23.04.2026Politik & Wirtschaft

BME und SVI-Connect: Defence Production Area als wirtschaftspolitisches Signal

Die Hannover Messe setzt mit der Defence Production Area ein starkes Zeichen für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Im Fokus: Upscaling, innovative Technologien und die Bedeutung vernetzter Lieferketten.
Die Defence Production Area auf der Hannover Messe 2026 macht den wachsenden Stellenwert der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sichtbar und unterstreicht die zentrale Rolle von Beschaffung und Innovation für resiliente industrielle Wertschöpfungsketten. © Deutsche Messe

Das Thema Upscaling der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (SVI) rückt zunehmend in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Ein Indiz dafür ist, dass die Hannover Messe – die weltweit größte Industriemesse – mit der Defense Production Area erstmals einen eigenen Bereich für Rüstung und Verteidigung etabliert hat. Seit dem 20. April 2026 präsentieren dort rund 40 Unternehmen ihre Produkte, Dienstleistungen und Technologiekompetenzen für sicherheits- und verteidigungsrelevante Anwendungen.

Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) war gemeinsam mit dem Bundesverband der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) vor Ort vertreten, um die Plattform SVI‑Connect.com vorzustellen und um Beschaffung als strategischen Hebel für resiliente Wertschöpfung, industrielle Skalierung und handlungsfähige Sicherheitsstrukturen zu positionieren.

Mit der Präsenz von SVI‑Connect wurde deutlich, wie wichtig digitale Vernetzungsstrukturen und Netzwerke für den Zugang zur Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sind – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Die Defense Production Area machte sichtbar, dass sich klassische Industrieproduktion, zivile Technologien und Defence‑Anforderungen zunehmend überschneiden und neue Formen der Zusammenarbeit erfordern. Innovation, Automation und KI standen dabei stark im Fokus.

Defence Procurement Excellence: Austausch über neue Beschaffungsrealitäten

In diesem Zusammenhang setzte die BME‑Veranstaltung „Defence Procurement Excellence“ einen starken inhaltlichen Akzent. Im Fokus standen Impulse aus verschiedenen Industrien der Defence-Versorgung mit Blick auf Teilhabe an resilienten Wertschöpfungsketten in Zeiten wachsender geopolitischer Unsicherheit.

Impulse und Beiträge von Heinz Oestervoß, Beauftragter der Geschäftsführung, KNDS; Rainer Faste, Geschäftsführer, trinso; Thomas Holzapfel, Procurement, BWI GmbH; sowie Olaf Holzgrefe, Verantwortlicher SVI-Connect beim BME e.V., machten deutlich, dass zwar Tempo und Skalierung in der Defence-Beschaffung zu entscheidenden Erfolgsfaktoren werden; viel wichtiger sind aber weiterhin Verlässlichkeit, Liefertreue und gute partnerschaftliche Beziehungen, um Innovationen und Lieferkettenlösungen voranzutreiben.

Keynote von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius

Eine politische Einordnung erhielt die Veranstaltung durch die Keynote von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius zur Eröffnung der Hannover Messe. Er betonte, dass Verteidigungsfähigkeit nicht erst beim Produkt beginnt, sondern im Betrieb, in Strukturen und in der Industrie selbst: „Resilienz ist keine Zusatzaufgabe, kein nice-to-have. Sie ist Teil moderner Unternehmensführung und entscheidend für die Widerstandsfähigkeit unseres Landes“, so der Minister.

Pistorius verwies zudem auf strukturelle Verwundbarkeiten globaler Lieferketten und machte deutlich: „Einseitige Abhängigkeiten sind unsere Achillesferse.“ Belastbare Lieferketten und der Zugang zu kritischen Rohstoffen seien „die Adern von Produktivität – und damit auch von Verteidigungsfähigkeit“.

Da auch der Zugang und die Nutzung von Innovation eine solche Achillesferse sind, werden in Zukunft iterative Beschaffungsmodelle eine Antwort auf kurze Innovationszyklen geben können, etwa bei Drohnen oder digitalen Systemen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass diese Entwicklung durch eine Entbürokratisierung des Vergaberechts unterstützt wird.

Ausblick: Beschaffung ganzheitlich denken

Die Diskussionen der Defence Procurement Excellence und die Impulse der Hannover Messe führen zu einer klaren Schlussfolgerung: Beschaffung in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie bedeutet nicht allein die Versorgung mit direkten Produktionsmaterialien für Systemhäuser oder Tier‑1‑Lieferanten. Entscheidend ist vielmehr, die gesamte Vielfalt der Lieferketten zu verstehen – bis hin zu Querschnittsbereichen wie Logistik, Energie, Digitalisierung und der internen IT der Bundeswehr.

Für Unternehmen eröffnet sich damit die strategische Frage, wo entlang dieser Wertschöpfungsketten sie den größten Mehrwert schaffen können – technologisch, organisatorisch und partnerschaftlich. Genau diese Perspektive erörtert der BME aktuell gemeinsam mit dem BDSV in zahlreichen Gesprächen mit Unternehmen sowie mit Ministerien und Verbänden.

Die Defence Procurement Excellence hat deutlich gemacht: Resiliente Beschaffung ist nicht nur ein operatives Thema, sondern ein zentraler Baustein für industrielle Souveränität, Innovationsfähigkeit und die langfristige Handlungsfähigkeit Deutschlands. Spill‑over‑Effekte durch Vernetzung und gemeinsame Plattformen wie SVI‑Connect oder B2G‑Formate unterstützen dies.

Beschaffung in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie: BME Netzwerktreffen Defence (29.-30.06.2026, Eschborn)

Join the Network: Der BME vernetzt Branche, Lieferanten und Politik im Rahmen einer Präsenz-Fachveranstaltung vom 29. bis 30. Juni 2026 in Eschborn. Ziel ist es, die Defence Readiness Deutschlands durch verbesserte Transparenz und Vernetzung in der Lieferkette weiter zu beschleunigen und die Innovationsführerschaft und Versorgungssicherheit für Streitkräfte und Gesellschaft zu gewährleisten.

Ihre Kontaktpersonen

Mirjam Zeller
Geschäftsführerin BME Marketing GmbH
Olaf Holzgrefe
Leiter International Business & Affairs