Hormus-Krise: Verknappung von Industrierohstoffen setzt Branchen unter Druck
Der Konflikt um die Straße von Hormus wird nach Einschätzung des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) zur Schockwelle für die globale Wirtschaft. „Viele Industrienationen leiden nicht nur unter den ausbleibenden Rohöl- und Flüssigerdgaslieferungen. Jetzt werden auch wichtige Rohstoffe wie Schwefel, Aluminium und Helium knapp“, betont BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Lars Kleeberg.
Aufgrund der anhaltenden Versorgungsengpässe schrillten vor allem in den Branchen Chemie, Automotive, Maschinen- und Anlagenbau, Elektro- und Halbleiter sowie Pharma und Medizintechnik die Alarmglocken. Es gebe bereits Berichte über erste Produktionskürzungen, beispielsweise in der Agrarchemie sowie in der Konsumgüter- und Automobilindustrie.
Die Sperrung der Straße von Hormus löse Kettenreaktionen im globalen Schiffs- und Containernetzwerk aus. Viele Firmen müssten auf längere und damit auch teurere Handelsrouten ausweichen. Höhere Transportkosten und knapper werdende Containerkapazitäten seien die Folge. „Dies alles setzt die globalen Lieferketten weiter zunehmend unter Druck“, so Kleeberg.
Die anhaltende Krise um eine der wichtigsten Verkehrsrouten für den Welthandel fordere insbesondere Einkauf, Logistik und Supply Chain Management massiv heraus. Die Blockade der einzigen Seeverbindung zwischen dem Persischen Golf und dem offenen Meer sei längst kein kurzfristiger Störfall mehr, sondern ein struktureller Wendepunkt für das Global Sourcing der Unternehmen.
Kleeberg: „Deshalb überdenken viele Unternehmen ihre bisherigen Beschaffungsstrategien. Der Fokus verschiebe sich zunehmend von reinen Kosteneinsparungen hin zu resilienteren Lieferketten. Der Nahost-Konflikt zeigt, dass geopolitische Risiken zu einem zentralen Faktor für das operative Geschäft der Unternehmen geworden sind.
Risikomanagement gehört auf den Prüfstand von Einkauf, Logistik und SCM
Der BME empfiehlt seinen Mitgliedern, ihr Risikomanagement neu auszurichten. Kritische Vorprodukte sollten nicht mehr ausschließlich aus einzelnen Regionen bezogen werden. Vielmehr sei Multiple Sourcing das Gebot der Stunde. Auch die bisher übliche Konzentration von Lieferantenclustern in den Anrainerstaaten des Nahen Ostens sowie die starke Abhängigkeit von einzelnen Transportkorridoren seien nicht mehr zeitgemäß.