08.03.2024Konjunktur

RWI senkt BIP-Prognose für 2024

Nach Einschätzung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung dämpft die hohe gesamtwirtschaftliche Unsicherheit die Nachfrage. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte danach in diesem Jahr nur um 0,3 Prozent wachsen.
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Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung senkt seine Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 0,8 auf 0,3 Prozent. 2025 erwartet es 1,2 Prozent, teilte das RWI weiter mit.

Danach dämpfe die hohe Unsicherheit weiterhin die Binnennachfrage. Die privaten Haushalte dürften angesichts deutlich steigender real verfügbarer Einkommen jedoch die Konsumnachfrage steigern. Die Arbeitslosenquote dürfte 2024 bei 5,7 Prozent, 2025 bei 5,5 Prozent liegen. Die Inflation dürfte in diesem Jahr 2,2 Prozent betragen und im nächsten weiter auf 2,0 Prozent zurückgehen. Das RWI erwartet für das laufende Jahr ein staatliches Budgetdefizit von 46 Milliarden Euro und für 2025 ein Defizit von 48 Milliarden Euro.

Die Aussichten für die konjunkturelle Entwicklung in diesem Jahr sind gedämpft. Durch die anhaltend hohen Energie– und Rohstoffpreise dürften die Kosten für die Unternehmen und Haushalte im Prognosezeitraum hoch bleiben. Zudem dürfte die Unsicherheit bei den Marktteilnehmern nur allmählich nachlassen und auch eher aufgrund von Gewöhnung als aufgrund der Auflösung der derzeitigen geopolitischen Spannungen.

In diesem und nächstem Jahr wird die Weltwirtschaft voraussichtlich moderat wachsen. Da die Arbeitsmärkte weiterhin robust sind und die Löhne recht kräftig steigen, sollten sich der private Konsum und die Investitionen beleben. Der weltweite Warenhandel dürfte seine Schwäche allmählich überwinden. Im Jahresdurchschnitt erwartet das RWI für dieses Jahr einenZuwachs des Welthandels von 1,2 Prozent, für das kommende Jahr einen Anstieg von 2,4 Prozent.

Risiken für die Prognose sind die Gemengelage aus anhaltenden hohen Energie- und Rohstoffpreisen sowie hoher Unsicherheit über die wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Perspektiven. In dieser Situation könnten sich die Unternehmen in Deutschland im Prognosezeitraum stärker mit Investitionen und Neueinstellungen zurückhalten, als dies in der Prognose unterstellt ist. Kippt die Stimmung unerwartet schnell ins Positive, würden die Investitionen voraussichtlich deutlich stärker ausgeweitet werden als in der Prognose angenommen. Das dürfte dann auch den privaten Konsum stimulieren. Darüber hinaus gehen von den derzeit starken geopolitischen Spannungen Risiken für die Konjunktur aus. Sie könnten zu steigenden Importpreisen und steigender Unsicherheit führen, was vor allem die Investitionstätigkeit der Unternehmen stärker dämpfen könnte.

Zu den Aussichten für die deutsche Wirtschaft sagt RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt: „Die hohe Unsicherheit über wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Perspektiven verunsichert Unternehmen und belastet den privaten Konsum. Eine durchgreifende Erholung der deutschen Wirtschaft kann nur gelingen, wenn diese so weit wie möglich reduziert wird.“

Mit Blick auf die Anfang März von S&P Global veröffentlichten Februar-Daten des HCOB Einkaufsmanagerindex Deutschland (EMI) hatte BME-Vorstandsvorsitzende Gundula Ullah betont: „Die massive Nachfrageflaute bremste die deutsche Industrie auch im Februar aus. Damit schwindet die Hoffnung auf eine baldige Trendwende.“

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Frank RöschPressesprecher+49 6196 5828-155frank.roesch@bme.de
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