31.07.2026Logistik & Supply Chain

Folge des Niedrigwassers: Transport mit dem Binnenschiff wird teurer

Die anhaltende Niedrigwasserlage am Rhein verschärft die Herausforderungen für Industrie und Logistik. Sinkende Pegelstände schränken die Transportkapazitäten der Binnenschifffahrt weiter ein und treiben die Kosten für Unternehmen deutlich in die Höhe.
Das anhaltende Niedrigwasser auf dem Rhein schränkt die Ladekapazitäten der Binnenschiffe erheblich ein und führt zu steigenden Transportkosten für Industrie und Logistik. © eurotravel/iStock

Keine Entspannung in der Niedrigwasserkrise am Rhein - im Gegenteil: Am Freitagmorgen wurde der Pegelstand Kaub mit 25 Zentimetern festgestellt. Damit ist der Tiefststand aus dem Dürrejahr 2018 eingestellt. Auch die Pegel Oestrich, Köln und Duisburg-Ruhrort dürften, sofern es in den nächsten Tagen nicht anhaltend regnen sollte, auf neue Tiefstände fallen. 

Thyssenkrupp Steel hat bereits die Schifffahrt mit eigenen Schubschiffen eingestellt. „Die anhaltende und sich verschärfende Niedrigwassersituation hat mittlerweile auch Auswirkungen auf die Versorgung unseres Duisburger Werkes mit Rohstoffen“, teilte eine Sprecherin mit. Das Unternehmen nutze vorsorglich angemietete, externe Schiffe, die wegen ihres niedrigeren Tiefgangs auch bei den aktuellen Wasserständen eingesetzt werden könnten. „Unsere Kundenversorgung ist aktuell noch nicht gefährdet“, so die Sprecherin.

Kritisch ist die Lage auch bei der Rohstoffversorgung der entlang des Rheins gelegenen Chemiefabriken. Verschiedene Erzeuger hätten Force Majeure für Zwischenprodukte und Polymere erklärt. 

Die niedrigen Wasserstände machen es zumehmend unrentabel, Container weiterhin per Binnenschiff zu transportieren. „Diese Entscheidung liegt bei den Binnenschiffern und hängt auch davon ab, ob ihr Binnenschiff niedrigwasseroptimiert ist“, teilte die Contargo GmbH mit. Das Mannheimer Unternehmen bietet Containertransporte mit Binnenschiffen, Lkw und Bahn an.

„Sollte es infolge der Niedrigwassersituation zu einer vorübergehenden Einschränkung oder Einstellung der regulären Binnenschifffahrtsverbindungen am Oberrhein und Mittelrhein kommen, werden wir die verfügbaren Binnenschiffe verstärkt auf den Niederrhein konzentrieren“, teilte Contargo weiter mit. Um die Anbindung der betroffenen Regionen sicherzustellen, könne es erforderlich werden, Container zwischen den Contargo-Terminals am Oberrhein und Mittelrhein sowie den Niederrhein-Terminals des Unternehmens verstärkt per Lkw zu transportieren. Von dort erfolge die Weiterbeförderung zu beziehungsweise von den Seehäfen, soweit möglich, weiterhin per Binnenschiff. 

Allerdings seien auch dort die Ladekapazitäten der Schiffe aufgrund der geringen Abladetiefen bereits deutlich reduziert. Somit werde insgesamt mehr Schiffsraum benötigt, um die vorhandenen Transportmengen zu bewältigen. „In dieser Situation hängt die Transportzusage der Contargo von den verfügbaren Kapazitäten ab“, heißt es.

Angesichts der infolge des Niedrigwassers stark gestiegenen Charterkosten hat Contargo seine Aufschläge angepasst. Diese sogenannten Kleinwasserzuschläge sind nach Pegelständen gestaffelt, wobei die Zuschläge mit sinkenden Ständen steigen.

Beispielsweise beträgt der Aufschlag für alle Terminals südöstlich von Wesel bis Neuss 165 Euro pro 20-Fuß-Container, falls der Pegel Duisburg-Ruhrort zwischen 180 und 171 Zentimetern liegt. Bei einem Pegelstand von 160 bis 151 Zentimetern beträgt der Aufschlag schon 335 Euro, was aktuell der Fall ist: Am Freitagmorgen wurde der Pegel Duisburg-Ruhrort bei 155 Zentimetern gemessen.

Binnenschiffe transportieren in der Regel Massen- und Schüttgüter, wie etwa Erze und Kohle für die Stahlindustrie. Hierbei wird die Logistik fast ausschließlich über langlaufende Rahmenverträge und Transportmengen-Vereinbarungen abgewickelt, während im Containerbereich oder bei Lkw-Ladungsgeschäften Spotgeschäfte üblich sind.

Quelle: MBI Martin Brückner Infosource

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