Geopolitische Risiken rücken Einkauf und Supply Chain Management in den Fokus
Die geopolitische Lage ist für Einkauf und Supply Chain Management zu einem unmittelbaren Beschaffungs- und Versorgungsrisiko geworden. Unternehmen sehen sich mit einer Vielzahl gleichzeitig wirkender Belastungen konfrontiert: Konflikte, Energiepreisschocks, Unsicherheiten auf zentralen Handelsrouten, steigende Versicherungs- und Transportkosten sowie wachsende strategische Abhängigkeiten. Diese Gleichzeitigkeit macht die Lage so herausfordernd. Viele Risiken lassen sich in ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen kaum noch belastbar voneinander trennen oder gegeneinander abwägen. Für den Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) ist deshalb klar, worum es im Kern geht: „Einkauf und Supply Chain Management sind heute ein strategischer Stabilitätsfaktor für Unternehmen und Standorte“, sagt Dr. Lars Kleeberg, Hauptgeschäftsführer des BME.
Volatile Lieferketten und Energiepreise als Versorgungsrisiko
Besonders spürbar sind die Auswirkungen derzeit bei Energie und Logistik. Steigende Energiepreise verteuern Produktion, Transport und Lagerhaltung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Hinzu kommen volatile Frachtraten, höhere Risikoprämien und eine insgesamt sinkende Planbarkeit bei Beschaffungs- und Investitionsentscheidungen. Die jüngsten Entwicklungen rund um die Straße von Hormus zeigen erneut, wie schnell geopolitische Spannungen auf Energiepreise, Handelswege und Lieferketten durchschlagen können. „Beschaffung ist heute nicht nur eine Frage von Preis, Qualität und Verfügbarkeit. Sie ist zunehmend auch eine Frage geopolitischer Urteilsfähigkeit, resilienter Lieferantenstrukturen, Diversifizierung und strategischer Vorausschau. Einkaufsverantwortliche sichern Versorgung unter erschwerten Bedingungen, bewerten Märkte neu und schaffen Stabilität in einem Umfeld, das selbst instabiler geworden ist”, so Kleeberg.
Politik muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen
Der BME setzt sich dafür ein, dass die Perspektive des Einkaufs politisch stärker berücksichtigt wird. Unternehmen brauchen in der aktuellen Lage verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen, offene und sichere Handelswege sowie einen Regulierungsrahmen, der Resilienz stärkt, statt zusätzliche Unsicherheit zu erzeugen.
Zugleich bringt der Verband diese Perspektive in internationale Netzwerke und hochrangige Formate ein. Der European Procurement & Supply Chain Excellence Summit 2026 am 20. und 21. April 2026 in Berlin stellt geopolitische Verschiebungen, Handelsneuordnungen und Resilienz ausdrücklich in den Mittelpunkt.
Im Umfeld des BME-Summits tagt zudem die International Federation of Purchasing and Supply Management (IFPSM), die internationale Dachorganisation der Einkaufsverbände. Auch mit dem Engagement in diesem Verbund unterstreicht der BME seine internationale Vernetzung und seinen Anspruch, die Stimme des Einkaufs national, europäisch und international in die Debatte einzubringen.