11.02.2022Konjunktur

„Konjunktur hält die Luft an“

DIHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn 2022: Über alle Branchen hinweg melden neun von zehn Unternehmen höhere Einkaufspreise als Folge von Lieferengpässen. Gut die Hälfte spricht sogar von Preisanstiegen „in erheblichem Umfang“.

Die deutsche Wirtschaft beurteilt sowohl ihre aktuelle Lage als auch den Ausblick auf das Gesamtjahr 2022 insgesamt negativer als vor dem Jahreswechsel. Das ist das Ergebnis der bundesweiten IHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn 2022 unter knapp 28.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen. Bei der Vorstellung der Umfrage fasste DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben die Rückmeldungen aus den Industrie- und Handelskammern zusammen: „Die Konjunktur hält die Luft an. In den Unternehmen herrscht zwar weiterhin eine vorsichtig optimistische Grundstimmung. Viele wissen aber wegen großer Unsicherheiten nicht, wie es weitergeht. Wir sehen bei den wichtigsten Faktoren nach den Steigerungen des vergangenen Jahres eine Seitwärtsbewegung oder gar einen leichten Knick nach unten.“ Einer DIHK-Pressemitteilung zufolger echnet nur knapp ein Viertel der Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten mit besseren Geschäften. Der noch positive Saldo aus Betrieben mit höheren Erwartungen und denen mit schlechteren Aussichten habe sich damit im Vergleich zum Herbst des Vorjahres von zehn auf fünf halbiert. Aufgrund der deutlich gedämpften Rückmeldungen aus den Unternehmen passt der DIHK seine ursprüngliche Wachstumsprognose von 3,6 Prozent für das laufende Jahr auf 3,0 Prozent an. „Damit werden wir das Vorkrisenniveau unserer Wirtschaftsleistung voraussichtlich erst zur Jahresmitte erreichen”, sagte Wansleben. Die größten Belastungsfaktoren seien neben der Corona-Krise und Lieferengpässen vor allem die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise sowie der Fachkräftemangel. Hinzu kämen weitere zu erwartende Kostensteigerungen durch die Transformation beim Klimaschutz. Insbesondere für Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, sei noch offen, wie ein entsprechender Ausgleich funktionieren soll. Wansleben: „Viele befürchten eine Verschlechterung ihrer Position auf den Weltmärkten. Denn der Standort Deutschland verlangt inzwischen mit die höchsten Energiepreise weltweit und liegt auch bei der Steuerbelastung für Unternehmen weit über dem Durchschnitt aller OECD-Länder.“ Fast zwei Drittel der Betriebe stufen aktuell die Energie- und Rohstoffpreise als eines ihrer größten Geschäftsrisiken ein, in der Industrie seien es sogar 85 Prozent. „Das ist sowohl für die Gesamtwirtschaft als auch für die Industrie der höchste bislang von uns ermittelte Wert“, betonte Wansleben. Über alle Branchen hinweg melden zudem neun von zehn Unternehmen höhere Einkaufspreise als Folge von Lieferengpässen, gut die Hälfte spreche sogar von Preisanstiegen „in erheblichem Umfang“. Nur noch zehn Prozent der Betriebe und damit deutlich weniger als im Herbst 2021 rechnen mit einem Ende der Lieferprobleme bis zu Jahresmitte. Die übrigen knapp 90 Prozent stellen sich auf eine längere Durststrecke ein oder wagen keine Prognose. Auf Platz zwei der Geschäftsrisiken folge der Fachkräftemangel: 61 Prozent (nach zuvor 59 Prozent) der Unternehmen fürchten, nicht genügend qualifiziertes Personal zu finden. Zugenommen habe auch die Sorge vor steigenden Arbeitskosten. 43 Prozent der Betriebe (nach zuvor 40 Prozent) sehen hier ein Risiko für ihr Geschäft – so viele wie noch nie. Mehr als jedes dritte Unternehmen beschreibe seine eigene Finanzlage als problematisch. „Zwei Jahre Corona-Krise haben viele Reserven aufgebraucht“, so Wansleben. Bessere Erwartungen als im Herbst melden laut DIHK-Angaben die Pharmaunternehmen, die Textilhersteller sowie die Maschinenbauer. Der Export erweise sich auch insgesamt als vergleichsweise stabil. Deshalb seien diejenigen Unternehmen optimistischer, die offenbar befürchtete Rückschläge durch den Export kompensieren können, und die nicht so hart von Corona betroffen sind. Im Pharma- und im Maschinenbausektor wollen auch mehr Unternehmen in einen Ausbau ihrer Kapazitäten investieren als im Herbst 2021. Insgesamt halten sich die Unternehmen dagegen bei den Investitionen noch stärker zurück. „Dafür gibt es sehr viele unterschiedliche Gründe: Hohe Kostenbelastungen, aktuelle Unsicherheiten, schwierige Rahmenbedingungen auch durch unsere aufwändigen Planungsverfahren“, listete Wansleben auf. Für weitere Informationen:
Frank Rösch , BME-Konjunktur- und Rohstoffmonitoring
E-Mail: frank.roesch@bme.de