Unternehmen ihre Transparenz über Lieferantenstrukturen, Beschaffungsmärkte und potenzielle Risiken noch weiter ausbauen müssen. Gerade in einem zunehmend volatilen wirtschaftlichen und geopolitischen Umfeld entwickelt sich Transparenz damit zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Resilienz braucht mehr als Absicherung
Die Bedeutung von Risiko-, Resilienz- und Versorgungsmanagement hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Für 89 Prozent der Unternehmen besitzt die Unternehmenssicherung heute höchste Priorität und ist damit das wichtigste strategische Handlungsfeld im Einkauf.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass zwischen strategischer Bedeutung und tatsächlicher Umsetzung weiterhin eine Lücke besteht. So erreichen 63 Prozent der befragten Unternehmen beim Absicherungsindex nicht mehr als die Hälfte der möglichen Punkte. Viele Firmen haben bereits Maßnahmen zur Risikoabsicherung etabliert, verfügen jedoch noch nicht über die notwendige Transparenz, um Risiken entlang der Lieferkette frühzeitig zu erkennen und gezielt zu steuern.
Künstliche Intelligenz noch nicht breit etabliert
Auch beim KI-Einsatz offenbart die Studie eine deutliche Diskrepanz zwischen aktuellem Nutzen und künftigem Potenzial. Derzeit sehen lediglich 29 Prozent der Unternehmen einen hohen oder sehr hohen Nutzen von KI bei der Prozessbeschleunigung und Effizienzsteigerung. In anderen Anwendungsfeldern fällt die Bewertung teilweise noch geringer aus.
Dem gegenüber stehen hohe Erwartungen an die Zukunft. So sehen 93 Prozent der Unternehmen ein hohes oder sehr hohes Potenzial von KI bei der Angebotsanalyse und -bewertung. Die Ergebnisse legen nahe, dass die nächste große Produktivitätswelle im Einkauf erst bevorsteht. Voraussetzung dafür sind belastbare Daten, qualifizierte Mitarbeitende und die konsequente Integration entsprechender Anwendungen in die Wertschöpfungsprozesse.
Der Einkauf als strategischer Partner der Unternehmensführung
Die Studienergebnisse machen deutlich, dass der Einkauf heute viele Aufgaben übernimmt, die unmittelbar über die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen entscheiden. Von der Absicherung globaler Lieferketten über die Einführung digitaler Technologien bis hin zur Erschließung neuer Wertschöpfungspotenziale etabliert sich der Einkauf immer weiter zu einer strategischen Managementfunktion.
„Die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen entscheidet sich heute nicht mehr allein in Produktion oder Vertrieb. Sie entsteht am Anfang der Lieferkette und erstreckt sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Genau hier übernimmt der Einkauf eine Schlüsselrolle, indem er Versorgungssicherheit gewährleistet, Innovationen ermöglicht und die digitale Transformation unterstützt“, so Kleeberg.
Gleichzeitig zeigt der Benchmark, dass dieses strategische Potenzial bislang nicht überall in den Unternehmensstrukturen verankert ist. So sind lediglich vier Prozent der Einkaufsverantwortlichen Mitglied der Unternehmensleitung. Der Einkauf gewinnt zwar kontinuierlich an Bedeutung, sein Einfluss auf zentrale Unternehmensentscheidungen muss jedoch in vielen Organisationen noch weiter ausgebaut werden.
Die BME-Top-Kennzahlen 2026 zeigen: Der Einkauf wird zunehmend zum Garanten für Resilienz und gleichzeitig zum Treiber der digitalen Transformation. Entscheidend für den Erfolg sind mehr Transparenz, ein vorausschauendes Risikomanagement und der konsequente Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Wer diese drei Hebel erfolgreich miteinander verbindet, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens nachhaltig.