08.04.2026Politik & Wirtschaft

CBAM gewinnt an Schärfe: Erster Zertifikatspreis veröffentlicht

Mit der erstmaligen Veröffentlichung eines CBAM-Zertifikatspreises konkretisiert sich der europäische CO₂-Grenzausgleich deutlich. Für Unternehmen wird damit sichtbar, welche finanziellen Auswirkungen künftig auf Importe zukommen könnten.
Der erstmals veröffentlichte CBAM-Zertifikatspreis macht die CO₂-Kosten von Importen konkret sichtbar und unterstreicht die wachsende finanzielle Bedeutung des europäischen Grenzausgleichsmechanismus für Unternehmen und ihre Beschaffungsstrategien. © Tomas Ragina/iStock

Erster CBAM-Preis setzt neue Orientierung

Die Europäische Kommission hat am 7. April 2026 erstmals den Preis für Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM)-Zertifikate veröffentlicht. Für das erste Quartal 2026 liegt dieser bei 75,36 Euro je Tonne CO₂. Grundlage ist der gewichtete Durchschnitt der Zuschlagspreise aus den Auktionen des europäischen Emissionshandels. Im laufenden Jahr 2026 werden die Preise quartalsweise veröffentlicht; ab 2027 ist eine wöchentliche Veröffentlichung vorgesehen.

Keine sofortige Zahlungspflicht, aber klare Signale

Mit dieser ersten Veröffentlichung wird der europäische CO₂-Grenzausgleich deutlich greifbarer. Zwar entsteht daraus noch keine sofortige Zahlungspflicht. Nach den Vorgaben der Kommission werden CBAM-Zertifikate für die Einfuhren des Jahres 2026 erst ab Februar 2027 über die gemeinsame zentrale Plattform erworben. Gleichwohl markiert der erste Preis einen wichtigen Schritt: Der Mechanismus verlässt damit endgültig die Phase bloßer Erwartung und wird zu einer konkret bezifferbaren wirtschaftlichen Größe.

Definitive Phase seit 2026: Anwendungsbereich bleibt breit

CBAM befindet sich seit dem 1. Januar 2026 in seiner definitiven Phase. Erfasst werden weiterhin die in der Verordnung gelisteten Waren aus den Bereichen Zement, Eisen und Stahl, Aluminium, Düngemittel, Strom und Wasserstoff. Die Europäische Kommission weist zudem darauf hin, dass EU-Importeure oder ihre indirekten Zollvertreter, die mehr als 50 Tonnen CBAM-Waren in die EU einführen, den Status eines autorisierten CBAM-Deklaranten beantragen müssen. Der Preis der Zertifikate orientiert sich dabei am EU-ETS und soll so die CO₂-Kosten von Importen an jene Kosten angleichen, die für europäische Produzenten gelten.

Wachsende Bedeutung für Einkauf und Lieferketten

Für die betroffenen Unternehmen ist das von erheblicher praktischer Relevanz. Der nun veröffentlichte Preis zeigt erstmals sehr konkret, dass CBAM nicht nur ein Berichts- und Nachweisthema bleibt, sondern perspektivisch spürbare Auswirkungen auf Importkalkulation, Beschaffung und Lieferkettenmanagement haben kann. Künftig wird es noch stärker darauf ankommen, belastbare Emissionsdaten entlang der Lieferkette zu erhalten, Importverantwortlichkeiten eindeutig zu definieren und vertraglich sauber zu regeln, wie mit CO₂-bedingten Zusatzkosten umzugehen ist.

Vereinfachungen für kleinere Importeure

Zwar hat die EU das System im vergangenen Jahr an einzelnen Stellen vereinfacht. Dazu gehört insbesondere der neue Schwellenwert von 50 Tonnen pro Jahr, durch den kleinere Importeure von CBAM-Pflichten ausgenommen werden. Nach Angaben der Kommission sollen damit vor allem kleinere Marktteilnehmer entlastet werden, während weiterhin mehr als 99 Prozent der Emissionen im Anwendungsbereich verbleiben. Auch für die im System verbleibenden Unternehmen wurden einzelne Verfahren bei Autorisierung, Emissionsberechnung und finanzieller Haftung vereinfacht.

Hoher administrativer Aufwand bleibt bestehen

CBAM bleibt dennoch ein bürokratisch hoch anspruchsvolles Instrument, das gerade für betroffene Industrieimporteure mit erheblichem administrativem Aufwand verbunden ist. Die Anforderungen an Datenerhebung, Nachweisführung, Zuständigkeiten und Systemanbindung sind enorm. Der erste veröffentlichte Zertifikatspreis ist deshalb nicht nur ein ökonomisches Signal, sondern auch ein weiterer Hinweis darauf, dass mit CBAM ein komplexes System in Kraft ist, das Unternehmen zusätzlich belastet.

BME: Klimaschutz ja, aber praktikabel

Aus Sicht des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME) muss europäische Klimapolitik wirksam sein, sie darf aber nicht zu neuen, kaum beherrschbaren Bürokratielasten für Einkauf, Beschaffung und internationale Lieferketten führen.

CBAM wird zum strategischen Faktor

Der nun veröffentlichte Preis ist somit weniger als unmittelbarer Kostenschock zu verstehen, denn als deutliches Signal für die weitere Entwicklung: CBAM wird operativ konkret, finanziell greifbar und für viele Unternehmen zu einem dauerhaften Faktor strategischer Beschaffungsentscheidungen. Gerade deshalb braucht es bei der weiteren Umsetzung Augenmaß, Praxistauglichkeit und einen klaren Fokus auf die Vermeidung zusätzlicher Bürokratie.

Ihre Kontaktperson

Alexander Grimm
Politischer Referent BME e.V.