02.07.2026Rohstoffmärkte

EU-US-Handelsabkommen könnte Wettbewerb auf dem europäischen Polymermarkt verschärfen

Mit dem neuen Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA verändern sich die Rahmenbedingungen für den europäischen Polymermarkt grundlegend. Der Wegfall der EU-Importzölle auf US-Kunststoffe könnte den Wettbewerb deutlich verschärfen und den Preisdruck auf europäische Hersteller weiter erhöhen – mit weitreichenden Folgen für die gesamte Kunststoff-Wertschöpfungskette.
Vor dem Hintergrund des EU-US-Handelsabkommens könnten sich die Wettbewerbsbedingungen auf dem europäischen Polymermarkt verändern und zusätzliche Importmengen aus den USA den Wettbewerbsdruck auf europäische Hersteller weiter erhöhen. © GaryKillian/iStock

Mit dem Inkrafttreten des neuen Handelsabkommens zwischen der Europäischen Union und den USA zum 1. Juli könnten sich die Wettbewerbsbedingungen auf dem europäischen Polymermarkt spürbar verändern. Die Vereinbarung sieht vor, dass die EU sämtliche Zölle auf Industrieprodukte aus den Vereinigten Staaten abschafft. Davon profitieren auch Kunststoffe und Kautschuk, die unter die HS-Kapitel 39 und 40 fallen.

Für europäische Kunststoffverarbeiter eröffnet sich damit der Zugang zu zusätzlichen und preislich attraktiven Polymermengen aus den USA. Vor allem US-Polyethylen, das bereits heute im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig ist, dürfte nach dem Wegfall des bisherigen EU-Importzolls von 6,5 % an Attraktivität gewinnen. Marktteilnehmer rechnen daher mit zunehmendem Wettbewerbsdruck auf die europäischen Produzenten.

Sollten die Importe aus den USA anziehen, könnten europäische Petrochemieunternehmen gezwungen sein, ihre Preisstrategien anzupassen, um Marktanteile zu verteidigen. Dies würde den bereits bestehenden Druck auf die Polymerpreise in Europa weiter verstärken. Gleichzeitig könnten niedrigere Rohstoffkosten entlang der Wertschöpfungskette zu sinkenden Preisen für Kunststofferzeugnisse führen.

Die Entwicklung fällt in eine Phase, in der die europäische Chemie- und Kunststoffindustrie ohnehin mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert ist. So hat Covestro angekündigt, bis zu 4 Mrd. Euro in neue Projekte in China und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu investieren. Bereits zuvor hatte sich Vioneo entschieden, seine geplante Methanol-zu-Polymeren-Anlage mit einer Kapazität von 300.000 t/Jahr in China und nicht in Europa zu errichten.

Die Investitionsentscheidungen verdeutlichen die zunehmende Verlagerung von Produktionskapazitäten in Regionen mit günstigeren Kostenstrukturen und besseren Standortbedingungen. Branchenbeobachter sehen darin ein weiteres Signal, dass die europäische Chemieindustrie ohne eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit weiter Marktanteile und Investitionen an andere Weltregionen verlieren könnte.

Quelle: MBI Martin Brückner Infosource

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