Einkaufsmanagerindex: Geschäftsaussichten trüben sich durch Preis- und Lieferdruck ein
Die deutschen Industrieunternehmen konnten auch im April dieses Jahres bei Produktion und Neuaufträgen Wachstum verzeichnen. Aufgrund des Krieges im Nahen Osten rechnen die Hersteller jedoch damit, dass es in den nächsten Monaten zu Produktionsrückgängen kommen wird. Die negativen Geschäftsaussichten werden vor allem mit Sorgen über die Folgen von höherer Inflation, Lieferkettenunterbrechungen und zunehmender Unsicherheit begründet. Der gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) erstellte S&P Global Einkaufsmanagerindex Deutschland (EMI) - ein Indikator für das Geschäftsklima - notierte im April 2026 auf 51,4 Punkten nach 52,2 Punkten im März und damit weiter über der 50-Punkte-Marke, die Wachstum signalisiert.
Mit den jüngsten Produktionssteigerungen und einer Zunahme der Auftragseingänge setzte sich der seit Jahresbeginn anhaltende Aufwärtstrend fort. Umfrageteilnehmende begründeten den erneuten Anstieg mit einer höheren Fertigung aufgrund einer gestiegenen Nachfrage, da Kunden potenziellen Preiserhöhungen und Lieferengpässen zuvorkommen wollten. Die Wachstumsraten fielen im Vergleich zum Vormonat jedoch geringer aus. Zudem war die Entwicklung in den einzelnen Sektoren unterschiedlich. Während der Vorleistungsgüterbereich ein deutliches Auftragsplus verzeichnete, wurde im Konsumgüterbereich ein Rückgang beobachtet.
Geschäftsaussichten pessimistisch
Erstmals seit 18 Monaten war der Anteil der Hersteller größer, die über die nächsten zwölf Monate mit einer rückläufigen Geschäftstätigkeit rechnen. Ein Grund dafür war die Sorge vor steigenden Kosten. Nach dem Rekordanstieg im März zog die Inflationsrate der Einkaufspreise nochmals deutlich an und kletterte auf den höchsten Stand seit September 2022. Dies führte wiederum zum kräftigsten Anstieg der Erzeugerpreise seit Januar 2023. Begründet wurde die Entwicklung mit höheren Energie-, Transport-, und Rohstoffkosten.
Kostendruck und Lieferengpässe nehmen zu
Der wachsende Druck auf die Lieferketten zeigt sich in einer signifikanten Verlängerung der Lieferzeiten. Als Gründe dafür nannten Umfrageteilnehmende Logistikprobleme und ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. In der Erwartung, dass die Preise weiter steigen und die Lieferengpässe zunehmen, erhöhten die Industrieunternehmen zu Beginn des zweiten Quartals ihre Einkaufsmenge. Gleichzeitig sanken erneut die Lagerbestände bei Vormaterialien und Fertigwaren, jedoch weniger stark als im Vormonat.
Die wichtigsten Ergebnisse im Konsumgüterbereich
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Deutlichster Produktionsrückgang seit 14 Monaten
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Erneut deutlicher Beschäftigungsrückgang
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Niedrigste Inflationsrate der Verkaufspreise der drei Teilbereiche
Die wichtigsten Ergebnisse im Vorleistungsgüterbereich
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Deutliches Auftragsplus führt zu Produktionssteigerung
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Einkaufsmenge wächst bei steigenden Kosten und längeren Lieferzeiten
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Erzeugerpreise steigen so stark wie seit fast dreieinhalb Jahren nicht mehr
Die wichtigsten Ergebnisse im Investitionsgüterbereich
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Fertigung steigt durch höhere Exportumsätze
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Deutlicher Anstieg der Einkaufs- und Verkaufspreise
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Geschäftsausblick auf 18-Monatstief
Über den EMI: Der S&P Global Einkaufsmanagerindex Deutschland (EMI) ist ein monatlicher Frühindikator zur Vorhersage der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland. Der Index erscheint seit 1996 unter der Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) e.V. Er beruht auf der Befragung von rund 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der Verarbeitenden Industrie in Deutschland, die repräsentativ für die deutsche Wirtschaft nach Branche, Größe und Region ausgewählt wurden. Erstellt wird der EMI vom US-amerikanischen Finanzdienstleister S&P Global. Er orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager’s Index (PMI).
Weitere Infos zum EMI: S&P Global Einkaufsmanagerindex™ Deutschland (EMI) — BME