07.05.2026BME-News

Nachhaltige Beschaffungsorganisation: Einstellung der BME-Zertifizierung „RPO – Responsible Procurement Organisation“ zum 31. August 2026

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Nachhaltigkeitssiegel haben sich durch das im Februar 2026 verabschiedete „Dritte Gesetz zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb“ grundlegend verschärft. Vor diesem Hintergrund wird die BME-Zertifizierung „RPO - Responsible Procurement Organisation“ Ende August 2026 eingestellt.
Neue regulatorische Anforderungen verändern den Umgang mit Nachhaltigkeitssiegeln: Der BME richtet seinen Fokus von der Zertifizierung hin zu belastbaren Beschaffungsprozessen aus. © Galeanu Mihai/iStock

In den vergangenen Jahren hat der BME gemeinsam mit seiner Community bedeutende Fortschritte erzielt, um Nachhaltigkeit tiefgreifend in den Strukturen der Beschaffung zu verankern. Die BME-Zertifizierung für nachhaltige Beschaffung wurde dabei bewusst als ein Instrument konzipiert, das die BME-Mitglieder motiviert und fachlich unterstützt, ohne unverhältnismäßige administrative Hürden aufzubauen.

Verschärfte gesetzliche Rahmenbedingungen

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Nachhaltigkeitssiegel haben sich jedoch durch das im Februar 2026 verabschiedete „Dritte Gesetz zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb“ grundlegend verschärft. Um Greenwashing effektiv zu verhindern, stellt der Gesetzgeber nun Anforderungen an Zertifizierungssysteme, die weit über die bisherigen Standards hinausgehen. Gemäß § 2 Absatz 2 Nr. 6 d des geänderten UWG müssen die Überwachung der Anforderungen künftig auf internationalen oder unionsweiten Normen basieren und von Dritten durchgeführt werden, deren Unabhängigkeit sowohl vom Systeminhaber als auch vom Unternehmen streng nachgewiesen ist. Nach eingehender Prüfung muss der BME feststellen, dass sein aktuelles Modell diese neuen Kriterien künftig nicht mehr rechtssicher erfüllen kann. Aus diesem Grund wird die Zertifizierung zum 31. August 2026 offiziell eingestellt.

Wichtige Hinweise zur Nutzung und Haftung

Mit Ablauf dieses Datums verlieren alle bisher erteilten Zertifikate ihre Gültigkeit. Der BME bittet die betroffenen Unternehmen sicherzustellen, dass nach dem 31. August 2026 jegliche Verwendung des Zertifikats – etwa in der Unternehmenskommunikation, auf Webseiten oder in Marketingunterlagen – unterbleibt. Das neue Gesetz stuft das Anbringen von Siegeln, die nicht auf einem konformen System beruhen, als unzulässige geschäftliche Handlung ein, was mit Geldbußen von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes geahndet werden kann.

„Um die Mitgliedsunternehmen vor diesen rechtlichen Konsequenzen und einer potenziellen ‚Abmahnfalle‘ zu schützen, entzieht der BME dem Zertifikat zum 31. August 2026 die Grundlage!”, so Mirjam Zeller, Geschäftsführerin der BME Marketing GmbH. „Ab diesem Zeitpunkt verlieren alle bestehenden Zertifikate mit dem Siegel ‚RPO – Responsible Procurement Organisation‘ ihre Gültigkeit“.

Vom Siegel zum System: Unterstützung für interne Prozesse

Anstatt ein rechtlich anfälliges Label zu verwalten, fokussiert sich der BME künftig konsequent auf das, was den eigentlichen Wert seiner Arbeit ausmacht: die fundierte Unterstützung beim Aufbau von soliden internen Prozessen. Ziel des BME ist es, seine Community dabei zu unterstützen, Nachhaltigkeit nicht als Compliance-Checkliste, sondern als strukturelle Kernkompetenz zu etablieren.

Um seine Mitglieder rechtlich bestmöglich abzusichern, ist das neue Unterstützungsmodell explizit als internes Qualitäts- und Steuerungstool konzipiert. Es dient der Optimierung der Beschaffungsorganisation und der Vorbereitung auf Berichtspflichten wie die CSRD, ist jedoch ausdrücklich nicht für die externe Werbe- oder Marketingkommunikation vorgesehen. Auf diese Weise erhält die BME-Community den vollen fachlichen Mehrwert, ohne sich dem Risiko einer Siegel-Haftung auszusetzen.

Drei Phasen zur nachhaltigen Transformation

Der BME begleitet die Mitglieder dabei, wie sie es kennen, in drei Phasen:

  • Phase 1: Strategische Fokusdefinition – Analyse der Ist-Situation und Festlegung individueller Schwerpunkte.
  • Phase 2: Implementierung & Sparring – Beratende Begleitung bei der Einbettung nachhaltiger Prozesse.
  • Phase 3: Fachliche Validierung – Ein strukturierter Stresstest der Prozesse zur internen Qualitätssicherung.

Der BME bedauert es sehr, die Zertifizierung in ihrer gewohnten Form einstellen zu müssen. Dennoch blickt der BME positiv in die Zukunft: Durch die Konzentration auf die interne Prozessunterstützung kann der BME seine Community weiterhin dabei begleiten, ihre Strukturen resilient und zukunftsfähig aufzustellen.

Der BME dankt seinen Mitgliedern herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen und ihre wertvolle Arbeit in den vergangenen Jahren. Für Rückfragen zum Übergangsprozess steht Sarah Baer (sarah.baer@bme.de) gerne zur Verfügung.

Ihre Kontaktperson

Sarah Baer
Geschäftsbereichsleitung Innovation & ProduktentwicklungInhaltliche Fragen