13.02.2026Veranstaltungen

Einkauf von Stahl: Der Markt bleibt unbeständig und komplexer denn je

Bei der BME Masterclass „Einkauf von Stahl und anderen metallischen Werkstoffen“, die vom 09. bis 10. Februar 2026 online stattfand, bestätigte sich erneut: Der Stahleinkauf befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderung.
Glühender Stahl im Produktionsprozess: Zwischen Dekarbonisierung, neuen EU-Regularien sowie hoher Preisvolatilität steht der Stahleinkauf 2026 vor tiefgreifenden strategischen Herausforderungen. © zhaojiankang/iStock

Die Teilnehmenden aus Industrie und Handel berichteten von einer Marktrealität, die durch volatile Preise, geopolitische Verschiebungen und neue regulatorische Mechanismen geprägt ist. Die Fähigkeit, aktuelle Marktsignale schnell zu interpretieren und in Entscheidungen zu überführen, wird für den Einkauf daher immer mehr zum Schlüsselfaktor.

Preisvolatilität und Nachfrageentwicklung

Die jüngsten Analysen für 2026 zeigen hierbei ein widersprüchliches Bild zwischen kurzfristiger Unsicherheit und mittelfristiger Stabilisierung. Der globale Handel mit Stahl verändert sich weiter spürbar. Für europäische Einkäufer bedeutet dies: Die Lieferantenauswahl muss zunehmend mehrere Szenarien abdecken. Lieferketten-Resilienz gewinnt gegenüber reinen Kostenvorteilen an Bedeutung.

Regulatorische Eingriffe als „Gamechanger“

Die vielen neuen Regularien und Mechanismen durch die EU wie CBAM, Safeguard und ETS-Zertifikate sollen die Branche unterstützen, sorgen aber oft für neue Konfusion. Die meisten Diskussionen der BME-Masterclass drehten sich daher um diese Regularien und deren Wirkung auf Preise, Planung und Lieferentscheidungen.

  • CBAM: Importierter Stahl wird künftig mit einem CO₂-Kostenaufschlag belastet – abhängig von Herkunft und Emissionsintensität. Das verschärft die Kostenstruktur für einkaufende Unternehmen deutlich.
  • Safeguard-Nachfolgeregelung ab Juli 2026: Die EU plant eine Halbierung der zollfreien Kontingente sowie eine Anhebung des Überkontingent-Zolls auf 50 Prozent. Besonders Hardness Rockwell Cone (HRC) trifft eine massive Quotenreduzierung von rund 4,3 Mio. Tonnen.

Grüner Stahl und veränderte Qualitätsanforderungen

Ungeachtet der Preisvolatilität steht die Dekarbonisierung der Stahlindustrie im Fokus.

  • In Europa erreichen EAF‑basierte Produktionswege bereits bis zu 50 % geringere CO₂‑Emissionen im Vergleich zu klassischen Hochöfen.
  • Gleichzeitig investieren Hersteller massiv in Wasserstoff‑DRI, CCUS‑Technologien und Recycling.
  • Die Nachfrage nach grünem HRC wächst – auch wenn viele Einkäufer aktuell nur bereit sind, moderate Aufpreise zu zahlen, insbesondere im Projektgeschäft.

Für Einkäufer bedeutet das: Qualitätsdefinitionen verschieben sich. Neben klassischen Werkstoffnormen rücken CO₂‑Footprints, Herkunftsnachweise (Melt & Pour) und digitale Zertifikatsketten ins Zentrum der Spezifikation. Doch die Unternehmen hoffen noch auf Erleichterungen aus Brüssel.

„Sollten die Nachfolgeregelungen der Safeguardmaßnahmen ab Sommer 2026 tatsächlich so ausgestaltet werden, wie derzeit diskutiert wird, wäre das in Kombination mit CBAM ein absoluter Gamechanger auf dem Stahlmarkt“ unterstreicht Jörg Feger, Bereichsleiter Research, BDS AG – Bundesverband, Deutscher Stahlhandel.

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der vielen regulatorischen Vorgaben ist aber auch klar geworden: Das Thema Grüner Stahl wird die Branche in den kommenden Jahren stark beschäftigen.

Fazit: Einkauf muss schneller, datengetriebener und resilienter werden

Die BME Masterclass „Einkauf von Stahl und anderen metallischen Werkstoffen“ hat gezeigt: Die kommenden Jahre verlangen dem Stahleinkauf weit mehr ab als Preisverhandlungen. Datentiefe, Regulierungskompetenz, Lieferkettenstrategie und Nachhaltigkeitsanforderungen formen ein neues Kompetenzprofil. Wer diese Entwicklungen aktiv managt, kann trotz der Marktunsicherheiten stabile und zukunftsfähige Versorgungsstrukturen schaffen. Viele Teilnehmende der BME Masterclass bestätigten: Die Informationsflut steigt weiter, und die richtige Interpretation wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

BME Masterclass „Einkauf von Stahl und anderen metallischen Werkstoffen“ geht in die nächste Runde!

Save the Date: Der nächste Termin der BME Masterclass „Einkauf von Stahl und anderen metallischen Werkstoffen“ findet vom 24. bis 25. September 2026 als Präsenz-Veranstaltung in Duisburg statt.

Ihre Kontaktperson

Pascal Dumont du Voitel
Projektmanager KonzeptionInhaltliche Fragen