22.09.2026Einkaufspraxis

Kostentransparenz, Innovation und KI als Hebel für Wettbewerbsfähigkeit

Steigende Kosten, volatile Märkte und geopolitische Unsicherheiten erhöhen den Handlungsdruck auf Einkauf, Entwicklung und Cost & Value Engineering.
Datenbasierte Analysen und digitale Werkzeuge unterstützen Unternehmen dabei, Kosten- und Werthebel frühzeitig zu identifizieren. © gorodenkoff/iStock

Unternehmen stehen vor der Aufgabe, Kosten transparenter zu machen, Werthebel früher zu identifizieren und gemeinsam mit Lieferanten schneller in die Umsetzung zu bringen.

Sven Jooss, Head of Global Supply Chain und Vice President, Carl Zeiss Microscopy GmbH, hebt hervor: „Im Kontext aktueller Herausforderungen aus Geopolitik und Weltwirtschaft sind für globale Einkaufsorganisationen drei Dinge entscheidend.“ Konkret handelt es sich folgende Gesichtspunkte:

  • Frühe und vorausschauende Implementierung von Kosten- und Werthebeln in der Produktentwicklung
  • Strategisches Investment in die Wettbewerbsfähigkeit der vollstufigen Lieferkette
  • Fokus auf technologische Innovation zur Differenzierung und Kostenoptimierung.

Kosten- und Werthebel verstehen und gezielt steuern

Die größten Hebel zur Kostenoptimierung liegen in der frühen Entwicklungsphase, bevor wesentliche Produkt- und Prozessentscheidungen getroffen wurden.

Doch auch bei bestehenden Produkten lassen sich Kostenstrukturen erneut hinterfragen. Spezifikationen, Varianten, Materialeinsatz, Fertigungsverfahren und gewachsene technische Anforderungen bieten Ansatzpunkte für weitere Optimierungen.

Methoden wie Design-to-Value, Anforderungsmanagement, produktkostenorientiertes Ideenmanagement, Tear-down- beziehungsweise Komponentenanalysen oder Cost-Down-Initiativen helfen dabei, Kostentreiber systematisch sichtbar zu machen und neue Lösungsansätze zu entwickeln.

Cross-funktionale Optimierung von Produkten und Prozessen mit Lieferanten

Als wesentlicher Erfolgsfaktor gilt die cross-funktionale Zusammenarbeit von Einkauf, Entwicklung sowie Cost & Value Engineering. Damit Kostenoptimierung nicht auf interne Analysen beschränkt bleibt, ist die Einbindung von Lieferanten unerlässlich.

Entscheidend ist, Know-how frühzeitig zusammenzuführen und strukturiert nutzbar zu machen. Ziel ist es deshalb, geeignete Partner zu entwickeln und gemeinsam Ideen in technisch tragfähige und wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu überführen.

Mehr Effizienz und Skalierbarkeit durch den Einsatz von KI

Digitale Werkzeuge, der Einsatz von KI und KI-Agenten verändern die Arbeit im Cost Engineering zunehmend. Die Einsatzfelder reichen von automatisierten Kostenanalysen bis hin zu KI-gestützter Datengewinnung.

Voraussetzung sind belastbare Daten, geeignete Systemlandschaften und klar definierte Anwendungsfälle mit erkennbarem Nutzen. Auch die Integration in bestehende Prozesse sowie die Vernetzung relevanter Subsysteme und Datenquellen sind entscheidend, um digitale Lösungen und KI skalierbar zur Kostenoptimierung einzusetzen.

Dabei bleibt die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse zentral. Gerade dort, wo Kostenanalysen als Grundlage für Einkaufs- oder Lieferantenentscheidungen dienen, müssen Daten, Annahmen und Berechnungslogiken transparent bleiben.

Fazit

Die aktuellen Rahmenbedingungen erhöhen den Druck, Kosten nicht nur nachträglich zu reduzieren, sondern systematischer zu steuern. Frühe Kostenarbeit, die Einbindung von Lieferantenwissen und der gezielte Einsatz digitaler Werkzeuge können dabei unterschiedliche Hebel erschließen.

Ob daraus messbare Effekte entstehen, hängt jedoch wesentlich davon ab, wie gut Daten, Methoden und beteiligte Funktionen miteinander verzahnt sind.

Veranstaltungstipp: Austausch für Einkauf und Cost & Value Engineering

Der BME VALUE DAY bringt seit über 15 Jahren Fach- und Führungskräfte aus Einkauf sowie Cost & Value Engineering zusammen. 2026 wird die Veranstaltung gemeinsam mit ZEISS in Oberkochen ausgerichtet. Neben Vorträgen stehen Round Tables und interaktive Formate auf dem Programm, die den Austausch zu konkreten Methoden und Umsetzungsfragen ermöglichen.

Ihre Kontaktperson

Natalie Popoola
Senior Projektmanagerin VeranstaltungskonzeptionInhaltliche Fragen