01.10.2026Konjunktur

Einkaufsmanagerindex: Optimismus in der deutschen Industrie wächst wieder

+++ Erneut kräftige Zuwächse bei Produktion und Auftragseingängen +++ Geschäftsaussichten auf zweithöchstem Wert seit über viereinhalb Jahren +++ Inflationsrate der Einkaufspreise so hoch wie seit Juni nicht mehr
© Gerd Altmann/pixabay

Die aktuellen EMI-Daten zeigen im September ein anhaltend starkes Wachstum sowohl bei der Produktion als auch bei den Neuaufträgen in der Industrie. Zudem sind die Unternehmen optimistisch, dass sich diese Entwicklung im kommenden Jahr fortsetzen wird, denn der Geschäftsausblick fiel so positiv aus wie seit Februar nicht mehr. Der gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) erstellte S&P Global Einkaufsmanagerindex Deutschland (EMI) notierte im September bei 53,9 Punkten und damit etwas unter dem Wert von August (54,3), aber wieder komfortabel über der Schwelle von 50.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen zieht die Fertigung wieder an

Zwar gab es auch im Berichtsmonat Lieferverzögerungen und Belastungen infolge gestiegener Energiepreise. Dennoch verbuchte das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland nach dem höchsten Plus seit über viereinhalb Jahren im Vormonat erneut kräftige Produktionszugewinne. Getragen wurde dieser Aufschwung in erster Linie von der weiter anziehenden Nachfrage. So stiegen die Auftragseingänge deutlich und bereits den vierten Monat in Folge. Zudem signalisieren die Umfrageergebnisse höhere Umsätze sowohl im In- als auch im Auslandsgeschäft. Zum Anstieg des Gesamt-Auftragseingangs trug auch das vierte Plus im Exportgeschäft bei. Unternehmen, die mehr Aufträge aus dem Ausland verbuchen konnten, verwiesen auf die anziehende Nachfrage aus Asien, Europa und den USA.

Die aktuellen EMI-Daten zeigen aber auch, dass die Lieferketten weiter unter Druck stehen. So verlängerten sich die Vorlaufzeiten zwar etwas weniger stark als zuletzt, aber immer noch deutlich. Einige Befragte verwiesen auf Verzögerungen im Frachtverkehr sowie auf Engpässe bei elektronischen Bauteilen.

Der Kostendruck in der Industrie nahm weiter zu. Die Einkaufspreise zogen Ende des dritten Quartals kräftiger an. Viele EMI-Umfrageteilnehmer verwiesen auf höhere Ausgaben für Transporte, Rohstoffe und Elektronik. Die Inflationsrate der Verkaufspreise blieb auf hohem Niveau und stieg erstmals seit fünf Monaten wieder an.

Industrie hofft auf Impulse durch höhere Nachfrage nach KI-Infrastruktur

Der Ausblick für die Geschäftstätigkeit binnen Jahresfrist hat sich aufgehellt und damit weiter vom tiefsten Wert seit anderthalb Jahren im April entfernt. Der Optimismus lag nur knapp unter dem Niveau, das unmittelbar vor Ausbruch des Nahost-Krieges im Februar erreicht wurde. Umfrageteilnehmer hoffen auf Rückenwind durch die höhere Nachfrage nach KI-Infrastruktur sowie auf eine allgemeine Erholung der Märkte.

Die wichtigsten Ergebnisse im Konsumgüterbereich

  • Deutlicher Rückgang der Auftragseingänge drückt Produktion
  • Weitere Kürzungen bei Einkaufsmenge und Personal
  • Kosteninflation auf Dreimonatshoch sinken trotz höherer Exportumsätze

Die wichtigsten Ergebnisse im Vorleistungsgüterbereich

  • Erneut kräftige Zuwächse bei Fertigung und Neuaufträgen
  • Beschäftigung steigt erstmals seit fast dreieinhalb Jahren
  • Höchstes Plus bei Einkaufsmenge seit August 2021

Die wichtigsten Ergebnisse im Investitionsgüterbereich

  • Anziehende Nachfrage sorgt für stärkstes Produktionsplus seit über fünf Jahren
  • Deutlichster Anstieg der Verkaufspreise seit vier Monaten
  • Geschäftsaussichten auf höchstem Stand seit Februar 2022

Über den EMI:

Der S&P Global Einkaufsmanagerindex Deutschland (EMI) ist ein monatlicher Frühindikator zur Vorhersage der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland. Der Index erscheint seit 1996 unter der Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) e.V. Er beruht auf der Befragung von rund 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der Verarbeitenden Industrie in Deutschland, die repräsentativ für die deutsche Wirtschaft nach Branche, Größe und Region ausgewählt wurden. Erstellt wird der EMI vom US-amerikanischen Finanzdienstleister S&P Global. Er orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager’s Index (PMI).

Weitere Infos zum EMI

Einkaufsentscheider können durch Nutzung des EMI treffsicher den Trend der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erkennen. Sie profitieren vor allem von den differenzierten Marktindikatoren, aus denen sich der EMI zusammensetzt. Ob für Verhandlungen, für das Reporting gegenüber der Geschäftsleitung oder für die tiefergehende Analyse in den Einkaufsabteilungen – die Marktindikatoren des EMI bieten eine fundierte Datenbasis.

Bianka Blankenberg
Pressesprecherin